Bierduell

BVB gegen Bayern – ein Kampf Pils gegen Weizenbier

BVB gegen Bayern, Pils gegen Weizen - im Bundesliga-Topspiel stehen sich gewissermaßen auch zwei Bier-Spezialitäten gegenüber.

Foto: Felix Heyder

BVB gegen Bayern, Pils gegen Weizen - im Bundesliga-Topspiel stehen sich gewissermaßen auch zwei Bier-Spezialitäten gegenüber. Foto: Felix Heyder

Essen.   Die Bierbundesländer Nummer 1 und 2, Nordrhein-Westfalen und Bayern, sind mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern München im Gipfeltreffen der Fußball-Bundesliga vertreten. Zwei Bierverkoster helfen bei einem eher unsportlichen Vergleich: Pils trifft Weizenbier.

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Wenn am Samstag Borussia Dortmund und Bayern München im Finale der Fußball-Champions-League gegeneinander antreten, dann wird – so viel ist sicher – vor, während und nach dem Spiel reichlich Bier getrunken. Vornehmlich Bier nach Pilsener Brauart in Dortmund und NRW, mehr Weizenbier in München und Bayern. Der amtierende Weltmeister der Bier-Verkoster und Brauer Sebastian Priller-Riegele (37) aus Bayern sowie Bier-Verkoster Markus Wagner (29) aus dem Ruhrgebiet helfen bei einem unsportlichen Vergleich.

Die Brauart

Pils: Auch Pilsener oder Pilsner genannt. Ist ein nach Pilsner Brauart untergärig gebrautes Bier. Helles Malz, weiches, kalkarmes Wasser, untergärige, kleinzellige Hefe und sehr aromatischer Hopfen bilden die Zutaten. In Deutschland ist Pils oder Pilsner das meistgebraute und getrunkene Bier. Aber: In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil des Pils am Gesamtverbrauch gesunken, von 67 Prozent auf etwa 54,5 Prozent. „Technisch gesehen ist Pils der Gipfel der Braukunst, es verzeiht keine Fehler und braucht eine Top-Filtration“, sagt Sebastian Priller-Riegele.

Weizen: Ein obergäriges Bier. Kennzeichnend ist der Einsatz von einem Anteil von mindestens 50 Prozent Weizen- statt Gerstenmalz. Das Weizen-, auch Weißbier genannt, ist in ganz Deutschland, überwiegend aber im Süden verbreitet. Dort hat es seit 1994 mit über 40 Prozent die Spitzenposition bei den meistgetrunkenen Bieren inne. In Gesamtdeutschland hingegen liegt der Anteil des Weizenbieres am Gesamtverbrauch bei neun Prozent, ein Plus von etwa vier Prozent im Vergleich zu 1999.

Das Weizenbier ist hell oder dunkel, meist ungefiltert. „In Bayern hat das gefilterte Kristallweizen, das auch im Süden mal in aller Munde war, keine Bedeutung mehr“, sagt Sebastian Priller-Riegele. Es habe sich die Überzeugung durchgesetzt: „Die Nährstoffe in der guten Hefe sind das Tolle am Weizen, die Treibstoffe filter ich nicht raus.“

Der Geschmack

Pils: Hat eine charakteristisch herbe Note. „Pils ist stärker gehopft und hat deshalb einen höheren Anteil von Bittereinheiten“, sagt Priller-Riegele. „Schlank“ nennt er den Geschmack, „herb“, „spritzig“, „trocken“, beinahe etwas aggressiv. „Das Pils explodiert über die Kohlensäure im Mund.“ Ein „sonnenklares“ Pils ganz nach dem Geschmack des Augsburger Sommeliers und Brauers polarisiert und hat kräftige 48 Bittereinheiten. „Die für die Masse gebrauten Pilsener haben aber nicht mehr so viele“, so der Experte. Sie seien milder, „und haben meist unter 30 Bittereinheiten“.

Für Sommelier Markus Wagner sind viele Pils-Sorten selbst für Kenner kaum noch zu unterscheiden. Er lobt vor allem die regionalen Brauereien, die ein klareres Konzept hätten. „Die Schwäche besteht darin, dass die meisten Brauer keine Geschichten erzählen und damit Kunden ansprechen, die etwas Besonderes suchen.“ Bier sei in der öffentlichen Wahrnehmung ein langweiliges Produkt geworden.

Weizen: Es bietet eine Vielzahl von Aromen. „Vom Geschmack her können Weizenbiere unglaublich variabel sein“, sagt Priller-Riegele. Die Palette reiche von fruchtig mit Zitronen- bis würzig mit Nelkenkomponente. Weil der Hopfenanteil im Weizen kleiner ist, haben die meisten Weizenbiere weniger als 18 Bittereinheiten. Priller-Riegele: „Weizen schmeckt malziger, vollmundiger, mastiger. Das passt einfach zum weiß-blauen bayerischen Himmel.“

Markus Wagner nennt das Weizen wegen seiner Aromenvielfalt das geschmacklich interessantere Bier. Außerhalb Bayerns werde mit ihm meist etwas sehr Spezielles assoziiert: „Dörfer, Gemütlichkeit, mia san mia.“

Die Gläser

Pils: Wird am besten aus einer schlanken Pilstulpe getrunken. „Das Glas und dessen Öffnung bestimmt, wo das Bier auf der Zunge aufkommt“, erklärt Priller-Riegele. Eine Tulpe sei ein Saugglas, das Bier treffe vorn auf der Zunge auf. Die Bitterrezeptoren säßen hinten auf der Zunge. Das aus der Tulpe „gesaugte“ Bier entfaltet sein klassisches Aroma im Abgang.

Weizen: Das Weizenbierglas ist „ein Schüttglas“, so der Bier-Sommelier. Das Bier treffe zunächst hinten auf die Zunge und sei fruchtig im Abgang. Damit die Kohlensäure lange durch das Bier nach oben steigen kann, es also lange frisch bleibt, ist es schlank und schmal.

Der Alkoholgehalt

Pils: Besitzt einen Alkoholgehalt von 4,0 bis 5,2 Prozent.

Weizen: Besitzt einen Alkoholgehalt von 5,0 bis 5,6 Volumen-Prozent. Als Starkbier mit einem Alkoholgehalt um die acht Prozent heißt das Weizen Doppelbock. Übrigens: Der angegebene Alkoholgehalt darf laut Gesetz um 0,5 Prozent abweichen.

Die Trinktemperatur

Pils: Ist für Fans „Erfrischung pur“, sagt Priller-Riegele. Am besten genieße man das Pils bei sieben bis neun Grad.
Weizen: Um der Aromenvielfalt auf die Sprünge zu helfen, sollte es mit einer Temperatur von zehn oder elf Grad getrunken werden.

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