Warenhaus-Fusion

Karstadt und Kaufhof gewinnen Zeit

Der Online-Handel wird die Läden in Innenstädten weiter in Atem halten. Nur wer beide Welten verzahnt, wird diesen brutalen Wettbewerb überleben

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René Benko ist am Ziel: Im dritten Anlauf kann der Immobilien-Mogul aus Österreich nach dem größeren Wettbewerber Kaufhof greifen und die Deutsche Warenhaus AG schmieden. Der Widerstand des Eigentümers HBC gegen die Avancen von Signa aus Wien hielt nicht lange. Die Nordamerikaner haben sich 2015 schlichtweg überhoben, als sie damals Galeria Kaufhof vom Metro-Konzern übernahmen.

HBC ist nicht der erste ausländische Konzern, der im knüppelharten deutschen Einzelhandel scheitert. Auch Walmart und Marks & Spencer zogen sich rasch wieder zurück. Insofern konnte HBC in dieser desaströsen Situation nichts Besseres passieren als eine Fusion mit Karstadt. Mit Stephan Fanderl an der Spitze hat der Konzern demonstriert, dass Warenhäuser profitabel betrieben werden können. Fanderl hat Karstadt beharrlich umgebaut und sich mit Untermietern wie Aldi, dm und Hugendubel zusätzliche Einnahmequellen verschafft. Von diesen Erfahrungen kann nun Kaufhof profitieren.

Über den Berg ist das Warenhaus aber nicht. Es gewinnt allenfalls Zeit. Denn es gibt kein größeres und besser sortiertes Warenhaus als das Internet. Der rasch wachsende Online-Handel wird die Läden in Innenstädten und Einkaufszentren weiter in Atem halten. Nur wer beide Welten verzahnt, wird in diesem brutalen Wettbewerb überleben. Beratung, Service und Erlebnis kann nur der stationäre Handel liefern.

Doch dazu braucht er qualifizierte und motivierte Mitarbeiter. Wie bei vielen Konzern-Zusammenschlüssen wird ihr Schicksal aber hintangestellt. Karstadt und Kaufhof feiern ihre „Fusion unter Gleichen“, geben aber keine Antwort auf Fragen nach der Zukunft der 32 000 Mitarbeiter. Das ist verantwortungslos. Ohne große finanzielle Opfer der Mitarbeiter hätte sich Karstadt nicht aus der Krise befreien können. Auch die Beschäftigten des Kölner Konzerns sollen verzichten. Die Hängepartie um ihr Schicksal muss ein Ende haben.

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