Prozess

Millionenbetrug mit Geldtransporter vor Gericht gestartet

Sieben Angeklagte stehen seit Dienstag vor dem Essener Landgericht. Sie sollen mit trickreichen Aktionen und brutalen Überfällen eine Millionenbeute gemacht haben.

Sieben Angeklagte stehen seit Dienstag vor dem Essener Landgericht. Sie sollen mit trickreichen Aktionen und brutalen Überfällen eine Millionenbeute gemacht haben.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Essen  Trickreich sollen sie gewesen sein und so Millionen Euro erbeutet haben. Seit Dienstag sitzen deshalb sieben Angeklagte in Essen vor Gericht.

Strahlend, mit einem gewinnenden Lächeln, kommt Asier S. (25) am Dienstag in den Gerichtssaal. Fast wie ein Hollywoodstar, der seine Fans bei der Premiere seines neuen Films begrüßt. Dabei müssen er und sechs weitere Angeklagte aus Recklinghausen, Marl und Köln sich seit Dienstag wegen Raubes, schweren Diebstahls, Betruges und diverser anderer Delikte verantworten. Eine Millionenbeute sollen sie mit ihren insgesamt 14 Straftaten gemacht haben. Und für eine akribische Planung verantwortlich sein, die an Hollywoodfilme erinnert.

Der größte Coup, der den Angeklagten von den Staatsanwältinnen Nina Rezai und Alexandra Rott vorgeworfen wird, spielt im westfälischen Gronau. Mit einem Trick gelang es laut Anklage Asier S. und drei Mittätern, ohne jede Gewalt die Einnahmen der Supermarktkette K+K zu erbeuten.

VW-Bus zum Geldtransporter umlackiert

Hilfreich war dabei das Hintergrundwissen des Angeklagten Ahmad A.. Denn der 45-Jährige arbeitete damals bei einem Geldtransportunternehmen. Die Angeklagten sollen einen VW-Bus gekauft haben, mit dem die Firma regelmäßig Geld in der Zentrale von K+K abholte. Das Fahrzeug wurde umlackiert, mit dem falschen Firmenlogo versehen und am 19. Dezember 2017 nach Gronau gesteuert.

Kurz bevor der Transporter der echten Firma vorfuhr, rollte laut Anklage der VW-Bus der Angeklagten gegen 14.30 Uhr zum Eingang von K+K, das im Volksmund auch gerne mit "Komm und Klau" übersetzt wird. Asier S. und der Mitangeklagte Kesser J. (25), beide in der Uniform der echten Firma, sollen ausgestiegen sein und die Einnahmen in Höhe von 1,8 Millionen Euro in Empfang genommen und quittiert haben. Dann fuhren sie weg.

Keine Straftat unter 100.000 Euro Beute pro Person

Die Tat scheint zum Schwur zu passen, der die Gruppe der Angeklagten geeint haben soll: Niemals eine Straftat begehen, die nicht mindestens 100.000 Euro einbringt. Pro Person.

Schon vor der Tat in Gronau hatten sie im großen Stil gearbeitet. Dank Ahmad A., so die Anklage, hatten sie den Nachschlüssel für einen Geldtransporter, der am 10. November 2016 in der Dortmunder Innenstadt für ein paar Minuten herrenlos am Straßenrand stand. Sie öffneten ihn, nahmen die Scheine heraus, mit denen Geldautomaten nachgefüllt werden sollten, und flüchteten Um 521.372,51 Euro hatte die Tat sie reicher gemacht.

Nachschlüssel für einen Geldautomaten

Am 23. Juni 2017 hatten sie einen Geldautomaten der Postbank in Werne im Visier. Ahmad A. war im Besitz eines Nachschlüssels, so dass auch hier keine Gewalt nötig war. 254.000 Euro holten sie aus dem Automaten.

Doch nicht immer verzichteten sie auf Gewalt. Im April 2016 soll Asier S., der den Ermittlern als Kopf und Planer gilt, in Mönchengladbach eine Schmuckhändlerin vor ihrer Wohnung überfallen haben. Als sie dort eintraf, sollen Asier S. und zwei Komplizen, alle maskiert, sie aus dem Auto gezerrt haben. Sie bedrohten sie und forderten die Schmuckschatulle, die im Kofferraum lag. Einer soll sie massiv bedroht haben: "Der Schmuck ist versichert, dein Leben nicht."

Brutaler Überfall auf Schmuckhändlerin

So gelangten die Räuber an Schmuck im Wert von rund 300.000 Euro, sprühten der Juwelierin zum Schluss noch Pfefferspray ins Gesicht.

Gewalt setzten sie auch ein, als sie Mitglieder eines Sparclubs in Gevelsberg überfielen. Sie sollen gewusst haben, dass Einnahmen in Höhe von rund 78.000 Euro von der Sparkasse abgeholt werden sollten. Als ein Clubmitglied mit den Sparclubgeldern die Bank verließ, entrissen die Räuber ihm den Rucksack, verletzten ihn an der Hand.

Dank Wanze im Auto hörte die Polizei mit

Ins Rollen kamen die Ermittlungen, als der Angeklagte Housein El-K. (26) als falscher Polizist in der Schweiz festgenommen wurde. Die deutsche Polizei bekam Hinweise, verwanzte die Autos der Gruppe. So hörte sie mit, dass noch weitere Taten geplant waren. Da sollten Geldtransporte der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank mit Blendgranaten gestoppt werden. Zehn Millionen Euro erwarteten die Angeklagten laut Abhörprotokoll.

Das war wohl auch bitter nötig, denn Asier S. beklagte sich bei seiner ebenfalls mitangeklagten Freundin Stefanie A. (22) über zu hohe Geldausgaben für Luxusartikel und Hotels. Dazu scheinen Handtasche und Armbanduhr der Dame im Gerichtssaal zu passen. Laut kundigen Reporterkollegen sollen diese jeweils 20. bis 30.000 Euro wert sein. 20 Prozesstage sind angesetzt.

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