Flughafen-Chaos

Koffer verschwindet am Flughafen: Was Reisende tun sollten

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Flughafen-Chaos: Ausländische Hilfskräfte sollen Abhilfe schaffen

Flughafen-Chaos: Ausländische Hilfskräfte sollen Abhilfe schaffen

Wegen eines Mangels an Fachkräften herrscht an deutschen Flughäfen Chaos. Nun kommt die eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe der Bundesregierung der Branche entgegen und will die Einreise von ausländischen Hilfskräften erleichtern. IMAGES AND SOUNDBITES

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Berlin  Die Flughäfen sind überlaufen und das Personal unterbesetzt. Das führt zu Gepäck-Chaos: Immer mehr Rucksäcke und Koffer gehen verloren.

Die gute Urlaubsstimmung kann schnell einen Dämpfer bekommen, wenn der Koffer erst nach dem Besitzer oder der Besitzerin am Zielort ankommt. Doch an den Flughäfen herschen derzeit chaotische Zustände. Der Airport in Frankfurt am Main spricht aktuell von tausenden Gepäckstücken, die noch nachgesendet werden müssen. Der Grund? Personalmangel– zurzeit fehlen Tausende Fachkräfte bei der Abfertigung und Gepäckaufgabe. Auch am Münchner Flughafen türmen sich derzeit Berge von Koffer.

Aktuell gehen laut „Bild“-Zeitung fünf Mal so viele Koffer und Taschen verloren, wie in den vergangenen Sommern. Was Betroffene tun sollten, wenn ihre Gepäckstücke nicht mehr auftauchen. Lesen Sie auch: Flug erst beim Check-in zahlen? Regierung für Reise-Revolution

Koffer verschwunden: Verluste müssen schnell gemeldet werden

Wenn der Koffer oder Rucksack nicht auf dem Gepäckband auftaucht, sollte man schnell handeln. Dazu muss der Verlust unmittelbar gemeldet werden. Das geht am „Lost and Found“-Schalter am Flughafen über das Formular „Property Irregularity Report (PIR)“.

Manche Airlines haben auch ihre eigene Gepäckermittlung am Flughafen. Wenn diese geschlossen hat, gibt es meist ein Online-Formular auf den Webseiten der Gesellschaften. Falls es das Online-Angebot nicht gibt, müssen Reisende zur Schalter-Öffnungszeit erneut zum Flughafen kommen.

Der Verlust des Gepäcks sollte innerhalb von sieben Tagen der Airline gemeldet werden. Dann haben Kunden mögliche Ansprüche an Kostenerstattung. Wichtig ist es auch die Verlust-Bescheinigung aufzuheben.

Zum Melden des Verlustes werden die Infos auf der Bordkarte und dem Gepäckaufkleber benötigt. Hilfreich ist es die genaue Anzahl an Koffern und Taschen zu wissen und das Gepäckstück so gut wie möglich zu beschreiben. Dafür lohnt es sich schon vor der Reise ein Foto vom Gepäck zu machen.

Damit die Suche nach dem verlorenen Gepäckstück möglichst schnell geht, sollte am besten vorab eine Karte mit Namen, Urlaubs- und Heimadresse an den Koffer gehängt werden.

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Notwendigkeiten werden erstattet

Schäden, die dadurch entstehen, dass das Gepäck später ankommt als der Fluggast, muss die Airline ersetzen. Reisende, deren Koffer nicht am Zielort auftraucht, können sich notwendigen und angemesen Ersatz beschaffen, etwa Unterwäsche, Kleidung und Toilettenartikel. Was notwendig und angemessen ist, hängt von der Art der Reise ab – etwa, ob es eine Strandreise oder eine Luxuskreuzfahrt ist. Reisende sind allerdings verpflichtet, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Erlaubt ist der Kauf eines einfachen Badeanzugs, nicht aber von mehreren teuren Markenartikeln. Reisende haben eine sogenannte „Schadensminderungspflicht“.

Grundsätzlich sind die Regeln von der Airline abhängig. Wie hoch die Pauschalen zur Erstattung sind, kann bei den Fluggesellschaften erfragt oder online nachgeschaut werden. Zur Erstattung müssen Quittungen unbedingt aufbewahrt werden, damit die später in Rechnung gestellt werden können. Man kann auch um einen Vorschuss bitten.

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Warten – und Suche online verfolgen

Wenn der Koffer weg ist, gilt es erstmal, abzuwarten und Ruhe zu bewahren. Die Fluggesellschaften bemühen sich in der Regel darum, das Gepäck an den eigentlichen Zielflughafen zu bringen. Wie Reisende dann von der Ankunft ihres Koffers oder Rucksacks erfahren, ist von der Airline abhängig.

Bei der Fluggesellschaft Eurowings kann die Suche online verfolgt werden. Auf der Website der Airline heißt es, dass Fluggäste beim Fund kontaktiert werden und das wiedergefundene Gepäck per Kurier nachgeschickt wird. Alternativ kann es am Flughafen abgeholt werden.

Auch bei Easyjet und Ryanair gibt es Online-Portale zum Verfolgen. Bei Weiterreise kann die Zustellungsadresse angepasst werden, damit das Fundstück bald wieder beim Besitzer ist.

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Was passiert, wenn der Koffer nicht mehr auftaucht?

Kommt der Koffer nicht innerhalb von drei Wochen zum Besitzer zurück, gilt er als verloren. Jetzt hat man Anrecht auf Ersatz. Dafür muss konkret nachgewiesen werden, was sich im Koffer befunden hat. Dafür lohnt es sich vor der Reise eine Packliste zu machen oder Kaufbelege für die verlorenen Gegenstände zu liefern. Der Neupreis wird allerdings nicht erstattet.

Die Summe für den Schadenersatz ist gedeckelt. Für wertvolle Gegenstände, wie elektronische Geräte oder teuren Schmuck, haftet die Airline nicht. Die zu erstattende Summe ist in der Regel zwischen 1400 und 1600 Euro. Wertvolle Gegenstände sollten daher lieber im Handgepäck transportiert werden oder eine separate Gepäckversicherung haben.

Betroffene müssen den entstandenen Schaden jedoch darlegen und ihn gegebenenfalls auch beweisen können. Dafür ist es sinnvoll, vor dem Flug Fotos von dem Kofferinhalt zu machen.

Falls das Gepäck doch wieder auftaucht, haben Reisende innerhalb von 21 Tagen Zeit die durch die Verspätung entstandenen Kosten zur Erstattung anzumelden.

Bei Pauschalreisen müssen Fluggesellschaft und Reiseveranstalter informiert werden. Denn: Ist der Koffer nicht pünktlich am Reiseziel, haftet der Veranstalter. Wenn der Koffer während des Urlaubs gar nicht auftaucht, kann mindestens 50 Prozent des Reisepreises zurückverlangt werden.

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Wie lange die Erstattung dauert, hängt wieder von der Fluggesellschaft ab. Wichtig ist es, auf dem Formular alle Infos zu hinterlegen, damit Nachfragen vermieden werden können – auch die Kontakt- und Kontodaten.

Wenn sich die Fluggesellschaft nicht meldet, empfehlen Verbraucherzentralen, dass sich die Reisenden direkt mit einem Schreiben und einer Fristsetzung von 14 Tagen an sie wenden. Übrigens haben Reisende auch bei Beschädigung des Koffers das Recht auf eine Entschädigung. Am besten direkt am Flughafen den Schaden melden. (ari)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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