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Feuerwehrmann bei Dunja Hayali: „Plötzlich bist du Opfer“

Dunja Hayali: Fünf Dinge, die man über die Moderatorin wissen muss

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Berlin  Drohungen, Pöbeleien, Angriffe: In Dunja Hayalis Sendung am 1. Mai berichteten Rettungskräfte vom immer gefährlicheren Arbeitsalltag.

„Berlin brennt“. So heißt ein Videoclip, der vor gut einem Jahr rasant viral ging. Darin beklagt der Feuerwehrmann Christian Köller alias Kölli rappend die mangelhafte Besetzung und Ausstattung der Berliner Feuerwehr. Auch Attacken auf Einsatzkräfte sind Thema: „Greif uns nicht an. Wir retten euer Leben, auch wenn wir mal Scheißlaune haben. Du musst verstehen, wir sind unterbesetzt.“

Die Kritik traf offenbar einen Nerv: Innerhalb der ersten Woche wurde das Video rund 80.000 Mal, bis heute fast 190.000 Mal aufgerufen. Köllers Mahnung ist alles andere als verwunderlich. Immer häufiger ist von Rettungskräften zu hören, die angepöbelt, bedroht oder brutal angegriffen werden.

Brennt es also tatsächlich in Deutschland? Und warum nehmen Respektlosigkeit und Gewalt gegenüber Feuerwehrleuten, Sanitätern und Polizisten zu? Das diskutierte am Mittwochabend – passend zum 1. Mai – Dunja Hayali in ihrem monatlichen Talk.

Hayali-Talk: Feuerwehrmänner melden Übergriffe oft nicht

Neu waren die Fragen nicht. Was Moderatorin Hayali mit ihrem knackigen Formatmix aus Reportage und Talkmagazin aber bieten konnte, waren einige überraschende Fakten und berührende Schilderungen dessen, was diese Entwicklung mit den Helfern macht.

Zum Beispiel mit Valentino Tagliafierro, der seit 18 Jahren „aus Leidenschaft“ Feuerwehrmann ist. Er schilderte bei Hayali so bescheiden wie eindrücklich wie er einmal zu einen Einsatz gerufen wurde. Während er dort einer hilflosen Frau helfen wollte, habe deren Ehemann plötzlich von hinten auf ihn eingeschlagen – weil ihm der Einsatz zu langsam ging.

„Dass man sein Bestes geben will und plötzlich selbst zum Opfer wird, kratzt unheimlich an der Psyche“, sagt Tagliafierro. Zudem gebe es in vielen solcher Fälle immer noch keine Strafverfolgung, selbst nach einer Anzeige durch die Rettungskräfte. Auch deshalb würde die Mehrzahl der Kollegen solche Übergriffe nicht melden.

Feuerwehr: Hohe Dunkelziffer bei von Gewalt betroffenen Rettungskräften

Die Einschätzung von Tagliafierro deckt sich auch mit den Ergebnissen einer 2018 veröffentlichten Untersuchung, die Gewalterfahrungen von Einsatzkräften der Feuerwehren und Rettungsdienste in Nordrhein-Westfalen beleuchtet.

Von den befragten Notärzten und Sanitätern gaben 92 Prozent an, in den vergangenen zwölf Monaten beleidigt oder bedroht worden seien. Jeder Vierte war demnach Opfer körperlicher Angriffe geworden – meist durch Patienten. Dennoch sagten 80 Prozent der Betroffenen, sie hätten Übergriffe nicht gemeldet – zum Teil weil sie nicht glaubten, dass dies die Lage verbessern würde.

Die Dunkelziffer von nicht angezeigten Fällen körperlicher Gewalt ist somit vermutlich hoch. Für den Feuerwehrmann Tagliafierro ist darum klar: Die Strafverfolgung bei solchen Übergriffen müsse strenger, die juristischen Folgen sichtbarer gemacht werden. Die Strafen für Angriffe auf Rettungskräfte wurden 2017 zwar verschärft. Doch das genügt offenbar nicht.

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Taser bei Polizisten schrecken das Gegenüber oft ab

Aber wer sind überhaupt die Menschen, die Einsatzkräfte anpöbeln oder sogar angreifen? „Hauptsächlich gehen die Übergriffe von Männern zwischen 20 und 29 Jahren aus, die oft unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen“, berichtete die Anti-Gewaltbeauftragte der Berliner Feuerwehr, Janina Dressler.

Es sei extrem wichtig, dass die Organisationen betroffene Mitarbeiter gut betreuen und Präventionsarbeit leisten. „Aber die Feuerwehr leidet unter massiver Unterbesetzung der Polizei und der Justiz.“

Ideen, wie Prävention konkret aussehen könnte, wurden in der Runde aber leider kaum angesprochen. Katja Sorgen, seit zwölf Jahren Polizistin, sprach lediglich den Taser an. Die Elektrowaffe zählt in Rheinand-Pfalz inzwischen zur Standard-Ausrüstung.

„Allein dass die Beamten einen Taser tragen führt oft dazu, dass sich das Gegenüber ruhiger verhält“, berichtete sie. Doch auch Sorgen musste zugeben: Der Respekt vor den Beamten sinke, und der Dreiste und Lautere siege oft. Ob gegen diese Entwicklung auf Dauer Maßnahmen wie Taser ausreichen, ist zu bezweifeln. Dunja Hayali konnte ihren Gästen am Ende des Gesprächs darum nur ein mütterliches „Lassen sie sich nicht unterkriegen“ mit auf den Weg geben. (Nicole Sagener)

Hier können Sie die Sendung in der ZDF-Mediathek anschauen.

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