Kindesmissbrauch

Warnung zur rechten Zeit

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Düsseldorf  Der Missbrauchsbeauftragte des Bundes fordert, die Signale der Opfer nicht zu überhören. NRW könnte einen Warner wie ihn gut gebrauchen.

Kinder, die missbraucht werden, senden deutliche Signale, aber viele Erwachsene erkennen sie nicht, warnt Johannes-Wilhelm Rörig, der Wächter der Bundesregierung gegen den Missbrauch. Da hat er sicher recht. Allerdings war diese Neigung zum Weghören früher wohl noch viel ausgeprägter als heute. In den 1950-er Jahren, als unangenehme Fragen so ganz und gar nicht angesagt waren, oder auch in den freizügigen 1970-ern. Die „gute alte Zeit“, in der Kinder sorglos in einer heilen Welt spielen konnten, es gab sie nie. Neu ist, dass moderne Medien Tätern alle Möglichkeiten bieten, sich zu vernetzen und in den Tiefen des Netzes zu verbergen. Das Internet macht diese Verbrechen zum Massendelikt.


Über Polizei-, Behörden- und Politikversagen wurde viel geredet, seit die Missbrauchsfälle von Lügde bekannt wurden. Das ist auch zwingend notwendig, aber die Schuld sollte nicht nur in den Ämtern gesucht werden. Hinter jedem dieser Verbrechen verbirgt sich auch das Versagen von Menschen, die dem Kind nahe stehen müssten. Zum Beispiel von Lehrern, Verwandten, Nachbarn, Medizinern. Rörigs Warnung kommt also zur rechten Zeit.


Einen Mahner wie ihn könnte Nordrhein-Westfalen auch gut gebrauchen. Die Landesregierung leistet sich zum Beispiel einen Beauftragten für Heimatvertriebene und Aussiedler, weil diese Gruppen bisher politisch nicht richtig wahrgenommen wurden. Warum dann nicht auch einen unabhängigen Experten, der beim Thema Missbrauch genauer hinsieht? Die Kinder brauchen mehr Aufmerksamkeit. ​

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben