Gericht

Nachtclub-Gast in Bad Berleburg mit Pfefferspray attackiert

Das Amtsgericht in Bad Berleburg

Foto: Christoph Vetter

Das Amtsgericht in Bad Berleburg Foto: Christoph Vetter

Bad Berleburg.   Der 63-jährige Nachtclub-Besitzer soll am 8. Oktober 2016 in Bad Berleburg einen 21-jährigen Gast ohne Vorwarnung mit Pfefferspray angegriffen haben.

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Wie es zu dem Angriff mit dem Pfefferspray gekommen war und ob tatsächlich der 63-jährige Betreiber eines Berleburger Nachtclubs dafür verantwortlich gewesen ist, konnte das Berleburger Amtsgericht am Freitagmorgen nicht abschließend klären. Fakt ist jedoch: Das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung wurde gegen eine Geldbuße von 600 Euro eingestellt. „Aufgrund des wechselseitigen Fehlverhaltens von Angeklagten und Geschädigten“, so Staatsanwalt Markus Urner.

Die Anklage

Der 63-Jährige soll am 8. Oktober 2016 einen 21-jährigen Nachtclub-Besucher ohne Vorwarnung mit Pfefferspray angegriffen haben. Dieser musste anschließend ins Krankenhaus gebracht und ambulant versorgt werden. Noch eine Woche nach dem Angriff habe er unter tränenden Augen gelitten.

Die Verteidigung

Was aus der Anklageschrift nicht hervorgeht: Dass gegenüber dem Geschädigten bereits im Vorfeld mehrmals ein Hausverbot ausgesprochen wurde“, so der Strafverteidiger des Angeklagten. Damit habe sich der 21-Jährige des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. „Die Mädchen haben ihn hin und wieder in den Club gelassen, weil wir uns dachten ‘komm’, lass sie ein bisschen feiern’. Aber bei ihm geht’s einfach nicht. Wenn sein Alkoholpegel steigt, dann wird er aggressiv und unzurechnungsfähig“, so der Angeklagte.

So auch am 8. Oktober 2016, als er gegen 4 Uhr morgens mit der diensthabenden Bardame an der Haustür des Clubbesitzers klingelte und lautstark wissen wollte, was es denn jetzt mit dem Hausverbot auf sich habe. „Er hat mit der Hand auf das Dach meines Autos geschlagen. Als er allerdings meine Mutter auf übelste Weise beleidigt hat, habe ich überreagiert“, erklärte der Angeklagte.

Das Eingeständnis

„Ich habe ihn mit der flachen Hand eine Ohrfeige gegeben. Ich gebe zu: Das war ein bisschen heftig. Ich habe in meinem Job mit vielen Betrunkenen zu tun, aber ich musste nie handgreiflich werden“, gestand der 63-Jährige. Pfefferspray habe er aber nie benutzt. „Wir haben kein Pfefferspray im Club. Ich kann mich auch so verteidigen.“ Dennoch: Der Geschädigte sei vom Pfefferspray gezeichnet gewesen, gab Richter Torsten Hoffmann zu bedenken. Nicht umsonst habe er sich später in ärztliche Behandlung gegeben. „Das will ich auch gar nicht abstreiten“, gab der 63-Jährige vor Gericht zu. „Der hatte ja mit jedem Streit. Aber ich war’s nicht.“

Der Geschädigte

Ja, es gab immer mal ein bisschen Stress“, räumte der 21-jährige Geschädigte ein. Seine Version der Tatnacht klingt aus seiner Perspektive jedoch weit weniger aggressiv: „Ich bin mit der Bardame um den Club zum Haus des Betreibers gegangen, um mich nach dem Hausverbot zu erkundigen, ob das noch besteht. Der Angeklagte ist wortlos auf mich zugegangen und hat mir Pfefferspray in die Augen gesprüht.“ Ob er sich daran erinnern könne, dass er den Angeklagten beleidigt habe, fragte Richter Hoffmann. „Das kann sein, aber das weiß ich nicht mehr.“ Zu dem Zeitpunkt sei er schon angetrunken gewesen. Auch an eine Ohrfeige könne er sich nicht mehr erinnern.

Die Verfahrenseinstellung

„Da das Fehlverhalten auf beiden Seiten liegt, wird das Verfahren vorläufig eingestellt, mit Zustimmung der Staatsanwalt, des Angeklagten und des Gerichts“, entschied Torsten Hoffmann. Die Geldbuße in Höhe von 600 Euro soll der 63-Jährige binnen vier Wochen an den Förderverein „Brücke Siegen e.V.“ zahlen, der sich unter anderem zur Vermeidung häuslicher Gewalt einsetzt.

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