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Fake Accounts: Was dieser Roman kritisiert, geht uns alle an

| Lesedauer: 5 Minuten
Trump startet eigenes Online-Netzwerk "Truth Social"

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Donald Trump will in Kürze sein eigenes Online-Netzwerk an den Start bringen. Mit der Plattform "Truth Social" will der Ex-US-Präsident den großen Tech-Konzernen die Stirn bieten. Eine Testversion für ausgewählte Nutzer soll im November online gehen.

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Berlin/New York  US-Autorin Lauren Oyler hat ihren ersten Roman veröffentlicht. Darin verrät sie, wie soziale Medien unsere Beziehungen gefährden.

Die Online-Kultur hat mittlerweile viele Bereiche unseres Lebens fest im Griff. Gerade soziale Medien sollen schon längst nicht mehr nur die Langeweile vertreiben, sondern werden mittlerweile auch als Informationsquellen zur Meinungsbildung benutzt.

Doch allerhand Fake Accounts und Verschwörungsmystiker, die immer mehr in der digitalen Welt ihr Unwesen treiben, lassen den guten Ruf von Kanälen wie Facebook, Instagram oder Twitter ins Wanken geraten. Die US-Kritikern Lauren Oyler hat das in ihrem Roman „Fake Accounts“ zum Thema gemacht. Er ist vor Kurzem auf Deutsch erschienen.

Oylers Roman beginnt mit Trumps Wahlsieg 2017

Es ist das erste Buch der 31-Jährigen. Darin skizziert Oyler nicht nur ein neues Bild von menschlichen Beziehungen im Zeitalter des permanenten Onlineseins, sondern wirft auch relevante Themen wie die US-Politik unter Donald Trumps Amtseintritt und den Feminismus der vierten Welle in den literarischen Ring. Inspiriert hat die Autorin dazu ein Stück weit ihr eigenes Leben.

Es ist der Beginn von 2017: Donald Trump ist frisch zum neuen Präsidenten der USA gewählt. Eine Erzählerin, die viele Parallelen mit Oylers Biografie aufweist, findet heraus, dass ihr Freund ein bekannter Verschwörungstheoretiker ist. Doch noch bevor sie mit ihm Schluss machen kann, kommt das Schicksal ihr zuvor. Was folgt, ist nicht nur eine Reise der jungen Amerikanerin zu sich selbst, sondern auch eine Rückkehr an den Ort, wo alles begann: Berlin.

Oylers eigene Biografie ist eng mit der deutschen Hauptstadt verknüpft. Für mehrere Jahre hat die 31-Jährige hier nach dem Studium gelebt. Seit Kurzem hat sie ein Visum, um voraussichtlich für die nächsten Jahre in Deutschland zu bleiben.

Normalerweise kommt sie jeden Sommer und Winter nach Berlin, doch das Coronavirus hatte das die vergangenen eineinhalb Jahre verhindert. Dennoch hat Oyler trotz etwa 3200 Kilometern Entfernung die Pandemie-Lage in Deutschland aktiv mitverfolgt. „Die Regeln in Deutschland sind viel strenger als in den USA, was ich aber sehr begrüße. Wir hatten gerade mal einen Lockdown für zwei Monate.“

Fake Accounts: Feminismus übt Druck auf Frauen aus

Wie auch im Buch beginnt Lauren Oylers Reise als Autorin ihres ersten eigenen Romans im Jahr 2017, als die Corona-Pandemie noch nicht erahnt werden kann. „Ich war zu dieser Zeit etwas süchtig nach Twitter“, erinnert sich die New Yorkerin.

Das sich Menschen online anders als in der realen Welt verhalten und zum Teil vergessen, dass sie auch in den sozialen Medien öffentlich wahrgenommen werden können, ist laut Oyler mittlerweile der Normalzustand. Das ständige Neu-Erfinden im digitalen Raum kann aber auch Probleme bedeuten: „Es zermürbt das Vertrauen zu den Menschen und kann den zwischenmenschlichen Beziehungen ernsthaft schaden und dazu führen, dass sie beim ganzen Online-Wahn auf der Strecke bleiben.“

Das Internet mutiere immer mehr zu einem Raum, in dem nur das bekannt wird, was übertrieben dargestellt werde. Das gelte heute vor allem für feministische Themen. Frauen stehen immer mehr im digitalen Spannungsfeld zwischen kommerzieller Darstellung und politischen Forderungen. Laut Lauren Oyler ist der Feminismus mittlerweile zum Mainstream verkommen, der vor allem Druck auf Frauen ausübt.

USA: Für Trumps Wahl zum Präsidenten ist Sexismus unerheblich

So kassierte Hillary Clinton gegen Trump bei der US-Wahl nicht aufgrund von Sexismus eine Niederlage. „Jedes Problem auf Sexismus zu reduzieren, spricht Frauen die Handlungsfähigkeit ab, und Hillary Clinton hat sicherlich eine Menge Macht“, erklärt Oyler.

Die Erzählerin ihres Roman erhebt eine kritische Stimme und hinterfragt nicht nur den weiblichen politischen Aktivismus, sondern auch die eigene und die Authentizität anderer. Die Autorin will damit aufzeigen, dass die Technologien nicht nur die Kritik anderer befeuern, sondern auch die Art und Weise beschleunigen, wie wir uns selbst wahrnehmen.

Laut der Autorin befinden wir uns heute permanent in einem Balance-Akt zwischen Selbstreflexion und Paranoia. Doch so sehr sie sich manchmal, ähnlich wie die Erzählerin ihres Buches wünscht, einfach den Laptop oder das Handy aus dem Fenster zu werfen und den sozialen Medien „Adé“ zu sagen, so sehr weiß sie auch: Wer heutzutage mit der Welt verbunden bleiben will, kommt ohne eine digitale Version seiner Selbst nicht mehr durchs Leben.

Lauren Oyler: „Fake Accounts“ (Berlin Verlag), 24 Euro.

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