Meinung

Kritische Spender gefragt

Monika Willer

Monika Willer

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Kritische Spender sind die besten Spender

Die Welt ist gar nicht so schlecht. Fast 16 Millionen Deutsche haben in 2019 bisher Geld an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen gespendet. Diese Zahl erwärmt das Herz. Trotzdem muss man auch sagen, dass es im vorigen Jahr noch fast 17 Millionen Spender waren. Der Rückgang hat finanziell kaum Folgen, weil die Spender mehr und öfter geben. Aber man fragt sich natürlich nach den Ursachen, warum so viele Spender abspringen.

Dabei offenbart sich schnell eine Verschiebung der Adressaten. Mehrere der großen Hilfsorganisationen haben in den vergangenen Jahren mit Skandalen negative Schlagzeilen gemacht. Immer wieder steht auch die mangelnde Transparenz in der Kritik; als Spender möchte man ja den Alltag und die Gesundheitsversorgung von Familien und Kindern verbessern und nicht die Bürokratie füttern. Deshalb sind Graswurzel-Aktionen so erfolgreich,
weil hier der persönliche Kontakt sicherstellen soll, dass das Geld wirklich da ankommt, wo es hin muss. Die großen Hilfswerke sind noch weit davon entfernt, greifende Kontrollmechanismen zu etablieren.

Möglicherweise ist der Rückgang der spendenbereiten Bürger also durch diesen Vertrauensverlust bedingt. Dass trotzdem noch derart viele Menschen anderen helfen wollen, macht Mut, und es ist auch ein Appell: Die Zukunft gehört den kritischen Spendern.

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