Tag des Wassers

Durst macht dumm? – Acht Mythen übers Wasser

Aus dem Hahn oder aus der Flasche? Das ist Geschmackssache. Fest steht: Man sollte täglich etwa anderthalb Liter Wasser trinken.

Aus dem Hahn oder aus der Flasche? Das ist Geschmackssache. Fest steht: Man sollte täglich etwa anderthalb Liter Wasser trinken.

Essen.  Wasser ist Grundnahrungsmittel. Aber kann man auch zu viel Wasser trinken? Kann Wasser schlecht werden? Acht Mythen und ihr Wahrheitsgehalt.

Wasser - Quell des Lebens. Doch auch Spender zahlreicher Irrtümer und Mythen. Wir haben uns zum Tag des Wassers bei Experten informiert. Kann man zu viel trinken? Kann Wasser schlecht werden? Macht Durst dumm? Der Mythencheck:

Mythos Eins: Wasser kann nicht schlecht werden!

FALSCH. Wasser kann sehr wohl schlecht werden, wie Dr. Detmar Lehmann, der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lebensmittelchemiker, weiß: "Wasser in abgefüllten Flaschen ist erst einmal keimfrei. Öffnet man die Flasche jedoch, wird das Wasser unweigerlich mit Luftkeimen infiziert. Lässt man es dann zu lange stehen, können sich die Keime ausbreiten."

Besonders anfällig sind Wasser, die nicht mit Kohlensäure versetzt sind. Lehmann: "Die Kohlensäure ist ein Konservator, sie verhindert das Wachstum von Bakterien. Schwindet die Kohlensäure, können sich auch mehr Bakterien ausbreiten. Das passiert zwangsläufig, wenn beispielsweise eine Flasche geöffnet wird."

Dass Wasser ungenießbar geworden ist, kann man dies an folgenden Anzeichen erkennen: Das Wasser riecht muffig. Es schmeckt anders, und im Extremfall können Bakterien das Wasser trüben.

Wie lange es dauert, bis das Wasser "schlecht" wird, hängt von verschiedenen Umständen, wie beispielsweise Außentemperatur, Kohlensäuregehalt und Wassertemperatur ab. Daher rät der Experte: "Das A und O ist die Sensorik. Man muss probieren und daran riechen. Wenn Sie dann Zweifel bekommen, trinken Sie es besser nicht!" Denn: Im schlimmsten Fall droht eine Lebensmittelvergiftung.

Mythos Zwei: Wasser in Plastikflaschen wird bei Hitze ungesund!

Richtig. Wer kennt es nicht? Am Abend findet ein kleiner Umtrunk statt und niemand hat Lust, ständig PET-Flaschen aus dem Keller zu schleppen. Also ab auf den Balkon damit. Besser nicht, denn in allen Plastikflaschen sind Weichmacher enthalten. Bei Hitzeeinstrahlung lösen sich diese und setzen sich im Wasser ab, und das kann gefährlich werden. So ist nachgewiesen, dass Weichmacher Auslöser für Allergien und Genveränderungen beim Menschen sind, wie Dr. Detmar Lehmann erklärt.

Mythos Drei: Je mehr Wasser, desto besser!

Falsch. Es ist eine altbekannte Frage: "Hast du auch genug getrunken?" Doch wie viel ist genug? Ernährungswissenschaftlerin Isabelle Keller von der deutschen Gesellschaft für Ernährung: "Wir raten einem gesunden Menschen dazu, jeden Tag etwa 1,5 Liter Wasser zu trinken. Die oft zitierten zwei bis drei Liter beziehen sich nicht auf das reine Wasser. Die sind der Zusammenschluss des getrunkenen Wassers und der Aufnahme von Flüssigkeit durch das Essen."

Natürlich komme dies aber auch auf die jeweilige Situation an. An einem heißen Tag oder bei sportlicher Betätigung muss die Flüssigkeitsaufnahme selbstverständlich angepasst werden. "Als Faustregel gilt: Soviel wie rausgeht, muss auch wieder reinkommen", so die Expertin.

Mythos Vier: Zu viel Wasser trinken kann tödlich enden!

Nicht von der Hand zu weisen. Schon häufiger wurde über Todesmeldungen nach Extremportevents berichtet. Marathonläufer hätten zu viel Flüssigkeit aufgenommen und seien daran gestorben. Dies kann passieren, dazu muss aber entgegen der körperlichen Reflexe getrunken werden, weiß Ernährungswissenschaftlerin Keller. "Der Körper hat Warnzeichen, die daran hindern, zu viel Flüssigkeit aufzunehmen. Dazu gehören Übelkeit oder Erbrechen."

Überwindet der Sportler diese aber, kann der körpereigene Natriumspiegel durcheinander gebracht werden. Das bedeutet, dass die Natriumkonzentration im Blut sinkt. Das überschüssige Wasser strömt nun vom Blut in die Körperzellen und lässt diese stark anschwellen, was besonders im Gehirn sehr schädlich sein kann. Ist dort der Druck nicht mehr im richtigen Maß gegeben, kann dies zu epileptischen Anfällen führen, im schlimmsten Fall sogar zum Tod.

Mythos Fünf: Durst macht dumm!

Richtig. Zwar gibt es keine wissenschaftlichen Studien, ob Durst auch langfristig die Intelligenz vermindert, kurzfristig tut er dies aber sicher. "Das Konzentrationsvermögen lässt bei Wassermangel messbar nach und damit auch die kurzfristige Intelligenz", so Isabelle Keller.

Mythos Sechs: Regenwasser sollte man nicht trinken!

Richtig. Regenwasser sollte unaufbereitet auf gar keinen Fall getrunken werden. In der Luft gelangen Partikel wie Bakterien und Feinstaub in das Wasser. Diese machen es für den Menschen ungenießbar, wie Ingrid Chorus vom Umweltbundesamt warnt. Möchte man beispielsweise Wasser aus Regentonnen trinken, muss dieses vorab gekocht werden.

Mythos Sieben: Mineralwasser ist gesünder als Leitungswasser!

Richtig. "Wasser aus dem Hahn ist nicht keimfrei", erklärt Lebensmittelchemiker Dr. Detmar Lehmann entschieden. Zwar wird dieses vorher durch Ozon- oder UV-Licht-Bestrahlung, in manchen Gegenden sogar durch Chlorierung desinfiziert, aber ganz keimfrei wird es dadurch nicht. Zudem ist es auch nicht mit Kohlensäure versetzt, die es konservieren könnte. Eine weitere Keimzelle sind die Leitungen, durch die es ins Haus oder die Wohnung gelangt. Aus den Analysen der Wasserwerke und auch der Stiftung Warentest geht aber hervor, dass die Unterschiede minimal und damit nicht gesundheitsrelevant sind.

Mythos Acht: Wasser darf nie zweimal aufgekocht werden!

In Teilen richtig. Dass Wasser nicht ein zweites Mal aufgekocht werden sollte, hatte zwei Gründe. Einer davon ist noch relevant, der andere inzwischen überholt. Früher bestand die Möglichkeit, dass die Kocher Stoffe an das gekochte Wasser abgeben. Bei Edelstahlkochern war dies Nickel, bei Kunststoffgeräten die Substanz Bisphenol A. Diese sind schädlich für den Körper, können unter anderem den Hormonhaushalt stören. Bei mehrmaligem Kochen wurden dementsprechend mehr Schadstoffe abgegeben.

Wie die Stiftung Warentest in ihrem letzten Test 2013 jedoch feststellte, haben die Hersteller mittlerweile nachgebessert. Bei keinem Wasserkocher wurden die zulässigen Grenzwerte für Schadstoffe überschritten.

Warum man es trotzdem nicht doppelt kochen sollte, erklärt eine Studie der University of Southern Denmark, die im Medizinjournal The Lancet veröffentlicht wurde. Sie besagt, dass Wasser durch mehrfaches Kochen seine Struktur verändere und so anfälliger für Giftstoffe werde. Diese seien aber erst in großen Massen gefährlich.

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