Kampg gegen Plastikmüll

Unser Jahrhundertproblem

Das Müllproblem ist auch hausgemacht. Es findet eben nicht nur irgendwo da draußen auf den Weltmeeren und in asiatischen Flüssen statt.

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Zuerst eine Nachricht fürs gute Gewissen: Die Deutschen sind Europameister im Mülltrennen. Im Durchschnitt gelingt es jedem Bundesbürger, pro Jahr 415 Kilogramm Abfall der Wiederverwertung zuzuführen. Das schafft keine andere Nation auf dem Kontinent. Nun zum schlechten Gewissen: Der Müllberg der Deutschen wächst seit Jahren, während er in anderen EU-Ländern schrumpft. Schlagartig verliert die gut ­ge­meinte Sortiererei in gelbe, grüne, blaue Tonnen ihren ethischen Glanz. Die Deutschen produzieren unverantwortlich viel Verpackungsmüll. Es beginnt mit dem ­Coffee-to-go-Becher mit Plastikdeckel und endet noch lange nicht bei der in Folie eingeschweißten Gurke.


Wenn nun die EU-Kommission dem Plastikmüll den Kampf ansagt und sogar finanziellen Druck auf die Mitgliedstaaten ausübt, dürfen sich die Deutschen nicht beschweren. Das Müllproblem ist auch hausgemacht. Es findet eben nicht nur irgendwo da draußen auf den Weltmeeren und in asiatischen Flüssen statt.


„Wir werden im Plastik ersticken, wenn wir nichts tun.“ Das sagen nicht radikale Anti-Plastik-Aktivisten, sondern Brüsseler Bürokraten. Auch die Wirtschaft ­sollte auf sie hören. Noch argumentieren etliche Unternehmen, die etwa kleine Gummibärchentüten in einer großen Gummibärchentüte verkaufen oder Kaffeekapseln mit doppelter Verpackung aus Plastik und Aluminium „wegen des Aromas“ herstellen, mit dem Kundenwillen. Sie machen es sich zu leicht. Wenn es allein ­danach ginge, was der Kunde angeblich alles so verlangt, würden die Deutschen nach wie vor Bierdosen in Massen kaufen und das geliebte Auto noch selbst am Straßenrand waschen. Die Deutschen reagieren allergisch, wenn die Politik sie erziehen will. Aber sie lernen freiwillig dazu, wenn sie die Notwendigkeit zu handeln verstehen. Auch beim Plastikmüll, unserem Jahrhundertproblem, wird es so sein.

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