Pandemie

Wie gut schützen Moderna, Biontech und Co. vor Delta?

| Lesedauer: 8 Minuten
Corona-Impfung von Kindern soll Schul-Alltag erleichtern

Corona-Impfung von Kindern soll Schul-Alltag erleichtern

Die Stiko empfiehlt derzeit keine Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche. Dennoch wollen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern die Immunisierungen vorantreiben, unter anderem auch mit Impfangeboten an Schulen. Damit will die Politik auch den Präsenzunterricht aufrecht erhalten.

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Berlin.  Die Delta-Variante breitet sich aus. Wie gut schützen die Corona-Imfpstoffe von Moderna, Biontech, Astrazeneca und Johnson & Johnson?

  • In vielen Ländern in Europa hat sich die Delta-Variante rasend schnell ausgebreitet
  • Auch in Deutschland ist inzwischen zur dominierenden Variante geworden
  • Bewähren sich die Corona-Impfstoffe der Hersteller Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson? Wie gut schützen sie?

Lange schienen die Aussichten in Deutschland rosig: Die Corona-Zahlen gingen zurück, gleichzeitig waren immer mehr Menschen geimpft. Doch nun wachsen die Sorgen wieder. Einerseits scheint die Bereitschaft zu einer Corona-Impfung in der Bevölkerung abzunehmen. Andererseits breitet sich die Delta-Variante immer weiter aus. Und schützen die Impfungen überhaupt zuverlässig vor der Mutation des Coronavirus?

Corona-Pandemie: Delta-Variante dominiert

Bereits jetzt steigen die Corona-Zahlen in Deutschland wieder. Experten erwarten für den Herbst eine vierte Pandemie-Welle. Gleichzeitig hat sich die Delta-Variante zur dominierenden Form des Virus in Deutschland entwickelt.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) war die Delta-Variante bereits Anfang Juli für zwei Drittel aller Ansteckungen in Deutschland verantwortlich – Tendenz steigend. In Großbritannien ist die Variante B.1.617.2 inzwischen für nahezu alle Neuinfektionen verantwortlich. Lesen Sie auch: Delta-Variante: Warum die Schnelltests sie teilweise nicht erkennen

Corona-Pandemie: Delta-Variante könnte zur Gefahr werden

Kommt es in Deutschland zu einer ähnlichen Entwicklung, könnte das nicht nur weitreichende Folgen für den ungeimpften Teil der Bevölkerung – insbesondere Kinder und Jugendliche – haben. Auch für Geimpfte und Genesene könnte die Ausbreitung der Delta-Variante zur gesundheitlichen Gefahr werden.

Doch wie gut schützen die unterschiedlichen Impfstoffe vor einer Infektion mit der Delta-Variante? Einige Studien liefern bereits erste Erkenntnisse. Das sind die Ergebnisse im Überblick.

Wie wirksam ist der Corona-Impfstoff von Biontech gegen die Delta-Variante?

Verschiedene Studien zur Wirksamkeit des Vakzins von Biontech liefern unterschiedliche Ergebnisse. So kam bereits Anfang Juni eine britische Studie zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Antikörper nach zwei Impfdosen mit dem Biontech-Präparat bei der Delta-Variante sechsmal niedriger ausfiel als beim Ursprungsvirus.

Offenbar ist der Schutz bei Biontech vor der Delta-Variante aber niedriger als wenn man mit Moderna geimpft ist. Das will zumindest eine Untersuchung aus den USA ergeben haben.

Allerdings ist die Zahl der Antikörper ein wichtiges Merkmal der Wirksamkeit eines Impfstoffs, jedoch nicht das einzige. Ein Augenmerk muss auch darauf gelegt werden, inwiefern das Immunsystem bereits infizierte Zellen angreift.

EMA: Vollständige Corona-Impfung schützt gegen Delta-Variante
EMA: Vollständige Corona-Impfung schützt gegen Delta-Variante

Biontech verhindert schwere Covid-19-Verläufe nahezu vollständig

Erste Untersuchungen dazu machen Hoffnung: Mit einer vollständigen Biontech-Impfung lassen sich laut einer Studie der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante wirksam vermeiden. Zwei Dosen verhinderten in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung. Eine andere Studie kommt zu dem Ergebnis, der Impfstoff von Biontech sei zwei Wochen nach der zweiten Dosis zu 88 Prozent wirksam gegen eine durch die Delta-Variante ausgelöste symptomatische Covid-19-Erkrankung.

Der Schutz fällt allerdings deutlich geringer aus, wenn man nur einfach geimpft ist. So ergab die in "The Lancet" veröffentlichte Studie, dass der Impfstoff von Biontech nach einer Impfung nur zu 32 Prozent vor schweren Verläufen schütze. Lesen Sie auch: So gut schützt die Corona-Impfung gegen die Lambda-Variante

Berichte aus Israel: Geringere Wirkung der Biontech-Impfung?

Ein Team israelischer Forscher kam laut "Jerusalem Post" zu dem Ergebnis, dass die Impfung in nur 60 bis 80 Prozent vor einer Ansteckung mit der Mutante schütze. Jüngste Zahlen des israelischen Gesundheitsministeriums sehen die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffes gegen Ansteckung mit Delta sogar bei nur 39 Prozent. Der Schutz vor einem schweren Verlauf liege bei 91 Prozent, eine Hospitalisierung verhindere Biontech in 81 Prozent der Fälle.

Welche der Studien den tatsächlichen Schutz letztlich am besten darstellt, wird sich erst auf lange Sicht zeigen. Vieles deutet aber bereits jetzt darauf hin, dass eine vollständige Biontech-Impfung relativ zuverlässig vor einem schweren Krankheitsverlauf schützt.

Alles wichtige rund um die Corona-Impfungen

Delta-Variante: So wirkt das Corona-Vakzin von Astrazeneca

PHE-Forscher fanden in ihrer Untersuchung heraus, dass das Astrazeneca-Vakzin eine 60-prozentige Wirksamkeit gegen die Delta-Variante und eine 66-prozentige gegen die Alpha-Variante hat. Vorausgesetzt, der Mensch, der mit der Mutante in Berührung kommt, ist vollständig immunisiert. Schwere Krankheitsverläufe verhindert die Impfung mit dem Präparat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns mit einer Quote von 92 Prozent.

Einig sind sich Wissenschaftler darin, dass auch beim Impfstoff von eine einzelne Dosis nur begrenzt Schutz vor einer Infektion durch die Delta-Variante bietet. Auch das französische Institut Pasteur erklärte, eine einzelne Astrazeneca-Dosis habe "wenig bis gar keine Wirksamkeit" gegen die Delta-Variante.

Corona: Delta-Plus-Variante in Indien entdeckt
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Erst Astrazeneca, dann mRNA-Vakzin: Stiko empfiehlt Kreuzimpfung gegen Delta-Variante

Um den Immunschutz von Menschen, die bisher einmal mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft wurden, zu verbessern, hat die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland allerdings ihre Impfempfehlung angepasst. So sollen Menschen, die eine erste Dosis des Vektor-Impfstoffs erhalten haben, unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie Biontech oder Moderna erhalten.

Der Abstand zwischen erster und zweiter Dosis solle dann mindestens vier Wochen betragen. Die Expertinnen und Experten begründen diesen Rat damit, dass die Immunantwort nach dem Verabreichen von zwei verschiedenen Präparaten – erst Vektor-, dann mRNA-Impfstoff – der Immunantwort nach zwei Dosen Astrazeneca "deutlich überlegen" sei.

Moderna: So gut schützt das Vakzin vor Delta

Daten, die der US-Pharmakonzern Moderna veröffentlicht hat, deuten darauf hin, dass das Vakzin nach zwei Impfungen fast genauso gut vor der Delta-Variante schützt wie vor dem Ursprungsvirus. Laut Deutscher Presse-Agentur rege der Impfstoff auch gegen die Mutation eine Immunantwort an. Untersuchungen mit dem Blut von Geimpften hätten den Schutz auch für die Delta-Variante bestätigt.

Auch eine weitere US-amerikanische Studie deutet darauf hin, dass Moderna gut vor einer Infektion mit der Delta-Variante schützt. So sagte der Virologe Anthony Fauci der "Washington Post", dass bei dem Vakzin mit einer ähnlichen Effektivität wie bei dem Impfstoff von Biontech/Pfizer zu rechnen sei. Er gehe von einer Wirksamkeit von rund 88 Prozent aus.

Johnson & Johnson: Hohe Wirksamkeit gegen Delta-Variante

Auch die Wirksamkeit des Impfstoffs von Johnson & Johnson gilt als hoch. Wie das Unternehmen in einer Erklärung mitteilte, schütze der Impfstoff zu 85 Prozent vor einer schweren Erkrankung durch Delta. Daten hätten gezeigt, dass die Immunisierung mindestens acht Monate anhalten würde. Der Impfschutz, also die Wahrscheinlichkeit an Covid-19 zu erkranken, sei im Vergleich zu Ungeimpften um 65 Prozent niedriger.

Im Vergleich zu den mRNA-Impfstoffen ist dies ein relativ niedriger Wert. Das hängt auch damit zusammen, dass Johnson&Johnson nur einmal verabreicht werden muss. Experten raten bei dem Vakzin daher zu einer zweiten Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff.

(mit dpa)

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