Corona-Pandemie

Trotz steigender Infektionszahlen: Kein Impfdruck auf Kinder

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Corona: Impfungen für Kinder unter 12 Jahren

Corona- Impfungen für Kinder unter 12 Jahren

Die Corona-Lage in Deutschland spitzt sich zu. Die Impfkampagne soll nun auch für Kinder unter 12 Jahren ausgeweitet werden.

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Berlin.  Die Zulassung der Kinderimpfung kommt. Doch die Jüngsten erkranken nur selten an Covid-19. Der Fokus beim Impfen muss woanders liegen.

In den Vereinigten Staaten ist es bei der Pandemiebekämpfung inzwischen Alltag. Dort werden Kinder ab fünf Jahren bereits seit einiger Zeit mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer gegen Covid-19 geimpft. Auch in der EU könnte es bald so weit sein. Die europäische Arzneimittelbehörde Ema dürfte das Präparat für die Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen voraussichtlich in der kommenden Woche EU-weit zulassen.

Bis zu einer regelhaften Impfung für die Jüngeren dürfte es aber noch eine Weile dauern, selbst wenn die Infektionszahlen hierzulande gerade wieder extrem in die Höhe schnellen. Da für jüngere Kinder Dosen mit geringerer Wirkstoffmenge nötig sind und diese erst produziert werden müssen, stehen in der EU wohl erst kurz vor Weihnachten die ersten Ampullen bereit.

Impfung ab fünf Jahren – die Empfehlung wird noch dauern

In Deutschland könnte es danach bis zu einer Empfehlung des Vakzins für diese Altersgruppe durch die Ständige Impfkommission (Stiko) noch einmal mehrere Wochen dauern. So war es zumindest bisher.

Auch diesmal dürfte sich das Gremium Zeit lassen mit seiner Bewertung – und der Politik damit erneut gehörig auf die Nerven gehen. Dabei nervt die Politik gerade selbst mit ihrem gefährlich verpeilten Pandemiemanagement.

Während sich die vierte Corona-Welle aufbaute, schien es, als säßen die politisch Verantwortlichen entspannt in der Strandbar, um den Blick aufs Wasser zu genießen und Pläne für die Zeit nach dem Ende der pandemischen Notlage zu schmieden. Jetzt droht der Kollaps der Kliniken.

Auf die Impfung der Jüngsten zu hoffen ist trügerisch

Im Kampf gegen Corona richten sich nun viele Hoffnungen auf die Impfung der Jüngsten. Bei ihnen werden derzeit mit Abstand die meisten Neuinfektionen registriert. Doch es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass diese Altersgruppe deshalb am stärksten gefährdet wäre oder gar das größte Corona-Risiko für ihre Mitmenschen darstellt.

Fakt ist, dass Schüler viel häufiger getestet werden. Dadurch werden mehr Infektionen entdeckt und die Kinder kommen in Quarantäne. Anders sieht es bei ungetesteten Erwachsenen aus, die womöglich trotz Ansteckung weiter unter die Leute gehen. Sie sind gefährlicher.

Nur wenige infizierte Kinder müssen ins Krankenhaus

Hinzu kommt, dass Kinder nur äußerst selten schwer an Covid-19 erkranken. Oft haben sie nicht einmal Symptome. Im Krankenhaus landen nur wenige Einzelfälle. Kinder sind somit keine Belastung für das Gesundheitssystem. Das sind entweder die Ungeimpften oder Menschen, deren Impfschutz nachlässt.

Sie sind es, die derzeit auf den Intensivstationen landen. Daher muss es in der Pandemiebekämpfung weiterhin vor allem um sie gehen. Ziel muss es sein, diese Gruppen zur Impfung beziehungsweise zum Boostern zu bewegen. Die Jüngeren spielen nicht die zentrale Rolle.

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Nach der 2G-Regel werden bald auch Jüngere ausgeschlossen

Dennoch könnte der Druck auf sie bald wachsen. Sobald es von der Stiko eine Impfempfehlung für alle ab fünf Jahren gibt, dürften auch jüngere Kinder unter die 2G-Regel fallen. Sie wären dann ebenfalls von Teilen des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen, falls sie nicht geimpft sind.

Wieder würde es für viele Kinder heißen: kein Sporttraining, kein Schwimmbad, kein Chor, kein Pizzeriabesuch. Für ungeimpfte Jugendliche ab zwölf Jahren werden sich die Folgen von 2G wohl schon recht bald abzeichnen. Ihnen wird demnächst vielerorts der Zutritt verwehrt bleiben.

Die Politik muss die Verhältnismäßigkeit wahren

Gewiss, auch die Jüngeren sollten ihren Beitrag im Kampf gegen Corona leisten. Doch die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt sein. Die Politik sollte sehr genau überlegen, welche Einschränkungen sie den Jüngeren zumutet. Sie dürfen nicht wieder diejenigen sein, die in der Corona-Krise den höchsten Preis bezahlen, weil ihre persönliche Entwicklung ausgebremst wird. Zum Wohle anderer.

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