Corona-Impfstoff

Hoffe nicht ohne Zweifel und zweifle nicht ohne Hoffnung

Foto: NRZ

Die Zuversicht wächst, dass ein wirkungsvoller Impfstoff kommt. Der Optimismus darf aber nicht die vielen offen Fragen verdrängen.

Den Spruch in der Überschrift soll der römische Philosoph Lucius Seneca einmal gesagt haben. Seine tiefgründigen Worte passen gut in diese Zeit, da der Corona-Impfstoff zum Greifen nah scheint. Es wäre schließlich zu schön, wenn nach der Jahreswende mit dem Impfen begonnen werden könnte.

Bis dahin vernehmen wir allerdings täglich sehr hohe Zahlen, wenngleich die Sprache aus dem Robert-Koch-Institut inzwischen ein wenig verändert klingt. Während es gestern die höchste Fallzahl überhaupt gab, wurde nur von einem „gleichbleibend hohem Niveau“ gesprochen. Offensichtlich sollen damit Wachsamkeit und Zuversicht gleichermaßen vermittelt werden.

Die deutschen und internationalen Börsen nehmen den Impfstoff-Optimismus indessen schon mal vorweg. Die Aktienkurse steigen, übrigens auch Tourismuswerte. Erfreulich, wenn die Börsengurus richtig liegen.

Dennoch gilt der Spruch von Seneca: Niemand weiß bisher genau, wie schnell die Mehrzahl der Bundesbürger geimpft werden kann und wie nachhaltig die Dosen wirken. Nicht zuletzt wird es nicht ausreichen, wenn die Impfungen nur bei uns oder in wenigen Staaten umfassend funktionieren sollten. Die Welt ist so vernetzt, die Menschenströme so gewaltig, dass Schutzmechanismen nur global wirklich Sinn machen. Sturer Nationalismus hilft also auch hier nicht weiter.

Bis der Impfstoff kommt, bleibt Zeit für ein paar Gedankenspiele: Darf man dann nur mit Impfpass ins Kino oder in die Kneipe gehen, in den Urlaub fliegen oder andere umarmen? Solche Fragen werden noch für Diskussionen sorgen, sind aber besser als Verbotsdebatten. Bis dahin gilt: Durchhalten, und zwar mit Abstand und Maske!

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