Tarifeinigung Metall

Fortschritt in moderne Arbeitswelt

Die Tarifeinigung in der Metall- und Elektrobranche hat eine neue Qualität.

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Das Rad haben Metall-Arbeitgeber und Gewerkschaft in Stuttgart nicht neu erfunden. Flexible Arbeitszeitmodelle gibt es bereits, nicht nur in der Industrie. Allerdings beruhten diese bisher wesentlich auf Freiwilligkeit des Unternehmens. Bald ist der Wunsch eines Arbeitnehmers nicht mehr „abhängig von Gottes Gnaden“, wie es NRW-Gewerkschaftsführer Knut Giesler verständlicherweise zufrieden feststellt. Das im Tarifvertrag verbriefte Recht auf Arbeitszeitverkürzung ist ohne Zweifel eine neue Qualität.

Dass sie möglich wurde, hat mehrere Gründe. Die überwiegend gute Ertragslage der Unternehmen gepaart mit einem zunehmenden Fachkräfteengpass. Eine Gemengelage, die der Gewerkschaft in die Karten spielt. Zudem sind Unternehmer natürlich an zufriedenen Mitarbeitern interessiert, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben.

Unter dem Strich haben die Sozialpartner am Ende klug verhandelt. Rückblickend stellt sich die Frage, ob die Eskalation mit 24-Stunden-Streiks und geschätzt einer Milliarde Euro wirtschaftlichem Schaden für dieses Ergebnis wirklich notwendig war. Zweifel erscheinen angebracht.

Der Abschluss der Metaller im Südwesten, der voraussichtlich nach Karneval mit kleineren Änderungen auf Nordrhein-Westfalen übertragen wird, ist ein großer Fortschritt in Richtung modernere Arbeitswelten, auch weil er Rücksicht darauf nimmt, dass nicht alle Unternehmen gleich leistungsstark sind. Leider wird er nur dort zügig übertragbar sein, wo eine Branche in hohem Maße tarifgebunden ist und die Beschäftigten überwiegend gewerkschaftlich organisiert sind.

Ein Rückkehrrecht von Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigung wird die neue Bundesregierung wohl in der kommenden Legislaturperiode auch gesetzlich regeln. Besser sind aber allemal tarifvertragliche Einigungen.

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