Virus

Affenpocken: Erstmals bei Kind in Deutschland nachgewiesen

| Lesedauer: 24 Minuten
Eine kolorierte transmissionselektronenmikroskopische Aufnahme von Partikeln des Affenpocken-Virus.

Eine kolorierte transmissionselektronenmikroskopische Aufnahme von Partikeln des Affenpocken-Virus.

Foto: Niaid/Niaid/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa

Berlin  In Deutschland sind erstmals bei einem Kind die Affenpocken nachgewiesen worden. Weitere wichtige Informationen zum Virus-Ausbruch.

  • Affenpocken erstmals bei Kind in Deutschland nachgewiesen
  • Berlin soll Affenpocken-Impfstoff bekommen
  • Affenpocken-Ausbruch: Die USA rufen den nationalen Gesundheitsnotstand aus
  • Deutsche Mediziner fordern dringend mehr Aufklärung über Affenpocken
  • Spanien meldet zwei Todesfälle im Zusammenhang mit Affenpocken
  • Auch Indien hat den ersten Todesfall gemeldet

Berlin. Die Affenpocken breiten sich weiter aus. In Deutschland wurde eine Infektion mit dem Virus erstmals bei einem Kind nachgewiesen. Es soll sich dabei um ein höchstens vierjähriges Mädchen aus Pforzheim in Baden-Württemberg handeln. Das Kind lebt mit zwei erwachsenen Infizierten in einem Haushalt, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Lagebericht mit.

Insgesamt sind bisher in Deutschland 2916 Affenpocken-Fälle an das RKI übermittelt worden. In fast allen Fällen handle es sich um Männer, nur sieben Infizierte seien weiblich. Bisher seien zwei Fälle bei Jugendlichen bekannt.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Dienstag, 9. August: Virologe bewertet Affenpocken-Gefahr für Kinder

13.27 Uhr: Der Arzt und Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin warnt davor, den Fokus bei der Affenpocken-Erkrankung nun auf Kinder zu legen. "Es deutet nichts darauf hin, dass wir aktuell ein großes Problem bei Kindern hätten." Es seien wenige Einzelfälle, bei denen man sich genau ansehen müsse, wie es zu einer Infektion gekommen sei und ob es neue Übertragungswege gebe, etwa über Alltagskontakte. "Das ist ein sehr sensibles Thema. Denn nach allem, was wir wissen, sind die Hauptrisikofaktoren in Europa enge und häufig wechselnde sexuelle Kontakte", sagte Schmidt-Chanasit dieser Redaktion. Vergangene Woche waren dem RKI zwei Ansteckungen bei Jugendlichen bekannt geworden. Insgesamt sind bis Montag 2916 Fälle übermittelt worden, in fast allen Fällen handelt es sich um Männer.

Erstmals Affenpocken bei Kind in Deutschland festgestellt

13.02 Uhr: In Deutschland sind erstmals bei einem Kind die Affenpocken nachgewiesen worden. Es lebe in einem Haushalt mit zwei erwachsenen Infizierten, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Lagebericht mit. Der RKI-Datenbank vom Dienstag zufolge handelt es sich um ein höchstens vierjähriges Mädchen aus Pforzheim in Baden-Württemberg.

Es habe sich bei einer "engen Kontaktperson" im Haushalt angesteckt, teilte das Gesundheitsministerium in Stuttgart mit. Das Kind habe bisher keine Krankheitssymptome entwickelt. Nach Bekanntwerden des Falls im Haushalt sei es vorsorglich vom Gesundheitsamt untersucht worden, per Rachenabstrich seien Affenpocken diagnosiziert worden. Außerhalb des Haushalts habe das Mädchen keine engen Kontakte.

Mit Stand vom Montag seien insgesamt 2916 Affenpockenfälle an das RKI übermittelt worden, hieß es im Lagebericht weiter. In fast allen Fällen handle es sich um Männer, nur sieben Infizierte seien weiblich. Bisher seien zwei Fälle bei Jugendlichen bekannt.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Montag, 8. August: Berlin soll zusätzlichen Impfstoff bekommen

12.01 Uhr: Berlin soll in dieser Woche vom Bund noch zusätzliche Dosen des Affenpocken-Impfstoffs bekommen. Etwa 1900 Impfdosen solle die Hauptstadt aller Voraussicht nach noch erhalten, teilte die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung am Montag auf Anfrage mit. "Zudem werden wir über eine Abfrage an die Länder sehen, ob wir von ihnen noch Impfdosen bekommen können", hieß es weiter. Zuvor hatte der "Tagesspiegel" darüber berichtet. Bislang hatte Berlin, wo es im Bundesvergleich besonders viele gemeldete Fälle gibt, etwa 9500 Dosen des Impfstoffs erhalten.

In den letzten Wochen waren von vielen Seiten Forderungen nach mehr Impfstoff für Berlin laut geworden – die Impfbereitschaft sei hoch, der bislang verfügbare Impfstoff aber nicht ausreichend, hieß es. Das Impf-Monitoring für die Hauptstadt laufe derzeit an, weil aber nicht alle Impfstellen Zahlen gemeldet hätten, seien die bisher vorliegenden Zahlen von rund 4500 Impfungen noch nicht vollständig.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Freitag, 5. August: USA verhängen nationalen Notstand wegen Affenpocken

7.14 Uhr: Die Regierung der USA hat wegen der sich weiter verbreitenden Affenpocken den nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Mit dem Schritt sollen unter anderem Mittel des Bundes freigegeben werden können, um das Virus zu bekämpfen. "Wir sind bereit, unsere Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Virus auf die nächste Stufe zu heben, und wir fordern jeden Amerikaner auf, die Affenpocken ernst zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen, um uns bei der Bekämpfung dieses Virus zu helfen", sagte US-Gesundheitsminister Xavier Becerra am Donnerstag.

Angesichts der schnellen Verbreitung der Affenpocken hatte die WHO vor knapp zwei Wochen die höchste Alarmstufe ausgerufen. Der Ausbruch sei eine "Notlage von internationaler Tragweite", hatte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärt. Die internationale Verbreitung der Infektionskrankheit ist ungewöhnlich. Bisher war sie im Wesentlichen auf sechs afrikanische Länder beschränkt.

Laut Gesundheitsministerium gibt es in den USA mittlerweile rund 6600 Fälle. Rund 1,1 Millionen Impfdosen würden für die Menschen im Land bereitgestellt, sagte Becerra. Er kündigte an, die Kapazitäten bei den Test auf 80.000 pro Woche zu erhöhen. Einzelne US-Bundesstaaten und große Städte, etwa der Bundesstaat New York und San Francisco, hatten bereits zuvor den Notstand ausgerufen und um Hilfe des Bundes gebeten.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Donnerstag, 4. August: Bremen bietet anonyme Beratung und Tests auf Affenpocken

14.58 Uhr: Das Gesundheitsamt Bremen reagiert mit einem anonymen und kostenlosen Beratungs- und Testangebot auf die Verbreitung der Affenpocken-Fälle. Seit Juni gebe es im Land Bremen vereinzelte Fälle, teilte die Gesundheitssenatorin am Donnerstag mit. Bislang wurden acht Infektionen in dem Bundesland gemeldet. In Bremerhaven gibt es eine telefonische Beratung, über die ein Test vermittelt werden kann.

Das Beratungs- und Testangebot sei eingerichtet worden, weil im Fall einer Erkrankung mit einer Stigmatisierung zu rechnen sei, hieß es. Nach einer vorherigen telefonischen Terminvereinbarung können demnach Informationen rund um die Infektion erfragt und eine anonyme Testung vereinbart werden. Allerdings fällt die Anonymität bei einem positiven Ergebnis weg, weil dann das Gesundheitsamt die Kontaktpersonen nachverfolgen muss. Bei einer Infektion mit Affenpocken muss die betroffene Person für 21 Tagen in Isolation.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Dienstag, 2. August: Jugendliche aus Stuttgart und Erfurt mit Affenpocken infiziert

17.15 Uhr: Rund drei Monate nach dem ersten Affenpocken-Nachweis in Deutschland spricht das Robert Koch-Institut (RKI) erstmals von bekannt gewordenen Ansteckungen bei Minderjährigen. Zwei männliche Jugendliche aus Stuttgart und Erfurt steckten sich an, wie aus einer RKI-Datenbank hervorgeht. Die Meldungen beziehen sich auf die erste Julihälfte (Meldewochen 27 und 28). Zunächst hatte der "Spiegel" über zwei Betroffene im Alter von 15 und 17 Jahren berichtet.

Forderungen nach Aufklärungskampagnen zu Affenpocken

11.00 Uhr: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery haben sich für bessere Aufklärung über Affenpocken ausgesprochen und vor Stigmatisierung Erkrankter gewarnt. "Wir müssen uns im Klaren sein, dass Aufklärung und Prävention jetzt besonders wichtig sind und früher Zugang zu Diagnose- und Therapiemöglichkeiten essenziell ist", sagte die stellvertretende DKG-Vorsitzende Henriette Neumeyer den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Dienstag.

"Der Stigmatisierung von Erkrankten ist dabei dringend entgegenzuwirken, da nur dann eine effektive Eindämmung möglich ist", sagte Neumeyer weiter. Das Ziel müsse sein, die weitere Ausbreitung zu stoppen, um insbesondere vulnerable Gruppen wie Menschen mit schwachem Immunsystem zu schützen. "Infektionen müssen schnell erkannt werden, und wir müssen die Impfangebote für die Risikogruppen dringend ausweiten."

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, forderte, besser über Affenpocken zu informieren. "Für Stigmatisierung der Erkrankten gibt es überhaupt keinen Grund", sagte er den RND-Zeitungen. "Was wir vielmehr brauchen sind gute, verständliche Aufklärungskampagnen - sowohl der gefährdeten Personengruppen, wie auch der ganzen Bevölkerung."

Bundesregierung will vorerst keinen weiteren Impfstoff bestellen

10.30 Uhr: Die Bundesregierung wird vorerst keine weiteren Affenpocken-Impfstoffdosen bestellen. "Weitere Impfstoffbestellungen sind aktuell nicht in Planung", sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums den RND-Zeitungen. "Derzeit ist lediglich der Impfstoff Jynneos der Firma Bavarian Nordics zur Immunisierung gegen Affenpocken verfügbar", erklärte sie weiter. "Aktuelle Herausforderung ist, dass die weltweite Nachfrage nach dem Impfstoff das Angebot übersteigt und es zu einer temporär begrenzten Lieferfähigkeit seitens des Herstellers kommt."

Die Deutsche Aidshilfe hatte kürzlich eine Million Impfdosen gegen Affenpocken in Deutschland gefordert. Die Bundesregierung hat bislang nur ein Viertel dieser Zahl geordert.

"Der Bund hat im Rahmen einer nationalen Beschaffung insgesamt 240.000 Dosen des Impfstoffs Jynneos/Imvanex bestellt, von denen die erste Tranche in Höhe von 40.000 Impfdosen Jynneos Mitte Juni an das zentrale Lager des Bundes ausgeliefert wurde", sagte die Ministeriumssprecherin. "Die restlichen 200.000 Impfstoffdosen gegen Affenpocken aus nationaler Beschaffung werden im September 2022 erwartet."

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Montag, 1. August: Erster Affenpockentodesfall in Indien bestätigt

16.26 Uhr: In Indien ist erstmals ein Todesfall eines mit Affenpocken erkrankten Patienten bestätigt worden. Der junge Mann habe keine anderen Gesundheitsprobleme gehabt, teilte die Gesundheitsministerin des betroffenen Bundesstaates Kerala, Veena George, am Montag mit. Er sei vor gut zwei Wochen (19. Juli) in den Vereinigten Arabischen Emiraten positiv auf das Virus getestet worden. Kurz darauf ist er ihren Angaben zufolge in seine Heimat Indien zurückgekehrt, wo er etwas später Fieber bekam, ins Krankenhaus musste und zuletzt an einem Beatmungsgerät gewesen ist. Er sei am vergangenen Samstag gestorben. Indische Tests hätten seine Erkrankung mit Affenpocken bestätigt. Kontaktpersonen von ihm würden beobachtet.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Samstag, 30. Juli:

Bundesstaat New York erklärt wegen Affenpocken den Notstand