Lebensmittel

Aldi, Lidl und Co.: Kritik wegen billigen Grillfleischs

| Lesedauer: 3 Minuten
Billiges Grillfleisch: Weshalb Aldi, Lidl und Co. in der Kritik stehen

Billiges Grillfleisch: Weshalb Aldi, Lidl und Co. in der Kritik stehen

Nach einer neuen Analyse der WWF ist Billigfleisch vor allem im Sommer während der Rabattaktionen um Einiges billiger als vegetarische oder vegane Ersatzprodukte.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Aldi, Lidl und Co. bieten zur Grillsaison wieder sehr billiges Fleisch an. Was viele Verbraucher freuen dürfte, sorgt auch für Kritik.

Zur Grillsaison wirbt der Einzelhandel auch in diesem Jahr wieder mit sehr billigem Fleisch: Steak, Hähnchenschenkel oder Grillwurst kosten in den Rabattaktionen durchschnittlich 8,81 Euro pro Kilogramm. Fleischersatzprodukte wie Tofuwurst oder Sojaburger liegen im Schnitt bei 10,80 Euro pro Kilogramm.

Das sind Ergebnisse einer Rabattanalyse, die die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland vom 25. April bis 20. Mai bei acht deutschen Lebensmitteleinzelhändlern durchgeführt hat, unter anderem bei Aldi, Lidl, Edeka, Rewe und Kaufland. Die Analyse lag dieser Redaktion vorab vor.

„Billigst auf dem Rücken von Tier, Natur und Mensch erzeugtes Fleisch dominiert auch 2022 die Werbeprospekte, zum Beispiel Putenbrust-Steak zum Kilopreis von 1,16 Euro. Wer für Umwelt und Gesundheit mehr auf pflanzliche Alternativen umsteigen möchte, zahlt drauf“, sagt die WWF-Ernährungsreferentin Silke Oppermann.

Lesen Sie auch: Supermarkt oder Discounter – was ist der Unterschied

Aldi, Lidl und Co.: Nur drei Prozent des Angebots in Bioqualität

Vom WWF ausgewertet wurden 959 Grillfleisch-Angebote in den Werbeprospekten von acht Supermarkt- und Discounterketten. Dem standen 55 beworbene Fleischersatz- sowie 37 Käseprodukte gegenüber. Im Schnitt waren laut den Angaben 85 Prozent des rabattierten Fleisches billiger als vegetarische und vegane Alternativen. „Gerade wer beim Einkauf aufs Geld achten muss, greift dann aus Kostengründen schnell zum billigen Schweinenackensteak. Aber gesundes und nachhaltiges Essen darf kein Privileg für Besserverdienende sein“, sagt Oppermann.

Auch interessant:

Bei den Angeboten aus dem Segment Fleisch und Wurst waren nur zwölf der 418 beworbenen Fleischprodukte, also drei Prozent, in Bioqualität angeboten worden. Sie kosteten laut Studie im Schnitt 17,56 Euro pro Kilogramm und damit mehr als doppelt so viel wie die beworbenen konventionellen Fleisch- und Wurstwaren.

Mehrwertsteuer: WWF fordert Senkung für Obst und Gemüse

„Damit konventionell erzeugtes Fleisch zu derartigen Kampfpreisen angeboten werden kann, wird massenhaft Vieh gehalten und im großen Stil Futtermittel, vor allem Soja, importiert. Das heizt die Klimakrise an und treibt die Zerstörung wertvoller Lebensräume in Lateinamerika voran“, sagt Silke Oppermann. Der WWF fordert von der Bundesregierung eine Ernährungsstrategie bis 2023 sowie die Neuausrichtung der Lebensmittelbesteuerung hin zu einer Nachhaltigkeitssteuer.

Kurzfristig sollte die auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte abgesenkt werden. Oppermann: „Nachhaltige und gesunde Ernährung ist eine drängende soziale Frage. Der Markt allein richtet es augenscheinlich nicht. Die Bundesregierung muss handeln.“

Bei aller Kritik zeigt die WWF-Analyse aber auch, dass sich der Preisunterschied zwischen rabattiertem Fleisch und Fleischersatz im Vergleich zum Vorjahr verringert hat: Im Jahr 2021 kostete das Fleisch laut WWF im Schnitt 6,36 Euro pro Kilogramm und Fleischersatz 13,79 Euro (kai)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Panorama

Leserkommentare (22) Kommentar schreiben