Prozess

Drei Jahre Haft für die Vergewaltigung der Ex-Freundin

Gerechtigkeit verspricht die Figur der Justizia an der Fassade des Landgerichtes Essen.

Gerechtigkeit verspricht die Figur der Justizia an der Fassade des Landgerichtes Essen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen/Gladbeck  Unerklärlich nennt das Gericht die Gewaltausbrüche eines Gelsenkircheners. Für die Vergewaltigung seiner Ex-Freundin bekam er drei Jahre Haft.

Es war nicht der erste Gewaltausbruch des 39 Jahre alten Gelsenkircheners. Aber am Freitag bekam er seine erste Haftstrafe. Für die Vergewaltigung seiner in Gladbeck lebenden Ex-Freundin bekam er vom Landgericht Essen drei Jahre Haft.

Obwohl er rein äußerlich einen bürgerlichen Eindruck macht und auch regelmäßig seiner Arbeit in einem großen Konzern nachgeht, scheint der Angeklagte den Ernst seiner Lage nicht erkannt zu haben. So war er in der vergangenen Woche zum Prozessauftakt erst mit zwei Stunden Verspätung erschienen, weil er offenbar verschlafen hatte.

Schon in der Ehe gab es Gewalttätigkeiten

Verheiratet war er einmal, aber schon da kam es zu Gewalttätigkeiten, wie er jetzt einräumte. Danach lernte er die heute 32 Jahre alte Frau kennen, die ihn im aktuellen Prozess als Nebenklägerin belastete. Es war ihre nach Ansicht der XVII. Essener Strafkammer "detaillierte Aussage", die ihn überführte.

Bis 2016 hatten die beiden eine Beziehung geführt. Sie trennten sich. Dennoch kam es immer wieder zu Treffen der beiden, auch zu Sex.

Nasenbeinbruch und Anbruch des Unterkiefers

Daran änderte auch die Gewalt nichts. Zwei Ausbrüche von Gewalt hatte die Anklage dem 39-Jährigen vorgeworfen. So soll er seine frühere Freundin am 5. April 2017 derart heftig geschlagen haben, dass sie einen Nasenbeinbruch erlitt, außerdem ihr Unterkiefer angebrochen war.

Fast zwei Jahre später der nächste Fall. Er hatte sie in der Nacht zum 15. Februar 2019, es war noch der Valentinstag, in ihrer Gladbecker Wohnung aufgesucht. Eifersüchtig war er wohl. Beschimpfte sie, schlug ihr laut Urteil ins Gesicht und vergewaltigte sie. "Er wollte sie erniedrigen", sagte Richterin Gabriele Jürgensen im Urteil

Angeklagter will sich nur vage erinnern

Er selbst hatte im Prozess kein Geständnis abgelegt. An die erste Tat könne er sich nur vage erinnern, deshalb sei dann wohl nicht viel vorgefallen. Außerdem seien Gewalttätigkeiten von beiden Seiten ausgegangen. Bei der zweiten sei fast nichts passiert.

Die Kammer hielt das für widerlegt. Für Gewalt durch die Frau gäbe es gar keinen Beleg. Die Verletzungen der Frau seien in beiden Fällen dagegen gut dokumentiert. Sie habe bei Ärzten, Polizisten und ihrer Mutter auch nie einen Zweifel gelassen, dass er der Täter sei.

Vor diesem Hintergrund fand das Gericht es "nicht nachvollziehbar, dass ein halbwegs intelligenter Mensch wie der Angeklagte sich so einlasse". Ihm riet Richterin Jürgensen, in der Haft an sich zu arbeiten, damit es nicht immer wieder zu diesen Gewaltausbrüchen komme. Jürgensen: "Irgendwann wird er wieder eine Frau kennenlernen. Deshalb ist eine Therapie mehr als nötig."

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