Kommentar

Diskussion um Attila Hildmann: Die Freiheit des Lesers

Meinungsfreiheit ist im Buchhandel traditionell ein hohes Gut. Jetzt wird um den Verkauf von Büchern Attila Hildmanns diskutiert.

Meinungsfreiheit ist im Buchhandel traditionell ein hohes Gut. Jetzt wird um den Verkauf von Büchern Attila Hildmanns diskutiert.

Foto: Jan Woitas / dpa

Hagen.  Debatte um die Kochbücher von Attila Hildmann: Zur Meinungsfreiheit gehört auch die Freiheit, etwas nicht zu verkaufen.

Dass sich ausgerechnet an veganen Kochbüchern eine Debatte über die Meinungsfreiheit quasi die Zähne ausbeißt, ist symptomatisch für die seltsamen Zeiten, in denen wir leben. Dennoch ist die Diskussion wichtig. Denn es gehört zum Privileg jeder Demokratie, folgendes Paradox auszuhalten: Eine Demokratie muss auch die Meinungsfreiheit der Menschen verteidigen, welche diese Meinungsfreiheit missbrauchen, um sie abzuschaffen.

Auf der anderen Seite sollte jemand, der mit großer Aggressivität extreme Ansichten öffentlich postuliert, natürlich nicht nur das strafrechtliche Echo spüren. Denn zur Meinungsfreiheit gehört eben auch, das wird gerne übersehen, dass ein Buchhändler sich frei dafür entscheiden kann, bestimmte Titel nicht zu verkaufen. Oder dass ein Kunde sich frei dafür entscheidet, nicht mehr in einen Laden zu gehen, dessen Sortiment ihm nicht behagt.

Es gibt aber noch einen dritten Aspekt. Viel zu schnell wird derzeit die Verbots-Keule gezogen, ob es nun Raucher trifft oder Motorradfahrer oder den Aufklärer Kant als vorgeblichen Rassisten. Der Durchlauferhitzer Internet hebt solche Debatten im Nu auf eine gewaltige Eskalationsstufe. Und das ist die Herausforderung: In der ungeheuren Erregungsflut unserer Tage den Überblick zu behalten und sich mit Bürgersinn gegen demokratische Tabubrüche zu positionieren.

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