Raumfahrt

Deutschlands neuer Botschafter im Weltall

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Köln. Sonne, Mond und Sterne faszinieren ihn. Sein Kindheitstraum erfüllt sich. Alexander Gerst wird Astronaut. Im September beginnt der 33-Jährige seine Ausbildung. Donnerstag hat die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) in Köln den Geophysiker der Öffentlichkeit vorgestellt.

Opa ist schuld. Der begeisterte Funkamateur richtet seine Antenne zum Mond und jagt die Stimme seines Enkels hinterher. „Zweieinhalb Sekunden später habe ich sie verzerrt aus dem Lautsprecher wieder gehört”, sagt Alexander Gerst. „Ich war fasziniert. Ein kleiner Teil von mir war auf dem Mond gewesen. Unglaublich.”

Eine große Ehre

Sechs Jahre ist Alexander Gerst alt, als sein Großvater in seinem Kopf ein Feuer für den Weltraum entfacht. Jetzt brennt es lichterloh. „Es gibt mehr Sterne als Sandkörner auf der Welt. Und wir kennen nur unser Sonnensystem. Ich will Licht in diese Dunkelheit bringen.” Das hört sich poetisch an. Aber Gerst, er stammt aus Künzelsau in Baden-Württemberg, kann auch anders: „Für mich ist eine große Ehre, für Deutschland einen wichtigen Beitrag für die bemannte Raumfahrt zu leisten.” Wann er denn fliegt? Die Frage überrascht ihn. „Ich bin erst Anfänger und weiß noch nicht wie das Trainingsprogramm abläuft.” Angst hat er keine. „Respekt vor den Gefahren, natürlich.”

Aus 8413 Bewerbern ausgewählt

Gerst gehört zur neuen Astronauten-Generation der ESA. Er ist der 14. Deutsche, 11 von ihnen waren bislang im All. Gemeinsam mit fünf anderen Europäern - Luca Parmitano (Italien), Andreas Mogensen (Dänemark), Samantha Cristoforetti (Italien), Timothy Peake (Großbritannien) und Thomas Pesquet (Frankreich) - ist Gerst aus 8413 Bewerbern für künftige Reisen ins Weltall ausgewählt worden. „Alexander wurde nicht gewählt, weil er ein Deutscher ist, sondern weil er gut ist”, sagt ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. Deutschland ist mit 2,7 Milliarden Euro bei den ESA-Programmen in den nächsten Jahren der größte Geldgeber.

Genug zu tun

An Arbeit soll es den künftigen Astronauten nicht fehlen. Dordain glaubt an die Verlängerung der Internationalen Raumstation ISS bis ins Jahr 2020. Sieben Flüge über jeweils sechs Monate hält er für denkbar. Auch sieht er „den Mond wieder in Reichweite”. Der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Dietrich Wörner, schließt sich ihm an und hält ein Plädoyer für die bemannte Raumfahrt: „Mit 1600 Innovationen, vom Rauchmelder über den Akkubohrer bis zur Insulinpumpe, erleichtern sie den Alltag.” Und fügt hinzu: „Faszination und Erkenntnis sind auch ein Wert.”

Im All wird es nie langweilig

Thomas Reiter nickt zustimmend. Zweimal war er für sechs Monate im All, zuletzt 2006 auf der ISS. „In meiner Freizeit, und das war nicht viel, jede Minute ist verplant, habe ich aus dem Fenster geschaut”, sagt der Astronaut, „der Blick auf die Erde aus 400 Kilometer Höhe ist faszinierend. Es war nie langweilig.” Der 51-Jährige schwärmt auch von den Aussichten in Gegenrichtung: „So einen klaren Blick auf die Sterne habe ich nie wieder erlebt. Am liebsten wäre ich weiter geflogen.”

Die Mondlandung vor 20 Jahren hat seinen Lebensweg geprägt. „Damals ist der Wunsch geboren worden, Astronaut zu werden.” Sein Vater weckt ihn in der Nacht und gemeinsam verfolgen sie die Mondlandung beim Nachbarn vor dem Fernseher. „Er hatte als einer der ersten einen Farbfernseher. Die Landung war in Schwarz-Weiß, aber die Dokumentationen gab es in Farbe.” Sein Nachbar ist schuld.

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