Kommentar

Intendantin unter Beschuss – Es geht um Journalismus

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NRZ-Kommentar_von Peter Toussaint

NRZ-Kommentar_von Peter Toussaint

Foto: funkegrafik nrw

Die Vorwürfe gegen die zurückgetretene RBB-Intendantin Patricia Schlesinger werden den Staatsanwalt beschäftigen. Aber es geht um viel mehr.

Unsere Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass Bürgerinnen und Bürgern gute Informationsquellen zur Verfügung stehen. Die NRZ will, so wie viele andere Regionalzeitungen auch, dazu einen Beitrag leisten. Wir berichten für die Menschen in der Region, die als mündige Bürger Träger der politischen Willensbildung sind. In allgemeinen, geheimen und freien Wahlen bestimmen sie, wer stellvertretend für alle Deutschen die Politik gestalten darf. „Alle Macht“, so steht es im Grundgesetz, „geht vom Volke aus.“ Da wünscht man sich doch, dass dieses Volk gut informiert seine Wahl trifft.

Wohin das führt, wenn es keine Informations- und Meinungsvielfalt gibt, lässt sich in Nordkorea beobachten, in China und in Russland. Das kann niemand wollen, dem die Freiheit wichtig ist. Wohin Zensur und Gleichschaltung der Medien führen kann, haben auch die Deutschen erlebt. Das ist der entscheidende Grund für die Einführung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach dem Krieg, mit der britischen BBC als Vorbild. Radio und Fernsehen sollten als Massenmedium keinen wirtschaftlichen Interessen und keinen politischen Interessen dienen, sehr wohl aber auf das Grundgesetz verpflichtet sein.

Viele junge Menschen schalten ARD und ZDF überhaupt nicht mehr ein

Mit öffentlich-rechtlichem Rundfunk sind wir gut gefahren – und wir haben ihn auch all die Jahrzehnte gut bezahlt. Wenn man nun feststellt, dass gerade viele junge Menschen ARD und ZDF überhaupt nicht mehr einschalten, stellt sich immer drängender die Frage nach Reformen und nach Einsparungen. Niemand wird auf Dauer für etwas zahlen wollen, was er nicht nutzt.

Dass eine große Boulevardzeitung und die AfD nun die öffentlich gewordene Geldverschwendung einer Intendantin zum Anlass nehmen wollen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abzuschießen, ist für unser Gemeinwesen viel gefährlicher als die Ausgabe von 16.783,82 Euro für italienisches Parkett in einem Intendantinnenbüro. Bei dem einen Thema geht es um Abgehobenheit einer Managerin, den Vorwurf von Geldverschwendung und um mangelnde Kontrolle. Das darf man nicht kleinreden. Bei dem anderen Thema geht es um eine wichtige Grundlage unserer Demokratie: den Auftrag zu gutem, ungebundenem Journalismus – so objektiv wie möglich. Den Filterblasen im Internet muss etwas entgegengesetzt werden.

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