Kommentar

Sagen Sie allen Helfern, die Sie treffen, einfach: Danke!

Lesedauer: 4 Minuten
Michael Koch, Leiter der WESTFALENPOST-Titelredaktion.

Michael Koch, Leiter der WESTFALENPOST-Titelredaktion.

Foto: Michael Kleinrensing

Was sollte wir in dieser Flut-Katastrophe ohne die Hunderten Helfer tun? Was es neben dem den Dank an sie noch zu tun gilt.

Es erscheint immer noch unwirklich, was in den vergangenen 72 Stunden geschehen ist: Dutzende Tote, Zerstörung in noch nicht ansatzweise bezifferbaren Dimensionen. Mitten in unserem dicht besiedelten und hoch entwickelten Land sind Ortschaften stunden- und tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Ja, es war nicht das erste Hochwasser nach Starkregen und theoretisch wissen wir alle, dass Wasser sehr viel Kraft hat. Und doch wirken die Bilder verstörend. Wir können oft nichts tun gegen die Gewalten, wir müssen das Wasser fließen lassen, wir können es nicht bändigen. Die Natur hat uns ihre Macht mehr als deutlich gezeigt. Was können, was müssen wir daraus lernen?

1. Der Klimawandel ist Fakt: Wir müssen danach handeln

Erstens: Man kann – und muss auch – über Klimawandel diskutieren. Über die Ursachen und auch über die Maßnahmen. Aber es fällt mir zunehmend schwer, auf die Menschen einzugehen, die den Klimawandel als maßgeblich durch die Menschen verursachtes Phänomen verneinen. Die überwältigende Mehrheit der Experten sieht es als erwiesen an. Und wir tun gut daran, ihnen auch zu vertrauen. Das bedeutet nicht, dass man nicht über den Weg streiten soll, wie die Bekämpfung des Klimawandels tatsächlich gestaltet werden soll. Aber es muss einen breiten gesellschaftlichen Konsens geben, dass wir mit unserem Planeten, unserer Umwelt und unserem Klima sorgsamer umgehen müssen – und auch auf Annehmlichkeiten verzichten. Wenn wir nicht dazu bereit sind, müssen wir auch mit den Folgen leben. Und die haben wir in den vergangenen Tagen schmerzhaft erleben müssen. Diese immer länger anhaltenden Extremwetter-Phasen – sei es Hitze und Trockenheit, sei es Starkregen – sind Produkte des Klimawandels. Die Projektionen des Helmholtz-Instituts, die vergangene Woche öffentlich wurden, zeigen, dass auch uns in der Region das immer öfter treffen wird.

2. Jetzt müssen konkrete Starkregen-Maßnahmen getroffen werden

Zweitens: Den Klimawandel können wir nur mittel- und langfristig bekämpfen. Aber schon jetzt müssen ganz aktuell Maßnahmen getroffen werden. Die Landesregierung muss noch einmal mit allen Kommunen durchsprechen, ob sie wirklich ihre Aufgaben im Hochwasserschutz und der Starkregen-Prävention gemacht haben. Wenn aus den Konzepten konkrete Vorschläge erwachsen, dann müssen diese schnell umgesetzt werden, wenn es etwa um die Entsiegelung von Flächen, bessere Abflussmöglichkeiten und Renaturierungsprojekte geht. Und zwar unbürokratisch und mit finanzieller Unterstützung von Bund und Land. Die Kassenlage mag nach der Corona-Pandemie angespannt sein, aber die Folgekosten sind, das sehen wir dieser Tage, noch viel größer. Vor allem, weil man Menschenleben nicht in Geld aufwiegen kann.

3. Hilfe beim Wiederaufbau darf kein Lippenbekenntnis sein

Drittens: Die Hilfe beim Wiederaufbau der betroffenen Gebiete darf nicht nur ein Lippenbekenntnis sein. Über den Kanzler-Wahlkampf hinaus, vielleicht auch über seine Zeit als Ministerpräsident hinaus, muss Armin Laschet sicherstellen, dass die Kommunen einen festen Ansprechpartner in der Landesregierung haben.

4. Ein Dankeschön an alle Helfer

Viertens: Wir müssen uns alle fragen, ob wir eigentlich genug für die Gesellschaft tun, ob wir uns genug engagieren. Etwa bei der Freiwilligen Feuerwehr, beim Roten Kreuz, beim Technischen Hilfswerk oder anderen Hilfsorganisationen. Man muss sich nur eine Sekunde vorstellen, wenn es nicht diese Hunderte und Tausende Ehrenamtliche gäbe, die in diesen Tagen Übermenschliches leisten. Und sich dabei selbst in Gefahr bringen. Niemand sollte auch nur noch einmal lächeln, dass diese Menschen ihre Freizeit opfern, wenn andere Spaß haben. Stattdessen ist angesagt: Sagen Sie allen Feuerwehrleuten, allen Helfern, die Sie kennen, heute einmal Dankeschön. Sie haben es verdient.

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