Gericht

Keine Strafe für Wetteraner nach Vergewaltigungen

Die Prozessakten im Fall des Wetteraners sind vorerst geschlossen; er muss sich nun einer ambulanten Therapie unterziehen.

Foto: Michael Kleinrensing

Die Prozessakten im Fall des Wetteraners sind vorerst geschlossen; er muss sich nun einer ambulanten Therapie unterziehen.

Wetter/Hagen.   Ein 19-Jähriger vergeht sich an junger Frau und einer Zwölfjährigen. Gericht wendet das Jugendstrafrecht an. Nun muss er eine Therapie machen.

Als sich eine junge Frau für den 15. März 2016 mit einem damals 18-jährigen Wetteraner verabredet, ahnt sie nicht, dass sie Opfer einer Vergewaltigung würde. Auch eine Zwölfjährige ging dem Täter ins Netz. Jetzt musste sich der Mann im Amtsgericht Hagen dem Jugendschöffengericht stellen.

Der Angeklagte gab sich wortkarg. Sein Verteidiger übernahm das Reden. „Er räumt alles ein“, machte es der Anwalt kurz. Demnach hatte der Angeklagte über das Internet eine Jugendliche kennengelernt. Beim ersten und letzten Treffen gingen die beiden zunächst in Wetter spazieren und setzten sich dann auf eine Bank. Dort küssten sie sich einvernehmlich. Doch plötzlich wurde der inzwischen 19-Jährige aufdringlich. Er berührte die Brüste der jungen Frau, drückte sie auf die Bank und legte sich auf sie. Schließlich führte er seinen Finger ein.

Aufgrund der Abwehr der Geschädigten ließ der Wetteraner letztlich von ihr ab. Nur knapp zwei Monate später suchte er sich ein neues Opfer. Erneut nutzte er dazu das Internet, wo sein Interesse an einer Zwölfjährigen geweckt wurde. Das Alter des Mädchen wusste der Mann zumindest zum Zeitpunkt des Chats noch nicht, da sich das Mädchen als älter ausgegeben hatte. Bei einem Treffen fuhr der Angeklagte mit dem Mädchen im Zug nach Essen. Während der Fahrt gab die Geschädigte ihr wahres Alter preis.

Drei Anklagepunkte

Das hielt den Wetteraner allerdings nicht davon ab, das Mädchen auf ein einsames Parkdeck zu locken, sie an eine Wand zu drücken und ihren Oberkörper zu berühren. Auch bei ihr setzte er seinen Finger ein. Und das derart heftig, dass das Mädchen eine blutende Wunde im Intimbereich davon trug. Im Gericht galt es, drei Anklagepunkte zu verhandeln: zweifache Vergewaltigung und im zweiten Fall ein damit gleichzeitig verwirklichter sexueller Missbrauch Minderjähriger. Den Missbrauchs-Vorwurf stellte das Gericht im Hinblick auf die im Übrigen zu erwartende Strafe vorläufig ein. Grund dafür war die Unsicherheit der Geschädigten, ob der Angeklagte ihr geglaubt hatte, dass sie erst zwölf war.

Durch das Geständnis des 19-Jährigen blieben beiden Opfern Aussagen im Gericht erspart. Strafrechtlich war der Angeklagte bislang wegen Bedrohung und Hausfriedensbruchs aufgefallen. Beide Verfahren waren eingestellt worden. Mitarbeiter einer Therapieeinrichtung attestierten dem Angeklagten aufgrund eines von diesem ausgefüllten Fragebogens eine falsche Einstellung gegenüber Frauen. Seiner Ansicht nach möchten Frauen zum Sex gezwungen werden. Mittlerweile zeigt sich der Angeklagte, der zum dritten Mal versucht, einen Hauptschulabschluss zu erlangen, bereit, eine Therapie zu machen. Da der Wetteraner zum Tatzeitpunkt schon 18 Jahre alt war, musste das Gericht entscheiden, ob es beim Angeklagten Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht anwendet. Schließlich kam das Jugendstrafrecht zum Einsatz.

Ambulante Therapie

Das Schöffengericht befand den Angeklagten der zweifachen Vergewaltigung für schuldig. Eine Strafe gab es jedoch noch nicht. Die Verhängung einer solchen stellte das Gericht unter Bewährung. Innerhalb der folgenden zwei Jahre nach Rechtskraft der Entscheidung, muss der 19-Jährige eine ambulante Therapie bezüglich seiner Sexualität durchziehen und mit einem Bewährungshelfer zusammenarbeiten. Verstößt er dagegen, kommt es zu einer noch nicht festgelegten Strafe.

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik