Stellenabbau bei VW

Eine Branche im Umbruch

Die einzige Chance für die Autohersteller ist, den Stier mutig zu reiten und den Technik-Vorsprung zu halten.

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Der Umbruch in der Autoindustrie kommt mit Macht, und niemand wird ihn aufhalten können. Dass VW in der Verwaltung bis zu 7000 Stellen streichen will, ist nur ein lauer Vorgeschmack auf das, was bei allen Herstellern noch folgen wird: eine gewaltige Umstrukturierung mit dem Wegfall vieler Jobs. Die E-Mobilität wird nicht nur den Verkehr revolutionieren. Sie wird auch unseren größten Industriezweig disruptiv verändern.


Die Rechnung ist einfach: In einem Verbrennungsmotor müssen rund 1200 Teile verbaut werden, im simplen Elektromotor nur 200. Da braucht es weniger begnadete Mechaniker, sondern billige E-Antriebe. In den Forschungslabors werden nicht mehr die besten Nockenwellen, sondern die stärksten Akkus und per­fekte Algorithmen die Zukunft sichern. Noch schärfere Abgasvorgaben werden den Verbrennungsmotor spä­testens ab 2030 zum Nischenprodukt machen.


Es nützt wenig, den Umbruch zu bedauern. Die einzige Chance für die Autohersteller ist, den Stier mutig zu reiten und den Technik-Vorsprung zu halten. Sicherheit, Konnektivität, Komfort – sogar das Image – werden bei den Fahrzeugen der Zukunft eine Rolle spielen. Damit diese auch künftig von deutschen Herstellern kommen, muss die Branche umgebaut werden. Dazu braucht es Mut, kluge Manager, verantwortungsvolle Gewerkschaften und möglichst wenig Gängelung durch die Politik. Denn die Operation ist heikel: Erlösquellen wie das ­Verbrenner-Auto müssen so lange gepflegt werden, bis die neuen Produkte genug Gewinn abwerfen. Das ­falsche Timing in diesem Prozess kann tödlich sein.


Der Dieselskandal ist bei diesem Umbruch ein ärger­liches Handicap. Deshalb muss der Fall endlich aufgeklärt und im Sinne der betrogenen Kunden schnell ­abgeschlossen werden. Die ganze Affäre liegt schon zu lange wie Mehltau auf der ganzen Branche.

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