Prozess

Tanker entführt – Somalischer Pirat vor Gericht in Dortmund

Ein Mann aus Somalia steht in Dortmund vor Gericht.

Ein Mann aus Somalia steht in Dortmund vor Gericht.

Foto: André Hirtz

Dortmund  Ermittlungen des FBI enttarnten ihn. Jetzt muss der Somalier sich vor dem Landgericht Dortmund wegen der Entführung eines Öltankers verantworten.

Es dauerte Jahre, aber jetzt landete der Fall internationaler See-Piraterie doch vor dem Landgericht Dortmund. Seit Mittwoch muss sich der zuletzt in Hamm lebende Asylbewerber Mohamed S. (41) wegen schweren erpresserischen Menschenraubes verantworten. 2012 soll er mit 50 Komplizen den unter griechischer Flagge fahrenden Öltanker MT Smyrni vor der Küste des Oman gekapert haben. Erst nach zehn Monaten kam die 26-köpfige Crew frei, nachdem ihre Reederei 13 Millionen US-Dollar Lösegeld gezahlt hatte.

Mohamed S. ist ein hagerer, eher unscheinbarer Mann. Justizwachtmeister führen ihn vor die 35. Strafkammer. Er verbirgt sein Gesicht vor den Kameras. Sein Verteidiger Martin Mauntel versucht einen Scherz. "Ich kann Ihnen versichern, dass sich auch unter dem Schriftstück keine Piratenklappe verbirgt", sagt er zu den Journalisten.

Rohöl für 130 Millionen Dollar an Bord

Von einer Augenklappe ist auch in der Anklage von Staatsanwalt Marco Malin keine Rede. Aber AK 47-Sturmgewehre und die Drohung mit Hinrichtungen kommen vor. Am 10. Mai 2012 fuhr der Tanker mit 30.000 Tonnen Rohöl für 130 Millionen US-Dollar im Bauch vor der Küste des Oman.

Mit Schnellbooten griffen die Piraten an, feuerten auf die Schiffsbrücke. Von dem Abwehrsystem mit Wasser aus Löschkanonen und Stacheldraht am Schiffskörper ließen sie sich nicht beeindrucken und enterten den Tanker. Verletzt wurde niemand.

Mit Hinrichtungen gedroht

Zehn Monate des bangen Wartens begannen für die Crew. Während der Lösegeld-Verhandlungen drohten die Piraten mit Hinrichtungen und der Veröffentlichung der Bilder im Internet. Zwei Mitglieder der Besatzung mussten ihre Familien anrufen und ihnen von der drohenden Exekution berichten. Nach zehn Monaten zahlte die Reederei, am 10. März 2013 verließen die Piraten das Schiff.iFrame Cleverpush Breaking WAZ

Das FBI nahm die Ermittlungen auf. Es befragte die Crew, nahm Fingerabdrücke. Die klassische Ermittlungsarbeit brachte weltweit Erfolge. Im Herbst vergangenen Jahres verurteilte das Landgericht Zweibrücken zwei Somalier wegen ihrer Beteiligung an der Entführung. Einer bekam sieben Jahre Haft, der andere, der geständig war, zweieinhalb Jahre Haft. Er hatte auch über die Hintermänner ausgepackt.

Als "Hauptkoch" Piraten und Geiseln verpflegt

Durch ihn kam die deutsche Justiz auch auf den Somalier aus Hamm. Keine große Nummer. Er soll zwar mit dem Sturmgewehr die Crew bewacht haben, hauptsächlich sei er aber als "Hauptkoch" für die Verpflegung von Piraten und Geiseln zuständig gewesen sein.

Richter Thomas Kein, Vorsitzender der 35. Strafkammer, deutet an, dass der Angeklagte bei einem Geständnis mit vier bis fünf Jahren Haft rechnen müsse. Er macht die Position des Somalier klar: "Er gehört ja nicht zu den Köpfen der Bewegung." Wie unterschiedlich die Rollen an Bord verteilt waren, zeigte das Verfahren in Zweibrücken. Der Geständige hatte von der Beute nur 5000 Dollar bekommen, der andere 100.000.

Vor Gericht Geständnis abgelegt

Mohamed S. entschließt sich zu einem Geständnis, das nicht ganz im Sinne der Anklage ist. Verteidiger Mauntel trägt es vor. In Somalia habe der Angeklagte als Koch gearbeitet, für einen Dollar am Tag. Dann seien die Piraten gekommen und hätten ihm 400 Dollar im Monat versprochen, wenn er auf dem entführten Schiff koche. Mit der Kaperung oder mit Waffen habe er nichts zu tun.

Weil die Essensrationen für die Geisel zu wenig waren, habe er Ärger mit den Piraten bekommen. Nach einer Schlägerei sei er von Bord gegangen. Insgesamt habe er 800 Dollar kassiert. Asyl habe er 2014 in Deutschland beantragt, weil er auf Todeslisten von Milizen in seiner Heimat gestanden habe. Zwei Mal ist sein Antrag aber schon abgelehnt worden.

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