Prozess

Luxusleben erschlichen: Anna Sorokin in New York vor Gericht

Anna Sorokin hat sich in New York offenbar ein Luxusleben erschlichen. Hier lächelt sie im Gerichtssaal.

Anna Sorokin hat sich in New York offenbar ein Luxusleben erschlichen. Hier lächelt sie im Gerichtssaal.

Foto: Richard Drew / dpa

Washington  Anna Sorokin aus Eschweiler soll sich in New Yorks beste Gesellschaft geschwindelt haben. Nun muss sie sich vor Gericht verantworten.

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In einer der schönsten Szenen des Kinofilms „Catch Me If You Can“ läuft der Hochstapler und Betrüger Frank Abagnale, der von Leonardo DiCaprio gespielt wird, breit grinsend in Pilotenuniform mit sechs adretten Stewardessen am Arm durch den Flughafen. So gelingt ihm das geräuschlose Passieren der Kontrollen.

Sehr gut möglich, dass sich die bekannte TV-Produzentin Shonda Rhimes bereits eine ähnliche Schlüsselszene für Anna Sorokin ausgedacht hat, deren wahre Geschichte vom Filmriesen Netflix gekauft wurde. Die 28-jährige Deutsche mit russischen Wurzeln ist gewissermaßen auch eine Überfliegerin, die mit Bruchlandung endete.

Update vom 26. April: Ein Gericht urteilte schuldig über die deutsche Hochstaplerin.

Seit Mittwoch steht die Tochter einer Hausfrau und eines Tanklasktwagenfahrers, die es mit einer atemberaubenden Lügenstory aus Eschweiler bei Aachen in die Bussi-Gesellschaft New Yorks geschafft hat, in Manhattan vor Gericht. Anklagepunkte: Diebstahl, Leistungserschleichung und Betrug. Ihr drohen mehr als zehn Jahre Haft. Und danach die Abschiebung nach Deutschland.

Anna Sorokin lebte als Anna Delvey ein Luxusleben

Unter dem Namen Anna Delvey gab sich Sorokin als Spross einer wohlhabenden Familie aus. Mit Chuzpe und Hybris schummelte sie sich in die angesagtesten Partykreise, wohnte wochenlang in Nobelhotels, dinierte wie selbstverständlich in den teuersten Gourmet-Tempeln, ließ sich regelmäßig für 400 Dollar die Wimpern verlängern, warf im Taxi mit 100-Dollar-Trinkgeldscheinen nur so um sich und buchte laut Staatsanwältin Catherine McCaw Luxustrips für 7000 Dollar die Nacht in Marrakesch.

Anna Sorokin orderte Privatflugzeuge und erschlich sich mit kaltschnäuziger Dreistigkeit stattliche Bankkredite, die sie wiederum mit Darlehen anderer Institute flüssig hielt. Und das stets zulasten Dritter, die sie mit Charme, großen Worten und blauen Augen bezirzte.

Und die lange Zeit ignorierten oder ignorieren wollten, dass der falsche Fuffziger aus dem Rheinland nicht mal im Ansatz die erforderlichen Finanzmittel besaß. Auf mindestens 275.000 Dollar soll sich der Schaden belaufen, heißt es in der Anklage.

Viele New Yorker Promis fielen auf Anna Sorokin rein

Als die Autorin Jessica Pressler im Frühjahr vergangenen Jahres im „New York Magazine“ die Geschichte der Hochstaplerin auffächerte, war die Blamage groß. In der Weltmetropole regis­trierten plötzlich jede Menge Menschen, mit denen sich Sorokin zwischen Aperitif und Absacker umgab, dass sie einer dreisten Schein-Riesin aufgesessen waren.

Dass sie angeblich 60 Millionen Dollar in einem in Übersee verwalteten Treuhandfonds ihrer Eltern besitzt, dass sie in bester Lage ein nach ihr benanntes Kultur-Zentrum in Manhattan eröffnen will und noch dazu Edel-Clubs von Dubai bis Hongkong – alles Kokolores. Selbst hochkarätige Anwaltskanzleien wie Gibson, Dunn & Crutcher gingen ihr auf den Leim.

Anna Sorokin hält sich für unschuldig

Wie die Täuschungsmanöver vonstatten gingen, wird bis ins Detail im Gerichtssaal ausgebreitet. Die Anklage will bis zu 25 Zeugen vernehmen. Von der Angeklagten ist aller Voraussicht nach kein großes Reuebekenntnis zu erwarten. Eine erste Offerte der Staatsanwaltschaft, sich schuldig zu bekennen und so – verkürzt – drei bis neun Jahre abzusitzen, schlug ihr Anwalt Todd Spodek aus. Seine Mandantin habe niemals jemanden betrügen wollen, sagt er. Sie sei unschuldig.

Hintergrund: Immer wieder kommt es in den erlesenen Kreisen zu peinlichen Ereignissen. Eine Falsche deutsche Erbin trickste die High Society in New York aus. In einem anderen Fall haben offenbar mehrere Reiche – unter anderem die Schauspielerin Felicity Hoffmann – ihre Kinder die besten Colleges eingekauft. Elite-Unis: Mittelsmann gibt Schuld im Bestechungsskandal zu.

Sorokin selbst erklärte gegenüber dem „New York Magazine“, dass ihr natürlich Fehler unterlaufen seien – „das mindert aber nicht die hundert Dinge, die ich richtig gemacht habe“. Laut US-Medien hat auch der nun schon seit fast eineinhalb Jahren andauernde Aufenthalt auf der Gefängnisinsel Rikers Island keinen Läuterungsprozess ausgelöst.

Das Magazin „Variety“ will erfahren haben, dass die Sorokin aus dem Gefängnis heraus versucht haben soll, an der Suche mitzuwirken, wer sie denn nun demnächst vor der Kamera verkörpern soll. Jennifer Lawrence und Margot Robbie seien in der engeren Wahl. Heißt es.

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