Großer Lauschangriff

Harald Ries

Harald Ries

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

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Wer nichts Verbotenes tut, hat nichts zu befürchten. Mit diesem Satz wischen Sicherheitspolitiker Bedenken von Datenschützern gern beiseite. Der Satz ist nicht ganz falsch. Aber eben auch nicht ganz richtig. Denn so wichtig es ist, Kriminellen das Handwerk zu legen, so wichtig ist es auch, Unschuldige vor falschen Verdächtigungen zu schützen. Und welcher Bürger kann sich sicher sein, dass seine Dialoge mit Alexa nicht von Hackern manipuliert sind? Gleiches gilt für andere digitale Spuren in Haushaltsgeräten.

In der Praxis dürfte es wohl nicht allzu viele dieser Fälle geben. Aber der Wunsch der Innenminister, solche Daten vor Gericht zu nutzen, hat einen ganz anderen, viel größeren und vielleicht sogar nützlicheren Effekt: Jetzt wird hoffentlich auch dem Vorletzten bewusst, dass wir permanent einen großen Lauschangriff auf uns selbst inszenieren, wenn wir uns die „smart home“-Geräte ins Haus holen.

Da schließt sich die Frage an: Übersteigt der mögliche Nutzen der schlauen Heizungen und Kühlschränken wirklich die tatsächliche Gefahr, ausspioniert zu werden – wenn nicht von der Polizei, dann von den Konzernen? Jeden Tag und jede Minute? Womöglich nicht. Oder doch. Aber es lohnt sich, darüber nachzudenken. Falls es das Ziel der Innenminister war, dies deutlich zu machen, dürfte ihre Initiative ein Erfolg werden. Das ist allerdings eher unwahrscheinlich.

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