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Corona-Regeln: Was im Herbst für Kinder und Jugendliche gilt

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Diese Corona-Regeln gelten ab Herbst

Diese Corona-Regeln gelten ab Herbst

Die Bundesregierung hat die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes vorgelegt. Diese Maßnahmen sollen sich demnach ab Herbst ändern.

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Berlin.  Masken, Atteste, Kinderkrankentage, Schuluntersuchungen: Auf diese Corona-Regeln müssen sich Kinder und Eltern jetzt einstellen.

eutschland vor dem dritten Pandemieherbst: Die Ferien sind fast überall zu Ende, in Kitas und Schulen herrscht wieder Normalbetrieb. Doch wie lange? Wann kommt die nächste Infektionswelle und vor allem: was passiert dann? Welche Corona-Regeln es künftig für Kinder und Jugendliche gibt – und warum sich die Amtsärzte gerade große Sorgen machen.

Wann müssen Kinder Masken tragen?

Im ICE, beim Arzttermin, oder beim Krankenbesuch: Vom 1. Oktober bis Ostern 2023 sollen nach dem Willen der Ampel-Regierung neue Maskenregeln gelten. In Fernzügen, Kliniken, in Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen müssen FFP2-Masken getragen werden. Nur Kinder unter sechs Jahren sind davon befreit.

Sollten die Länder von ihrem Recht Gebrauch machen, die Maskenpflicht auch in Bussen und Bahnen oder in öffentlichen Innenräumen zu verhängen, müssten viele Kinder und Jugendliche zum Beispiel auch auf dem Weg zur Schule Maske tragen.

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Kommt die Maskenpflicht in den Schulen?

Schulschließungen? Nie wieder! Das ist das Credo der Ampel. Gänzlich ausgeschlossen aber ist es nicht, dass die Pandemie im Herbst und Winter noch einmal so massiv zuschlägt, dass Regelunterricht schwierig wird. Vorgesehen ist, dass die Länder in Schulen ab der fünften Klasse eine Maskenpflicht einführen können, wenn dies zur Aufrechterhaltung eines geregelten Präsenzunterrichts erforderlich ist.

Die deutschen Amtsärzte teilen das Ziel, die Schulen möglichst lange offen zu halten. Sie warnen aber davor, zu schnell zur Maskenpflicht zu greifen: „Bei den aktuellen Varianten ist eine Maskenpflicht im Unterricht nicht nötig“, sagte Johannes Nießen, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), unserer Redaktion.

„Masken im Unterricht sollten erst dann zum Einsatz kommen, wenn es eine Virus-Variante geben sollte, die infektiöser ist und gleichzeitig schwerer krank macht als die bekannten Omikron-Varianten.“

Man dürfe nicht vergessen, dass Masken das Lernen erheblich beeinträchtigten. „Sie haben Einfluss auf die Sprachentwicklung, erschweren den Fremdsprachenunterricht und stören die Kommunikation, weil sie das halbe Gesichtsfeld bedecken.“ Deshalb sollten die Länder so lange wie möglich Unterricht ohne Maske erlauben, so der Amtsärzte-Chef.

Verdacht auf Corona – und nun?

Nach den bisherigen Planungen sollten Kinder, bei denen der Verdacht auf eine Corona-Infektion bestand, zunächst zum Arzt, bevor sie wieder in die Schule oder in die Kita durften. Die Ampel-Koalition will dies nun anders regeln: Bei Infektionsverdacht soll ein Selbsttest reichen. „Ich glaube, das kann man den Eltern zutrauen, dass sie einen solchen Test zuverlässig und auch gut durchführen“, sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dazu.

Das Kind ist krank – und nun?

Sollten Eltern wegen erkrankter Kinder zu Hause bleiben müssen, bekommen gesetzlich Versicherte bis Ende 2023 zusätzliche Kinderkrankentage – pro Kind sind das 30 Arbeitstage je Elternteil, bei Alleinerziehenden sind es 60 Arbeitstage.

Wie läuft es bei den Schuluntersuchungen?

Vor einem Jahr, im Herbst 2021 wurden alle Gesundheitsämter gefragt, wie viele Schuleingangsuntersuchungen sie geschafft hätten. Einige wenige hatten 100 Prozent der künftigen Erstklässler untersucht, die meisten deutlich weniger und einige mussten die Untersuchungen komplett einstellen. Das bundesweit größte Gesundheitsamt in Köln hatte nur 25 Prozent geschafft. Der Grund: ein Großteil der Schulärztinnen und -ärzte war komplett in die Pandemie-Bekämpfung eingebunden.

Jetzt, ein Jahr später, kommt Köln für das jetzt begonnene Schuljahr auf 75 Prozent. Umgekehrt heißt das: Jeder vierte Schulanfänger ist ohne Untersuchung eingeschult geworden. Das liegt laut Amtsleiter Johannes Nießen am Personalmangel, Ausfällen von Terminen durch Erkrankungen der Familien und Mitarbeiter, aber auch daran, dass die Schuleingangsuntersuchungen durch die coronabedingten Hygienevorschriften viel mehr Zeit in Anspruch nehmen. „Früher konnten wir acht bis neun Kinder pro Team am Vormittag untersuchen, heute nur sechs.“

Die Amtsärzte gehen deswegen davon aus, dass nicht nur in Köln, sondern bundesweit im aktuellen Schuljahr ein Teil der Schüler ohne Schuluntersuchung eingeschult worden ist. „Unsere Sorge ist groß, dass aktuell immer noch viele Kinder mit Förderbedarf nicht oder viel zu spät erkannt werden. Das hat erhebliche Folgen.

Was fällt den Ärzten bei den Schuluntersuchungen auf?

„Es ist absolut notwendig, zu schauen, ob Kinder Defizite etwa beim Sehen, Hören, in der Motorik oder Sprachfähigkeit haben“, mahnt Nießen. „Wenn man es nicht schafft, kann das für das Kind verpasste Chancen bedeuten.“ Wenn niemand erkenne, dass ein Kind nicht gut sehen oder hören kann, könne das Folgen für die ganze Schulkarriere haben.

Hinzu kommt: Durch die Pandemie ist der Förderbedarf noch einmal gewachsen. In der Region Hannover wurden alle 11.500 Kinder untersucht, die im Sommer 2021 eingeschult worden waren. Es wurde festgestellt, dass die Kinder im Schnitt deutlich häufiger übergewichtig waren, dass sie mehr grobmotorische Defizite hatten als frühere Jahrgänge und schlechtere sprachliche Fähigkeiten.

Immerhin, so hofft Nießen, könne es gelingen, für das kommende Jahr alle Kinder vor Schulbeginn wieder regulär untersuchen zu können.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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