Eklat

Ein Spruch zu viel – Warum sich ARD von Mehmet Scholl trennt

Da war Mehmet Scholl noch für die ARD im Einsatz: Der ehemalige Profi beim DFB-Pokalfinale im Mai 2017 im Berliner Olympiastadion.

Da war Mehmet Scholl noch für die ARD im Einsatz: Der ehemalige Profi beim DFB-Pokalfinale im Mai 2017 im Berliner Olympiastadion.

Foto: imago/MIS

Essen  Im Sommer kam es bei dem Confed Cup zu einem Eklat. Jetzt trennt sich die ARD von ihrem streitbaren Fußball-Experten Mehmet Scholl.

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Am Donnerstagmorgen war die ARD-Fußballwelt noch in Ordnung. Dabei hatte sich der Fußballexperte des Senderverbundes, Mehmet Scholl, bereits vor Tagen nach Kräften bemüht, sie durcheinanderzubringen. In der jenseits des Weißwurst-Äquators so gut wie unbekannten Hörfunksendung „Mehmets Schollplatten“ des Bayerischen Rundfunks hatte er am Sonntag erklärt, warum er die beiden Halbfinalspiele des Confed Cups geschwänzt hatte.

Die ARD habe mit ihm vor den Partien über das Thema Doping sprechen wollen, sagte Scholl. Daraufhin habe er erwidert: „Ich möchte, dass diese Story für diesen schönen Tag draußen bleibt. Da haben die gesagt, die bleibt nicht draußen und ich darf mich nicht ins Programm einmischen. Da habe ich gesagt: Ich gehe. Und dann bin ich gegangen.“

ARD nennt keine Gründe für den Schritt

Versteht der Fußballexperte Scholl sich als Programmplaner? Ganz offenbar, denn ein irgendwie geartetes Unrechtsbewusstsein war aus diesen Äußerungen nicht herauszulesen. Folglich musste die ARD reagieren. Sie beließ es jedoch bei einem vergleichsweise milden Tadel durch ihren Sportkoordinator Axel Balkausky. „Die Redaktionen sind für den Inhalt zuständig, die Experten für die Meinung“, sagte er. Der Ex-Profi müsse „den Inhalt und die redaktionelle Hoheit akzeptieren“. Doch am Experten Scholl wollte die ARD da noch festhalten.

Zumindest bis Donnerstagvormittag um 10:01 Uhr: Da gab die ARD eine dürre Pressemitteilung heraus, in der es hieß, man habe sich mit Scholl geeinigt, die „Zusammenarbeit ab sofort zu beenden“. Gründe für diesen Schritt wurden nicht genannt. Fest steht nur, dass die Entscheidung sehr plötzlich fiel. Weder gibt es einen Nachfolger für den 46-Jährigen, noch steht fest, wer ihn am Montag beim DFB-Pokalspiel Hansa Rostock gegen Hertha BSC ersetzen soll.

Scholl hat zahlreiche Werbeverträge

In Senderkreisen kursieren zwei Erklärungen für das abrupte Ende von Scholls Expertenkarriere: Da der Fußballfachmann als sehr impulsiv gilt, könnte er selbst die Brocken hingeschmissen haben. Schließlich war er öffentlich nicht nur von Balkausky, sondern auch vom ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt kritisiert worden.

Andererseits: Gibt man aus Verärgerung eine lukrative Zusammenarbeit so einfach auf? Der Mediendienst „Kress Pro“ hatte vor gut einem Jahr spekuliert, Scholl verdiene pro Sendung 50.000 Euro. Das wurde von der ARD zwar umgehend dementiert. Dennoch zahlt sich sein Engagement mit Sicherheit aus: Dank seiner Omnipräsenz in der ARD und seiner daraus resultierenden Bekanntheit hat er zahlreiche Werbeverträge, etwa mit einer Automarke oder einem Elektromarkt. Auf die wird er demnächst wohl verzichten müssen, sollte er nicht eine gleichwertige Anschlussbeschäftigung finden.

Vielleicht ist die Urlaubszeit der Grund für die verzögerte Reaktion

Folglich halten Brancheninsider eine andere Version für plausibler: Mit der ARD-Vorsitzenden Karola Wille und dem Sport-Intendant Ulrich Wilhelm vom Bayerischen Rundfunk sind zwei der wichtigsten Hierarchen des Senderverbunds derzeit im Urlaub. Womöglich haben die beiden deshalb erst mit Verspätung von Scholls seltsamem Hörfunkauftritt erfahren. Wenn dem so sein sollte, konnten sie wohl auch erst jetzt die entsprechenden Konsequenzen ziehen.

Nachvollziehbar ist diese Theorie auch deshalb, weil Scholl Wiederholungstäter ist. Erst kürzlich hatte er im Zusammenhang mit Cristiano Ronaldo einen fragwürdigen Spruch losgelassen. Er befürchte, sagte Scholl vor laufender Kamera, der Fußballstar könne als „Miss September“ im Knast enden. Damit spielte er auf Ronaldos Steuerprozess an, bei dem ihm womöglich eine Freiheitsstrafe droht. Auch in puncto Doping hat der bisherige ARD-Experte nicht zum ersten Mal jegliches Problembewusstsein vermissen lassen. Bereits 2015 erklärte er im Ersten, verbotene leistungssteigernde Mittel ergäben im Fußball keinen Sinn.

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