Ermittlungen

Lüdenscheid: Technischer Defekt löste wohl RTW-Radmuttern

Fälle von gelösten Radmuttern an Rettungswagen gibt es seit Jahren in ganz Deutschland: Einen Beleg für mutwillige Sabotage gibt es bislang nicht.

Fälle von gelösten Radmuttern an Rettungswagen gibt es seit Jahren in ganz Deutschland: Einen Beleg für mutwillige Sabotage gibt es bislang nicht.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Lüdenscheid.  Die Radmuttern an einem RTW in Lüdenscheid sind wohl wegen eines technischen Defekts und nicht von Unbekannten gelöst worden. Kein Einzelfall.

Der Aufschrei war zunächst groß: Unbekannte hätten die Radmuttern an einem Rettungswagen des DRK in Lüdenscheid gelöst, hieß es in einer ersten Pressemitteilung der Polizei vom 23. Januar. Mittlerweile steht fest: Mit großer Wahrscheinlichkeit liegt eine technische Ursache den losen Reifenmuttern zugrunde. Das hat die Kreispolizeibehörde im Märkischen Kreis am Dienstag mitgeteilt – und ihre anfänglichen Ermittlungen verteidigt.

„Der Rettungssanitäter ist an dem Abend von einigen Schaulustigen belästigt worden. Wir sind bei unseren ersten Ermittlungen zunächst davon ausgegangen, dass sie zuvor die Reifen des Rettungswagen manipuliert haben“, heißt es auf Anfrage bei der Polizei. Die hat die Ermittlungen mittlerweile an die Staatsanwaltschaft Hagen abgegeben. Denn: Bei den gelösten Muttern handelt es sich nicht um einen Einzelfall.

Ähnlicher Fall sorgte im vergangenen Jahr in Hattingen für Wirbel

Bereits im vergangenen Jahr hatte ein ähnlicher Fall in Hattingen für Wirbel gesorgt. Auch dort war die Polizei zunächst davon ausgegangen, dass unbekannte Täter während eines Rettungseinsatzes die Muttern des RTW gelöst hatten. Wenig später stellte die Feuerwehr selbst klar, dass auch eine technische Panne eine mögliche Ursache ist.

Fälle von gelösten Radmuttern und verlorenen Hinterrädern an Rettungswagen habe es in den vergangenen Jahren immer wieder in ganz Deutschland gegeben, heißt es in einem Fachartikel für die Unfallkasse NRW aus dem vergangenen Jahr. Besonders häufig davon betroffen seien Mercedes-Sprinter in verschiedenen Gewichtsklassen.

Bislang gibt es kein Beleg für Sabotage an den Reifen der Rettungswagen

Der Autor, Dr. Ulrich Cimolino von der Feuerwehr Düsseldorf, hat sich dabei intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt: „Meist wird direkt ein Sabotageverdacht geäußert. Bisher ist (...) aber kein Beleg dafür bekannt geworden. Dafür gibt es eine ganze Reihe technischen Gründen, die zum Radverlust führen können“, heißt es in dem Artikel. Dazu gehörten unter anderem Rost auf den Radmuttern, Unwuchten an den Rädern oder eben auch Montagefehler – etwa, wenn die Muttern nicht, wie empfohlen, 50 Kilometer nach erfolgtem Reifenwechsel nachgezogen würden.

Viele Muttern lösten sich nach dem Reifenwechsel im Sommer oder Winter

So hätten sich die Muttern in einer Reihe der Fälle nach dem Reifenwechsel im Sommer oder Winter ereignet, heißt es in dem Fachartikel. Diese Experten-Meinung gab bei der Polizei im Märkischen Kreis am Ende wohl auch den Ausschlag, nicht weiter zu ermitteln. „Außerdem wissen wir mittlerweile, dass es technisch kompliziert ist, die Muttern zu lösen. Das geht nicht so leicht wie bei einem Pkw“, so ein Polizeisprecher.

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