Corona-Pandemie

Delta-Variante: Wie gut schützen die Corona-Impfstoffe?

Lesedauer: 12 Minuten
Corona: Das ist über die Lambda-Variante bekannt

Corona: Das ist über die Lambda-Variante bekannt

Neue Coronavirus-Varianten sind weiterhin auf dem Vormarsch. Die in Lateinamerika verbreitete Lambda-Variante ist nun auch in Europa angekommen. Was bereits über die Mutation bekannt ist, erfahren Sie im Video.

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Berlin.  Johnson & Johnson, Biontech, Astrazeneca und Moderna sind in Deutschland zugelassen. Wie gut schützen sie gegen die Delta-Variante?

  • In vielen Ländern sorgt die Delta-Variante für einen deutlichen Anstieg bei den Corona-Zahlen
  • Viele Menschen fragen sich: Wie gut schützen die Impfungen der Hersteller Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson?
  • Hier finden Sie alle Informationen dazu

Die Aussichten für den Sommer erscheinen eigentlich rosig: Die Zahl der Menschen in Deutschland, die zumindest eine erste Corona-Impfung gegen das Coronavirus erhalten haben, nimmt stark zu. Dagegen liegen die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sowie die Zahl der Neuinfektionen auf einem niedrigen Niveau. Doch Grund zur Entwarnung gibt es nicht: Die Sorge wegen der Delta-Variante des Virus wächst. Lesen Sie hier: Biontech schützt wohl deutlich geringer vor Delta-Variante.

Corona-Pandemie: Delta-Variante dominiert

Denn während die Corona-Fallzahlen zwar niedrig sind, stecken sich immer mehr Menschen mit der neuartigen Mutante an. Wie viele Experten befürchtet hatten, ist die Delta-Variante nun die vorherrschende Version des Coronavirus in Deutschland.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist die Delta-Variante inzwischen für drei Viertel aller Ansteckungen in Deutschland verantwortlich. Wie das Institut am Donnerstag in seinem Wochenbericht mitteilte, lag der Anteil von Delta zuletzt in einer zufällig für die Sequenzierung ausgewählten Stichprobe sogar bei 84 Prozent. In Großbritannien ist die Variante B.1.617.2 inzwischen für nahezu alle Neuinfektionen verantwortlich.

Delta-Variante könnte schon im Sommer zur Gefahr werden

Kommt es in Deutschland zu einer ähnlichen Entwicklung, könnte das nicht nur weitreichende Folgen für den ungeimpften Teil der Bevölkerung – insbesondere Kinder und Jugendliche – haben. Auch für Geimpfte und Genesene könnte die Ausbreitung der Delta-Variante zur gesundheitlichen Gefahr werden, da sie offenbar resistenter gegen Impfstoffe ist als andere Varianten.

Infektiologe Sander: Impfungen helfen auch gegen Delta-Variante
Infektiologe Sander: Impfungen helfen auch gegen Delta-Variante

Wie wirken also die einzelnen Impfstoffe bei einer Infektion mit der Delta-Variante? Erste Studien geben dazu einen Einblick. Das sind die Ergebnisse im Überblick. Lesen Sie auch: Delta-Variante: Warum die Schnelltests sie nicht erkennen

Wie wirksam ist der Corona-Impfstoff von Biontech gegen die Delta-Variante?

Anfang Juni wurde in der Fachzeitschrift "The Lancet" eine britische Studie veröffentlicht, die im Labor untersuchte, wie gut sich nach einer Impfung mit den unterschiedlichen Vakzinen Antikörper gegen die verschiedenen Varianten des Coronavirus bilden können.

Die Forscher konnten nachweisen, dass die Zahl der Antikörper nach zwei Impfdosen mit dem Biontech-Präparat bei der Delta-Variante sechsmal niedriger ausfiel als beim Wildtyp des Virus. Lesen Sie auch:Biontech entwickelt neue Impfstoff-Version gegen Delta

Gegen die erstmals in Großbritannien nachgewiesene Variante Alpha wurde der sogenannte Antikörpertiter nur um den Faktor 2,6 und gegen die erstmals in Südafrika identifizierte Variante Beta um den Faktor 4,9 abgeschwächt.

Allerdings ist die Zahl der Antikörper zwar ein wichtiges Merkmal der Wirksamkeit eines Impfstoffs, jedoch nicht das einzige. Ein Augenmerk muss auch darauf gelegt werden, inwiefern das Immunsystem bereits infizierte Zellen angreift – dies lässt sich aber nicht unbedingt im Labor herausfinden.

Biontech verhindert schwere Covid-19-Verläufe nahezu vollständig

Erste Untersuchungen dazu unter realen Bedingungen machen Hoffnung: Mit einer vollständigen Biontech-Impfung lassen sich laut einer jüngsten Studie der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante ebenso wirksam vermeiden wie bei der Alpha-Variante. Zwei Dosen des Wirkstoffs verhinderten demnach bei der Delta-Variante in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung.

Eine schon Ende Mai von den britischen Gesundheitsbehörden veröffentlichte Untersuchung lieferte auch für weniger schwere Formen der Krankheit ähnliche Erkenntnisse. Demnach ist der Impfstoff von Biontech zwei Wochen nach der zweiten Dosis zu 88 Prozent wirksam gegen eine durch die Delta-Variante ausgelöste symptomatische Covid-19-Erkrankung.

Spahn: Für Geimpfte keine Corona-Beschränkungen mehr
Spahn: Für Geimpfte keine Corona-Beschränkungen mehr

Der Schutz fällt deutlich geringer aus, wenn man nur einfach geimpft ist. So ergab die in "The Lancet" veröffentlichte Studie, dass 79 Prozent der Geimpften nach einer ersten Dosis von Pfizer/Biontech "eine quantifizierbare neutralisierende Antikörperreaktion" gegen den ursprünglichen Virusstamm hatten, bei der Variante B.1.617.2 hingegen nur 32 Prozent. Lesen Sie auch: So gut schützt die Corona-Impfung gegen die Lambda-Variante

EMA: Vollständige Corona-Impfung schützt gegen Delta-Variante
EMA: Vollständige Corona-Impfung schützt gegen Delta-Variante

Auch Biontech-Chef Şahin geht von Wirksamkeit bei Delta aus

Da zwei Impfungen aber effektiv gegen die Delta-Variante wirken, plant das Unternehmen vorerst keine Update des Vakzins. Biontech-Chef Uğur Şahin erklärte dazu im Juni bei der Online-Hauptversammlung des Unternehmens: "Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Anpassung unseres Impfstoffs an kursierende Varianten notwendig ist."

Allerdings betonte er, dass gerade durch die Mutanten die Debatte um Nachimpfungen an Bedeutung gewinne: "Ich gehe davon aus, dass eine dritte Impfung für die Auffrischung der Immunität von einem hohen Wert sein könnte. Allerdings wissen wir noch nicht, wann und wie oft eine Auffrischimpfung erforderlich sein wird", so Şahin.

Corona-Mutation: Das sind die Symptome der Delta-Variante
Corona-Mutation: Das sind die Symptome der Delta-Variante

Berichte aus Israel: Nachlassende Wirkung von Biontech-Impfung?

Auch in Israel hat sich eine Forschungsgruppe mit der Frage beschäftigt, wie gut das Biontech-Vakzin gegen eine Infektion mit der Delta-Variante wirkt. Das Team kam laut "Jerusalem Post" zu dem Ergebnis, dass die Impfung nur 60 bis 80 Prozent vor einer Ansteckung mit der Mutante schützt. Unklarheit herrschte aber noch darüber, inwieweit das Vakzin einen schweren Verlauf verhindern kann.

Jüngste Zahlen des israelischen Gesundheitsministeriums sehen die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffes gegen Ansteckung mit Delta sogar noch geringer, bei 39 Prozent. Der Schutz vor einem schweren Verlauf liegt demnach nur noch bei 91 Prozent, eine Hospitalisierung verhindert Biontech nur noch in 81 Prozent der Fälle. Das Ministerium geht davon aus, dass die Schutzwirkung einer Impfung mit der Zeit nach lässt, vor allem was eine Infektion mit der Delta-Variante angeht oder den Schutz vor einem schweren Verlauf der Covid-19-Krankheit.

Mehr als 100 vollständig Geimpfte sind in Israel an der Krankheit bislang gestorben, knapp 6000 Infektionen unter Geimpften zählt das Land. Die Zahlen machen Experten sorge, sind aber noch nicht wissenschaftlich beschrieben und entsprechend mit Vorsicht zu genießen. So ergaben frühere Studien in Israel zu Erkrankungen bei vollem Impfschutz, dass Betroffene häufig an Vorerkrankungen litten.

Ein deutscher Experte warnt nach den Berichten aus Israel aber vor schnellen Schlüssen. „Diese Zahlen muss man noch etwas mit Vorsicht betrachten. Es ist methodisch schwierig in einem solchen Setting wie in Israel mit niedrigen Inzidenzen und lokalen Ausbrüchen die genaue Effektivität der Impfung zu bestimmen“, teilte der Immunologe Leif Erik Sander auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mit. Die Daten aus Großbritannien deuteten schließlich weiter darauf hin, dass der Impfschutz kurz nach der zweiten Dosis nur geringfügig reduziert sei bei Delta - verglichen mit der bisher vorherrschenden Alpha-Variante.

Delta-Variante: So wirkt das Corona-Vakzin von Astrazeneca

PHE-Forscher fanden in ihrer Untersuchung heraus, dass das Astrazeneca-Vakzin eine 60-prozentige Wirksamkeit gegen die Delta-Variante und eine 66-prozentige gegen die Alpha-Variante hat. Vorausgesetzt, der Mensch, der mit der Mutante in Berührung kommt, ist vollständig immunisiert.

Schwere Krankheitsverläufe verhindert die Impfung mit dem Präparat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns mit einer Quote von 92 Prozent. Damit sind vollständig geimpfte Personen auch bei einer Ansteckung mit der Delta-Variante mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vor Zuständen, die eine Hospitalisierung oder ähnliches notwenig machen, geschützt.

Einig sind sich Wissenschaftler darin, dass auch beim Impfstoff von eine einzelne Dosis nur begrenzt Schutz vor einer Infektion durch die Delta-Variante bietet. Auch das französische Institut Pasteur erklärte, eine einzelne Astrazeneca-Dosis habe "wenig bis gar keine Wirksamkeit" gegen die Delta-Variante.

Erst Astrazeneca, dann mRNA-Vakzin: Stiko empfiehlt Kreuzimpfung gegen Delta-Variante

Um den Immunschutz von Menschen, die bisher einmal mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft wurden, zu verbessern, hat die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland allerdings ihre Impfempfehlung angepasst. So sollen Menschen, die eine erste Dosis des Vektor-Impfstoffs erhalten haben, künftig unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie Biontech oder Moderna erhalten, teilte das Gremium vergangene Woche mit.

Der Abstand zwischen erster und zweiter Dosis solle dann mindestens vier Wochen betragen. Die Empfehlung gelte "vorbehaltlich der Rückmeldungen aus dem noch zu eröffnenden Stellungnahmeverfahren", hieß es. Die Expertinnen und Experten begründen diesen Rat damit, dass die Immunantwort nach dem Verabreichen von zwei verschiedenen Präparaten – erst Vektor-, dann mRNA-Impfstoff – der Immunantwort nach zwei Dosen Astrazeneca "deutlich überlegen" sei.

Immunantwort bei Kreuzimpfung wohl "deutlich überlegen"

Fachleute sprechen von einem heterologen Impfschema. Dieses hatte die Stiko bisher nur jüngeren Menschen angeraten, die bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen hatten, bevor dieser Impfstoff nur noch für Impfwillige ab 60 Jahren empfohlen wurde.

Die Stiko betonte, es sei angesichts der deutlich ansteckenderen Delta-Variante wichtig, die zweite Impfstoffdosis "zeitgerecht wahrzunehmen". Nach nur einer Impfstoffdosis scheine der Schutz gegen Delta "deutlich herabgesetzt" zu sein. Der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen durch Delta sei nach vollständiger Impfung im Vergleich zum Schutz vor anderen Corona-Varianten ähnlich gut, hieß es unter Berufung auf Daten aus dem Vereinten Königreich.

Moderna: So gut schützt das Vakzin vor Delta

Daten, die der US-Pharmakonzern Moderna kürzlich veröffentlicht hat, deuten darauf hin, dass das Vakzin nach zwei Impfungen fast genauso gut vor der Delta-Variante schützt wie vor dem Ursprungsvirus. Laut Deutscher Presse-Agentur rege der Impfstoff auch gegen die Mutation eine Immunantwort an. Untersuchungen mit Blut von Geimpften hätten den Schutz auch für die Delta-Variante bestätigt.

Johnson & Johnson: Hohe Wirksamkeit gegen Delta-Variante

Grundsätzlich stellten die britischen Gesundheitsbehörden bei Untersuchungen der Impfstoff-Wirksamkeit aber fest, dass alle Vakzine symptomatische Covid-19-Erkrankungen bei einer Delta-Infektion nach vollständiger Immunisierung relativ verlässlich und Hospitalisierungen nahezu vollständig verhindern. Erheblich ist allerdings die Wahrnehmung der Zweitimpfung – ohne liegt das Risiko für symptomatische oder gar schwere Krankheitsverläufe deutlich höher.

Die Wirksamkeit des Impfstoffs von Johnson&Johnson sei ebenfalls hoch, wie das Unternehmen nun mitteilte. Wie das Unternehmen in einer Erklärung mitteilt, schütze der Impfstoff zu 85 Prozent vor einer schweren Erkrankung durch Delta. Daten hätten gezeigt, dass die Immunisierung mindestens acht Monate anhalten würde. Der Impfschutz, also die Wahrscheinlichkeit an Covid-19 zu erkranken, ist im Vergleich zu Ungeimpften um 65 Prozent niedriger.

Im Vergleich zu den mRNA-Impfstoffen ist dies ein relativ niedriger Wert. Das hängt auch damit zusammen, dass Johnson&Johnson nur einmal verabreicht werden muss. Experten raten bei dem Vakzin daher zu einer zweiten Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff.

(mit dpa)

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