Überfall

Falsche Polizisten rauben Touristen auf A3 aus

Symbolbild. In mehreren Fällen sind ausländische Reisende auf Autobahnen im Raum Köln in letzter Zeit Opfer von Räubern geworden. Die erweckten den Anschein, sie seien Polizisten.

Symbolbild. In mehreren Fällen sind ausländische Reisende auf Autobahnen im Raum Köln in letzter Zeit Opfer von Räubern geworden. Die erweckten den Anschein, sie seien Polizisten.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Siegburg.  Unter dem Vorwand einer Polizeikontrolle haben bisher Unbekannte drei Touristen auf der A3 bei Siegburg ausgeraubt. Ähnliche Fälle im Raum Köln.

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Drei Touristen aus der Ukraine sind in der Nacht zu Dienstag auf der A3 bei Siegburg Opfer falscher Polizisten geworden. Die Täter täuschten eine Polizeikontrolle vor. Sie erbeuteten mehrere Tausend Euro Bargeld. Beim Versuch die Räuber zu stoppen, stellte sich einer der Ukrainer vor das Fluchtauto. Doch dessen Fahrer kannte kein Pardon.

Kurz vor der Raststätte Siegburg-West waren die Ukrainer im Alter von 22 bis 32 Jahren mit einem VW-Transporter samt Anhänger in Richtung Frankfurt unterwegs, als sie gegen 0.30 Uhr von einem nicht näher beschriebenen dunklen Kleinwagen überholt wurden. Darin seien drei Männer gewesen, die den VW-Fahrer mit heftigem Gestikulieren zum Anhalten aufforderten, berichtete am Dienstag die Polizei.

Täter war uniformähnlich bekleidet

Auf dem Standstreifen der Autobahn hätte einer der Täter, der „uniformähnlich“ bekleidet war, dann eine Polizeikontrolle inszeniert; dabei habe er „Fragen zu den Personalpapieren und dem Reiseweg“ der Ukrainer gestellt und das Handschuhfach des VW durchsucht - angeblich nach Drogen, heißt es im Polizeibericht. Auch habe er sich den Inhalt einer Bauchtasche zeigen lassen, in der laut Medienberichten 15.000 Euro steckten. Der angebliche Polizist habe das Geld an sich gerissen, dann seien die Täter mit einem dunklen Kleinwagen davon gerast.

Der 32-jährige Fahrer des VW habe laut Polizei noch versucht, das Auto zu stoppen. „Er warf sich auf die Motorhaube. Doch dessen Fahrer fuhr unbeirrt weiter“. Der Ukrainer schleuderte auf die Fahrbahn und verletzte sich dabei. In der nahen Raststätte Siegburg-West hätten die Ukrainer dann die Polizei alarmiert. Sprachprobleme hätten aber dazu geführt, dass die Polizei erst von einem Unfall ausgegangen war. Die Täter entkamen unerkannt.

Die Polizei hat am Dienstag einen Zeugenaufruf gestartet. Nur einer der Täter konnte beschrieben werden: Er ist 1,75 bis 1,80 Meter groß, von sportlicher Statur. Er wirkte gepflegt, hat kurze schwarze Haare, einen „dunklen Teint“ und Drei-Tage-Bart. Bekleidet war er unter anderem mit einer Weste, die wie eine schusssichere Weste aussah, berichtete die Polizei.

Mehrere Raubüberfälle auch auf der A4 und der A61

Bereits eine Woche zuvor gab es einen ähnlichen Überfall auf der Autobahn 4 bei Frechen. Dort war eine Familie aus dem Irak Opfer falscher Polizisten. Auch hier nutzten die Täter einen Kleinwagen. Der Überfall lief ähnlich ab, beschrieb die Polizei im Rhein-Erft-Kreis in einer Mitteilung. Die Täter hätten sich dann mit einer Art Polizeimarke ausgewiesen, eine Handtasche durchwühlt, das gefundenen Bargeld an sich genommen und seien dann mit dem Auto geflüchtet.

Am 11. Juli berichtete die Polizei im Rhein-Erft-Kreis von einem weiteren Überfall durch falsche Polizisten: Opfer waren zwei Rumänen, die auf der A4 bei Kerpen in Richtung Niederlande unterwegs waren. Auch erbeuteten die Täter Bargeld. Sie seien zu viert gewesen, wurden als „dick“ beschrieben und seien alle mit Sonnenbrillen bekleidet gewesen. Tatauto sei ein VW-Golf, 4. Baureihe, mit Kennzeichen aus dem Kreis Höxter gewesen, teilte die Polizei mit.

Ein weiterer Fall wurde im Juni gemeldet. Dort hätten sich bis dato unbekannte Täter ebenfalls aus Polizisten ausgegeben und laut einem Zeitungsbericht auf der A61 bei Kerpen einen Italiener beraubt.

Erneut auf der A4 bei Frechen wurden im Mai zwei tschechische Reisende auf die gleiche Masche Opfer eines Überfalls. Die Täter gaben sich als Zivilpolizisten aus und erbeuteten Bargeld; die Tschechen waren in Deutschland, um ein Auto zu kaufen, teilte die Polizei mit.

Inwieweit es einen Zusammenhang zwischen dem Überfall auf der A3 und den anderen Fällen gibt, konnte man bei der Polizei auf Nachfrage nicht sagen. Die Polizei im Rhein-Erft-Kreis warnt vor der Masche, bei der offenbar vor allem Reisende aus dem Ausland im Visier der Täter sind: „Lassen Sie sich im Kontrollfalle den Dienstausweis (blau, mit Foto und Polizeistern; Rückseite mit Gültigkeitsdatum und Aussteller) zeigen und gegebenenfalls die Dienststellen-Telefonnummer aushändigen, um Rücksprache zu halten. Außerdem steht es jedem Überprüften mit Verdacht auf ein Betrugsdelikt frei, jederzeit über den Notruf 110 der Polizei die „richtigen“ Beamten zu informieren“, sagt die Polizei. (dae)

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