Krankenhaus-Studie

Kliniken brauchen neue Regeln, nicht neue Gutachten

NRZ Redakteur Stephan Hermsen Kommentarbild Kommentarfoto Online Verwendung

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Eine neue Bertelsmann-Studie meint: Das Land braucht nur halb so viele Kliniken. Krankenhaus-Verbände laufen dagegen Sturm – verständlich.

Die Krankenhäuser stehen in den letzten Wochen unter Dauerfeuer. Ein (noch nicht) veröffentlichtes Landesgutachten meint, das jede zweite Klinik überflüssig ist. Jetzt kommt noch eine Bertelsmannstudie sagt, es täten auch halb so viele Häuser. Am Beispiel der Region um Köln, Leverkusen und dem Bergischen Land rechnen die Gutachter aus Berlin vor, dass es sieben Kliniken täten, wo derzeit 21 Häuser die Menschen versorgen.

Auf dem Papier haben sie Recht: Es reicht aus, wenn Menschen im zeitkritischen Notfall in 30 Minuten ins Krankenhaus kommen. Es ist ebenfalls belegt, dass Spezialisierung der Qualität gut tut. Wer will schon bei einem komplizierten Eingriff von einem Ärzteteam betreut werden, das derlei nur alle paar Monate macht?

Es hilft wenig, alle paar Monate vorzurechnen, dass andere Länder mit weniger Kliniken keine schlechte Medizin machen. Man muss auch an die Strukturen des Medizinsektors. Die vor allem am Wochenende überquellenden Ambulanzen der Krankenhäuser zeigen: Die Menschen verstehen schlicht nicht, dass Notdienste zunächst eine Aufgabe der niedergelassenen Ärzte ist. Menschen kommen zum Krankenhaus, weil sie dort Hilfe erwarten.

Wichtiger wären Schneisen im Gesetzesdschungel

Ein Kompliment, auf das die strenge Trennung von ambulantem und stationären Sektor noch kaum vorbereitet ist. Genauso wie darauf, dass es für viele Kliniken (und viele Menschen) eine große Erleichterung wäre, könnten stationäre Behandlung und nachsorgende Kurzzeit-Pflege unter einem Dach stattfinden. Auch das sind wieder streng getrennte Säulen.

Wichtiger als das nächste Gutachten wären Schneisen im Gesetzesdschungel, die insbesondere den kleineren und manchmal auch kriselnden Häusern neue Optionen ermöglichten: Ambulanz, Grundversorgung und Kurzzeitpflege unter einem Dach – das kann langfristig auf dem Land Gesundheitsstandorte erhalten und sorgt für Wohnortnähe und Arbeitsplätze – kurz für zumindest angleichende Lebensbedingungen in Stadt und Land.

Ob die Häuser dann Klinik heißen dürfen oder Medizinzentrum oder Gesundheitshaus – das können ja Gutachter entscheiden.

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