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Queen-Abschied in TV-Dauerschleife: Muss das wirklich sein?

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Kommentarfoto Peter Toussaint

Kommentarfoto Peter Toussaint

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Das Begräbnis der Queen ist ein Weltereignis. Doch müssen ARD und ZDF stundenlang jeweils ein eigenes Programm zeigen? Eine vergebene Chance.

Es stimmt: Das ist ein Weltereignis, das heute in London stattfindet. Es gibt Schätzungen, dass vier Milliarden Menschen zugucken werden. In der Redaktion haben wir darüber diskutiert, ob nicht vielleicht eine Seite dafür reicht. Wir sind alle eingefleischte Republikaner. Die Idee, dass ein Staatsoberhaupt durch Geburt ins Amt kommt, erscheint uns arg antiquiert und wenig demokratisch. Es werden dann am Ende wohl doch zwei Seiten. Und ein großes Foto auf Seite 1.

Die Zeremonie hat uns berührt. Es sei ein wenig so wie der Abschied von den Großeltern, hat der Chefredakteur vom ZDF am Morgen im Fernsehen gesagt. Und es ist auch ein kleiner Abschied von der Gemütlichkeit und der Gewissheit vergangener Zeiten, die wir in der Rückschau gerne als „gute Zeiten“ verklären.

Ob man sich bei ARD und ZDF auch darüber Gedanken gemacht hat, wie viel Platz man dem Geschehen einräumt? Heute Morgen um 9 Uhr hab ich mal auf meine „Hör zu“-App geschaut. „ARD: Trauerfeier für die Queen, noch 471 Min.“, war da zu lesen. Eine Zeile weiter: „ZDF spezial: Trauer um Queen Elizabeth II., noch 536 Min.“ Der öffentlich-rechtliche Nachrichtenkanal „Phoenix“ will es auch bis zum Abend übertragen, genau wie ntv, Sat.1 und RTL.

ARD und ZDF: Gemeinsame Übertragung hätte gut zu Gesicht gestanden

Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist das eine vergebene Chance, den vehement eingeforderten Sparwillen zu demonstrieren. Hohe Gehälter für Intendanten, zusätzliche Prämien und exklusive Ausstattung für einzelne Chef-Büros haben ARD und ZDF insgesamt in Misskredit gebracht. Das ist ungerecht und überzogen und wird von politisch fragwürdiger Seite instrumentalisiert. Aber die Debatte ist da, auch anderswo in Europa, und sie ist für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefährlich.

Und darum hätte es ARD und ZDF heute gut zu Gesicht gestanden, sich auf eine gemeinsame Übertragung zu einigen, ein gemeinsames Team nach London zu schicken und einen Sender für ein alternatives Programm frei zu halten. Der kritische Gebührenzahler darf schon fragen: „Warum zahle ich 18,36 Euro im Monat an ARD und ZDF, wenn doch beide Sender den ganzen Tag das Gleiche zeigen – nur mit unterschiedlichem und zweimal gut bezahltem Personal?“

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