Prozess

Hartnäckige Ermittlungen: Prozess sieben Jahre nach Überfall

Am Montag muss sich ein Gelsenkirchener vor dem Landgericht Essen wegen Raubes verantworten.

Am Montag muss sich ein Gelsenkirchener vor dem Landgericht Essen wegen Raubes verantworten.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen/Gelsenkirchen.  Ein Gelsenkirchener muss sich am Montag vor Gericht verantworten. Er soll vor sieben Jahren einen Drogendealer brutal überfallen haben.

Sieben Jahre wähnte sich ein Gelsenkirchener in Sicherheit, bis hartnäckige Ermittlungsarbeit ihn doch auf die Anklagebank brachte. Seit Montag muss sich der 47-Jährige vor dem Landgericht Essen für einen Überfall aus dem Jahr 2012 verantworten. Die Anklage wirft ihm Raub mit gefährlicher Körperverletzung vor.

Am Abend des 2. August soll er mit fünf mutmaßlichen Mittätern einen Drogendealer in Schalke überfallen haben. Die Beute laut Anklage: Marihuana und Handys. Gesucht haben sollen sie auch nach Geld und Viagrapillen, fanden auf die Schnelle aber nichts.

Täter gingen äußerst brutal vor

Äußerst brutal sollen sie vorgegangen sein, nachdem sie durch einen Trick in die Wohnung kamen. Eine Komplizin, die dem späteren Opfer regelmäßig die Haare schnitt, soll den Schlüssel aus dessen Wohnung draußen deponiert haben. So sollen die Täter leicht und fürs Opfer überraschend in die Wohnung gekommen sein. Dort kamen sie laut Anklage schnell zur Sache: „Der Angeschuldigte und ein Mittäter schlugen mit einem Stuhl und Stuhlbein immer wieder auf das Gesicht und den Kopf des Geschädigten ein.“

Erst als die von Nachbarn alarmierte Polizei eintraf, sollen die Männer von ihrem Opfer abgelassen haben und geflüchtet sein. Das Opfer musste anschließend mit einem Nasenbeinbruch und mehreren Platzwunden im Gesicht genäht werden.

Polizei kam erst spät auf den Angeklagten

Sieben Jahre liegt die Tat zurück, vier Männer und eine Frau sind seitdem zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Auf den jetzt Angeklagten kam die Polizei erst spät. Zwar geisterte ein „Piso“ oder „Miso“ durch die Akten, doch das brachte die Ermittler nicht weiter. Erst als ein verurteilter Mittäter kurz vor seiner Abschiebung den vollen Namen des Angeklagten nannte, nahm die Polizei ihn schließlich Anfang des Jahres fest.

Beim Prozessauftakt schweigt der Angeklagte zu dem Tatvorwurf. Ruhig verfolgt er den Prozess, doch zu seinem Leben gibt er Auskunft: Er erzählt, dass er früh Drogen nahm. Mit 16 habe er mit Cannabis angefangen, mit 18 das erste Mal gekokst.

Angeklagter nahm aus Langeweile Drogen

Auch „aus Langeweile“ habe der Arbeitslose nicht von den Drogen lassen können. Mit Anfang 20 habe er dann angefangen, Heroin zu rauchen: „Das war mein Absturz.“ In einer Drogenberatung in Gelsenkirchen soll er seine mutmaßlichen Mittäter kennengelernt haben.

Beim Prozess sind sie als Zeugen geladen, machen es dem Gericht aber nicht leicht. Einer will den Angeklagten nicht mehr wiedererkennen: „Vor sieben Jahren sah der noch anders aus.“ Zwei weitere Verhandlungstage hat die XVII. Strafkammer angesetzt. Dann sollen weitere Zeugen und ein Gutachter hoffentlich mehr Klarheit in den Fall bringen.

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