Pandemie

Corona: Delta-Variante könnte im Herbst zu Problemen führen

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Merkel sieht Corona-Impfwettlauf mit Delta-Variante

Merkel sieht Corona-Impfwettlauf mit Delta-Variante

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) findet die aktuelle Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Deutschland zwar "extrem erfreulich", doch sie warnt vor der Delta-Variante, die sich in Großbritannien ausbreitet. Deutschland befinde sich in einem "Wettlauf mit dem Impfen".

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Berlin.  In Großbritannien breitet sich die ansteckende Coronavirus-Variante Delta rasch aus. Grund zur Sorge? So ist die Lage in Deutschland.

Die zuerst in Indien aufgetauchte Coronavirus-Variante Delta versetzt Expertinnen und Experten in Sorge. Sie gilt als deutlich ansteckender. In Großbritannien sind die Zuwachsraten bei dieser Variante von Woche zu Woche erheblich. Auch die Sieben-Tage-Inzidenz in Großbritannien steigt nach einer kurzen Phase der Entspannung wieder konstant an. Droht auch in Deutschland eine solche Entwicklung? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Delta-Variante – wie ist die Lage in Deutschland?

Aktuell bleibt die Delta-Variante in Deutschland weiter relativ selten, was so offenbar zunächst nicht erwartet wurde. Ihr Anteil an den untersuchten Proben betrug zuletzt 2,5 Prozent. Das geht aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor (Stand: 9. Juni).

Nach Veröffentlichung des Berichts sind mehrere Fälle der Delta-Variante bekannt worden: So teilte die Stadt Dresden am Dienstag mit, dass die Mutation in drei Bildungseinrichtungen aufgetreten sei. Konkret sei die Variante an einer Grundschule, einer Oberschule und einer Kita nachgewiesen geworden.

Die Fälle sind den Angaben zufolge auf drei Kinder einer Familie zurückzuführen, die positiv getestet wurden und jeweils verschiedene Einrichtungen besuchten. Spezifische PCR-Tests bestätigten den Verdacht auf die Delta-Variante. Alle Kontaktpersonen seien ermittelt und in Quarantäne, hieß es.

Welche Variante dominiert aktuell in Deutschland?

Die zunächst in Großbritannien aufgetretene Variante Alpha (B.1.1.7) löst derzeit mit einem Anteil von 94 Prozent an den untersuchten Proben bundesweit weiter den größten Teil der Infektionen aus (Stand: 9. Juni). Die weiteren besorgniserregenden Varianten, die erstmals in Südafrika entdeckte Mutante Beta (B.1.351) und die zunächst in Brasilien aufgetretene Variante Gamma (P.1) spielen nach wie vor eine untergeordnete Rolle.

Welche Entwicklung ist in Deutschland zu erwarten?

Der Chef-Virologe des Berliner Klinikums Charité, Christian Drosten, sagte vergangene Woche in seinem Podcast "Coronavirus-Update" (NDR-Info), dass Delta oder ähnliche Varianten "sicherlich bis zum Herbst hier auch das Feld dominieren". Es gelte, bis dahin für eine möglichst hohe Impfquote bei Erwachsenen zu sorgen. "Dann werden wir keine großen Probleme haben." Diese Meinung teilt auch seine Kollegin Sandra Ciesek - sie gab am Dienstag ebenfalls eine Einschätzung zur Delta-Variante in Deutschland ab.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat vor Problemen durch die Delta-Variante im Herbst gewarnt: Der Mediziner sagte am Dienstag in der Sendung "rbb Spezial" ebenfalls, "dass wir in Deutschland auch noch die Delta-Variante bekommen werden".

In Anbetracht der Tatsache, dass die Mutation nicht nur ansteckender, sondern auch gefährlich und teils resistent gegen Erstimpfungen sei, käme es jetzt besonders auf die Zweitimpfungen an, erklärte er weiter. Auch zu Impfungen für Kinder äußerte er sich: "Gerade bei der Delta-Variante haben wir in England gesehen, dass von den infizierten Kindern ein Prozent so schwer erkranken, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen", warnte Lauterbach.

Wann gelten Varianten als besorgniserregend?

Als besorgniserregend werden Varianten eingestuft, wenn sie sich zum Beispiel möglicherweise leichter verbreiten, schwerere Verläufe verursachen oder wenn sich das Virus so verändert hat, dass der Schutz von Geimpften und Genesenen beeinträchtigt sein könnte.

Warum ist die Delta-Variante so gefährlich?

Die Delta-Variante des Coronavirus ist nach Angaben britischer Experten um 40 Prozent ansteckender als die Ursprungsform des Covid-19-Erregers. Das sagte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock am Sonntag der BBC. Zudem geht die Regierungsbehörde Public Health England (PHE) davon aus, dass mit Delta infizierte Menschen häufiger schwer erkranken und im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Nach Erkenntnissen des britischen Francis Crick Institute und des National Institute for Health Research UCLH Biomedical Research Centre ist die Delta wahrscheinlich resistenter gegen Impfstoffe – vor allem gegen das Biontech-Vakzin. Demnach entwickelten mit dem Biontech-Vakzin Geimpfte fünf- bis achtmal weniger neutralisierende Antikörper gegen die Delta-Variante als gegen die zuvor in Großbritannien zirkulierenden Varianten.

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