Pandemie

Corona-Schnelltests für Laien: Das muss man wissen

Lesedauer: 11 Minuten
Corona-Selbsttests: Das sollten Sie wissen

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus setzt die Politik in Deutschland auf ein neues Mittel: Schnelltests für Zuhause. Alles Wissenswerte im Überblick.

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Berlin  Corona-Schnelltests sollen im Kampf gegen die Pandemie helfen. Nun hat die Bundesregierung die ersten Tests für zu Hause zugelassen.

  • Die Bundesregierung hat die ersten Corona-Schnelltests für Laien zugelassen
  • Ursprünglich wollte Jens Spahn Profi-Tests ab März kostenlos für Privathaushalte anbieten
  • Das Corona-Kabinett machte dem Bundesgesundheitsminister allerdings einen Strich durch die Rechnung
  • Was Sie zu den Corona-Tests wissen müssen, erfahren Sie hier

Das Ergebnis eines Corona-Tests lässt mitunter lange auf sich warten: Die Labore kommen mit Testen und Auswertung kaum hinterher. Zudem kann ein Test einiges kosten, wenn keine Symptome vorhanden sind und auch kein Kontakt zu einer infizierten Person bestand. Doch es gibt Alternativen: Corona-Schnelltests.

"Ab 1. März sollen alle Bürger kostenlos von geschultem Personal mit Antigen-Schnelltests getestet werden können", hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor wenigen Wochen angekündigt. Das "Corona-Kabinett" hatte Spahns Pläne jedoch vorerst gestoppt. Zu viele Fragen seien noch offen.

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Nach dem Bund-Länder-Gipfel vom Mittwoch ist jetzt jedoch klar: Ab dem Wochenende werden auch Tests zur Eigenanwendung im Einzelhandel erhältlich sein. Was man jetzt wissen muss.

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Corona: Wie funktionieren die Selbsttests?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat in einem ersten Schritt die Zulassung für drei Antigen-Schnelltests zur Eigenanwendung erteilt. Bei allen dreien werden die Proben durch einen Abstrich im vorderen Nasenbereich entnommen, sie liefern wie ein Schwangerschaftstest nach etwa 15 Minuten ein Ergebnis.

Die manchmal salopp als "Popeltest" beschriebene Variante ist deutlich weniger unangenehm als die bisher üblichen Schnelltests, bei denen der Tupfer tief eingeführt werden muss. Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek sieht daher auch wenig Probleme: "Ich glaube, einen Abstrich aus der vorderen Nase bekommt jeder hin."

Die Antragsteller kommen aus Hamburg, Marburg und Graz in Österreich, produziert wird in China und den USA. Insgesamt haben nach Angaben des BfArM rund 50 Hersteller Anträge für Laientests gestellt. Darunter sind auch Hersteller, die auf andere Verfahren setzen – etwa Gurgel- und Spucktests.

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Wie zuverlässig sind die Testergebnisse?

Ein negatives Testergebnis bedeutet, dass jemand mit sehr großer Wahrscheinlichkeit aktuell für die nächsten Stunden nicht ansteckend ist. Es bedeutet nicht, dass derjenige nicht infiziert ist – und nicht schon am nächsten Tag andere anstecken kann. Es ist nur eine Momentaufnahme. Daher bleibt es laut den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) auch im Fall eines negativen Testergebnisses weiterhin erforderlich, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.

Ist das Ergebnis dagegen positiv, sollte sich der Getestete umgehend mit seinem Arzt oder dem örtlichen Gesundheitsamt in Verbindung setzen und sich isolieren. Zur Abklärung sollte dann ein PCR-Labortest gemacht werden. Verpflichtend sind diese Schritte nicht. Eine Pflicht, die nicht zu kontrollieren ist, sei sinnlos, heißt es im Gesundheitsministerium. Das RKI erklärt in seiner jüngsten Stellungnahme zu den Selbsttests, ein positives Ergebnis stelle zunächst lediglich einen Verdacht auf eine Ansteckung dar, "es ist jedoch noch keine Diagnose einer Sars-CoV-2-Infektion".

Wo kann man die Laientests kaufen – und was kosten sie?

Das beantworten kann Philipp Lissner. Seine Hamburger Firma ist einer der Antragsteller, der am Mittwoch die Zulassung zum Vertrieb von Laien-Selbsttests in Deutschland bekommen hat. Lissners wichtigste Botschaft: Geduld. "Es wird 10 bis 14 Tage dauern, bis unsere Selbsttests in den Geschäften sind", sagte der Firmenchef unserer Redaktion. Auch die anderen beiden Kandidaten können nicht gleich von einem Tag auf den anderen die Ladenregale füllen.

Wie bei den medizinischen Masken besteht für die Selbsttests keine Apothekenpflicht – auch Einzelhändler dürfen sie online oder im Laden verkaufen. Lissners Firma etwa ist derzeit im Gespräch mit dem pharmazeutischen Großhandel, der die Apotheken beliefert, aber auch mit großen Supermarktketten und Drogeriemärkten. Es soll Packungen mit einem Test, aber auch Fünferpacks und Packungen mit 25 Tests geben.

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Der Preis für den Endkunden steht noch nicht fest, dürfte aber zwischen fünf und zehn Euro liegen. Er hängt stark von zwei Faktoren ab. Erstens: Nach den ersten drei Zulassungen sollen bald weitere folgen, der Wettbewerb dürfte den Preis also schnell drücken. Lissners Hamburger Firma kann aktuell rund 15 Millionen Tests pro Monat liefern, andere haben bereits das dreifache angekündigt.

Der Hamburger rechnet damit, dass die Tests im Laden weniger als zehn Euro kosten werden. Zweitens: Denkbar ist, dass die Regierung den Preis durch staatliche Hilfen drückt. Bisher wurden pro Schnelltest von geschultem Personal 18 Euro veranschlagt.

Der Minister will nun erst mal abwarten, wie sich die Preise am Markt entwickeln: Ob der Bund sich beim Preis einmische, um die Selbsttests für jeden zugänglich zu machen, hänge davon ab, ob die Tests am Ende im Laden "1,99 Euro kosten oder 8,99 Euro", so Spahn. Unklar ist auch noch, welche Preise staatliche Großkunden bekommen – wenn zum Beispiel demnächst Länder massenhaft Selbsttests für ihre Kitas und Schulen einkaufen.

Schnelltests bei Aldi, dm und Rossmann

Der Discounter Aldi verkauft ab Samstag (6.3.) deutschlandweit Corona-Schnelltests. Pro Kunde werde die Abgabemenge auf eine Packung begrenzt, damit möglichst viele Kunden zum Zuge kämen, teilten Aldi Nord und Aldi Süd am Mittwoch mit. Eine Packung umfasst demnach fünf Tests für einen Nasenabstrich, der Preis beträgt 24,99 Euro pro Packung. Die Packungen sind direkt an der Kasse erhältlich.

Vor Aldi hatten die Drogerieketten dm und Rossmann für die kommende Woche den Verkaufsbeginn für die zum Eigengebrauch gedachten Schnelltests angekündigt.

Wo können die Laientests Freiheiten zurückbringen?

Anders als professionelle Schnelltests, die künftig kostenlos bei Ärzten und Apotheken gemacht werden sollen, dienen Laien-Selbsttests zunächst vor allem der Selbstvergewisserung. In Zukunft könnten sie auch helfen, Besuche von Theatern oder anderen Veranstaltungen zu ermöglichen. "Das ist die Perspektive", sagte Spahn. Kurzfristig können die Abstriche zur Selbsttestung den Regelbetrieb in Schulen und Kitas erleichtern. Auch Gastgewerbe und Reiseindustrie machen sich Hoffnungen, dass Lockerungen der Pandemie-Auflagen für ihre Branchen damit rasch möglich werden.

Wie geht es weiter?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im ZDF: "Ich gehe davon aus, dass wir schon nächste Woche weitere genehmigen können, Sonderzulassungen aussprechen können."

Wenn die Corona-Selbsttests in ausreichender Zahl verfügbar sind, sollen sie als Teil der Teststrategie der Länder für Kitas und Schulen zum Einsatz kommen können, hieß es zunächst in einem Entwurf für das Corona-Kabinett, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zudem sei in der Nationalen Teststrategie des Bundes "ein niedrigschwelliger Zugang" für alle Bürger sinnvoll. Im Gespräch ist "gegebenenfalls eine geringe Eigenbeteiligung" von einem Euro.

Corona-Schnelltests dürfen bereits an Laien verkauft werden

Seit Anfang Februar ist nach einer Änderung der Medizinprodukte-Abgabe Verordnung der Arztvorbehalt bei Corona-Selbsttests entfallen. Das heißt, dass jeder sie in Apotheken kaufen darf. Bis vor kurzem waren aber keine Selbsttests für den Verkauf zugelassen. Mit der erfolgten Zulassung der ersten Schnelltests für den Hausgebrauch sollte auch in Kürze der Verkauf in Apotheken starten.

Für Käufer wichtig zu bedenken ist, dass Schnelltests deutlich weniger sensibel reagieren. Bedeutet: Liegt (bisher) nur eine geringe Viruslast vor, erkennen die Antigen-Schnelltests das Sars-CoV-2-Virus möglicherweise nicht.

Deutlich zuverlässiger sind hier nach wie vor die professionellen PCR-Tests. Ist jemand jedoch stärker erkrankt und leidet an Symptomen, bekommt aber zeitnah keinen Test-Termin oder muss länger auf das Ergebnis warten, dann ist ein Antigen-Schnelltest eine sinnvolle Alternative. Ein PCR-Test sollte aber auch dann noch gemacht werden, um ein womöglich positives Ergebnis zu verifizieren.

Online sind schon länger Schnelltests verfügbar. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten. Wie "Ökotest", auf seiner Webseite berichtet, handelt es sich bei vielen der angebotenen Testkits um sogenannte Antikörper-Tests. Diese weisen aber nur nach, ob man bereits Antikörper gegen das Virus gebildet hat. Das ist bei einer "frischen" Infektion mitunter nicht der Fall – trotzdem kann man bereits ansteckend sein.

Zudem werden von dubiosen Händlern teilweise Fälschungen verkauft. Diese sind mitunter nicht zuverlässig oder gar völlig unbrauchbar.

Corona-Schnelltests sollen jetzt in bestimmten Einrichtungen stärker eingesetzt werden

Seit einigen Wochen ist eine neue Verordnung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Kraft, die vorsieht, dass Schnelltests auch in bestimmten Einrichtungen stärker eingesetzt werden:

  • Pflegeheime, Kliniken und Arztpraxen bekommen bis zu 30 statt bisher 20 Tests pro Monat und Bewohner oder Patient
  • In der ambulanten Pflege stehen 15 statt zehn Tests pro Monat und Pflegebedürftigem zur Verfügung
  • Tritt ein Fall in einer Schulklasse auf, sollen die Kinder für fünf Tage in Quarantäne gehen. Am letzten Tag wird ein Schnelltest gemacht. Fällt er negativ aus, können die Kinder wieder in die Schule
  • Auch ohne Symptome kann man einen Test machen lassen, wenn der Arzt feststellt, dass man Kontaktperson eines Infizierten ist
  • Für Kontaktpersonen wird die Quarantänezeit von 14 auf zehn Tage verkürzt, wenn sie am Ende einen negativen Test vorlegen können. Die Kosten sollen von der Krankenkasse übernommen werden

Minister Spahn sicherte dafür 60 Millionen Corona-Schnelltests monatlich zu. Dies sei durch "Garantie-Verträge" mit großen Produzenten und Lieferanten gewährleistet worden, sagt er.

Drosten und Kekulé plädieren schon länger für Corona-Selbsttests

Der Virologe Alexander Kekulé hatte bereits vor Monaten gefordert, dass sich möglichst bald jeder und jede selbst testen kann – mit Antigen-Schnelltests aus der Apotheke. Die Kritik, dass Privatpersonen nicht fähig dazu seien, sich selbst zu testen oder ein positives Ergebnis eventuell nicht melden, teilt Kekulé nicht. "Die Menschen können den Rachenabstrich selber machen. Das ist so einfach wie Gurgeln oder Zähneputzen. Man muss es nur ein bisschen üben. Ich bin der Meinung, dass man das den Menschen auch zutrauen soll", sagte Kekulé.

Dem stimmte auch sein Berufskollege Christian Drosten im Corona-Podcast des NDR zu. "Ärzte sind in ihren Freundeskreisen in diesen Tagen sehr beliebt, aber jeder hat auch einen Hausarzt", sagte er im Podcast, als Laien noch keinen Zugang zu Antigen-Schnelltests hatten. "Das ist letztendlich auch die Rolle von Familienmedizin: dass man solche Dinge erleichtert." (jul/ped/bef/yah/mit dpa/afp)

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