Landesjugendchor

Zweifel am Kerngeschäft

Mit dem Landesjugendchor soll das einzige öffentlich getragene berufsvorbereitende Jugend-Chorensemble in NRW dem Zeitgeist geopfert werden

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gerne beklagt die Kulturgemeinde, dass muttersprachliche Studierende an den deutschen Musikhochschulen gegenüber ihren Kommilitonen aus Asien immer mehr ins Hintertreffen geraten. Die Lage ist hausgemacht. Sie resultiert aus dem seit Jahrzehnten vernachlässigten Musikunterricht an den Schulen. Wenn jetzt mit dem Landesjugendchor das einzige öffentlich getragene berufsvorbereitende Jugend-Chorensemble in NRW dem Zeitgeist geopfert wird, verbessert sich die Situation nicht.

Überhaupt erweckt die Diskussion den Eindruck, als würden Träger wie der Chorverband ihrem eigenen Kerngeschäft nicht mehr trauen, der von Bach & Co. geprägten europäischen Musikkultur, die Millionen Kinder in Asien derzeit begeistert kennenlernen. Hierzulande hält das Männerchorsterben an. Die Rettung sollen das Genre Pop und die türkischstämmigen jungen Leute bringen. Nur: Die haben die gleichen Gründe, nicht im Chor zu singen wie ihre deutschen Nachbarn: Verdichtung von Arbeit und Freizeit, Abneigung gegenüber den Ritualen des Vereinslebens etc.

Dass man den Hebel nun bei einem funktionierenden Spitzenchor ansetzt, zeigt einerseits die herrschende Verzweiflung. Andererseits ist es eine Bankrotterklärung gegenüber der eigenen DNA.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben