Löwenjagd

Hassfigur: Löwe Cecils Jäger bricht sein Schweigen

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Essen/Minneapolis.Für Tierfreunde in aller Welt ist Walter J. Palmer eine Hassfigur, seit er in Simbabwe den Löwen Cecil erschoss. Er selber nennt sich Jäger und sagt, er habe nichts Illegales getan. Nach sechs Wochen des Schweigens hat der Zahnarzt erstmals mit Journalisten gesprochen. Zwei Reportern der Zeitung „Minneapolis Star Tribune“ gab er ein Interview. Es soll angeblich das einzige bleiben.

Entspannt ist anders. Bilder waren verboten, Mitschnitte unerwünscht. Und nach 20 Minuten war das Gespräch auch schon wieder beendet. Einen Anwalt namens Joe Friedberg hatte der 55-Jährige auch mitgebracht. Obwohl das nach Einschätzung Friedbergs nicht nötig gewesen wäre. Schließlich gebe es keine offizielle Anklage.

Palmer selbst sieht sich dann auch eher als Opfer denn als Täter. Er sei verblüfft gewesen, dass es sich bei dem Löwen um eines der beliebtesten Tiere Simbabwes gehandelt habe, erzählte er. „Wenn ich gewusst hätte, dass dieser Löwe einen Namen hat und für das Land oder eine Studie wichtig war, hätte ich ihn selbstverständlich nicht genommen.“

Ab heute wieder in der Praxis

Simbabwe geht davon aus, dass Palmer keine Lizenz für die Jagd auf Cecil hatte. Außerdem soll er den Löwen – unterstützt von anderen Jägern – mit Hilfe eines Köders aus dem Hwange-Nationalpark gelockt haben, in dem die Jagd grundsätzlich illegal ist. Ein Pfeil des Dentisten traf Cecil schließlich, tötete ihn aber nicht. Das gelang erst durch einen zweiten Pfeil.

Einzelheiten zur Jagd wollte der Zahnarzt auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht nennen, auf die Vorwürfe ging er im Gespräch mit der Zeitung nicht ein. Nur so viel: Er habe keine 50 000 Dollar für die Jagd bezahlt, und zwischen erstem und zweitem Schuss auf Cecil sei nur wenig Zeit vergangen, auf keinen Fall, wie kolportiert, 40 Stunden. Jedenfalls habe er nichts Verbotenes getan: „Alles wurde richtig gemacht. Es war eine legale Löwenjagd in Simbabwe.“

Deshalb sei er auch entsetzt über die Reaktionen der Kritiker, seit eine britische Zeitung vor gut sechs Wochen seine Identität gelüftet hatte. Sie hätten nicht nur vor seiner Praxis demonstriert, sondern auch sein Ferienhaus im US-Staat Florida verschandelt und ihn und seine Familie via Internet beschimpft. „Vor allem für meine Frau und meine Tochter war es sehr hart“, klagte Palmer. „Sie wurden in den sozialen Medien bedroht. Ich verstehe nicht, dass man auf Personen los geht, die gar nicht involviert waren.“

Schicksal des Löwenkadavers bleibt unklar

Was mit Cecils Kadaver passiert ist, wollte der Mediziner ebenso wenig verraten wie die Orte, an denen er sich in den vergangenen Wochen aufgehalten hat. Er habe die Öffentlichkeit gemieden, Freunde und Verwandte besucht, sich aber nicht versteckt. Von heute an will er wieder in seiner Praxis arbeiten. „Meine Mitarbeiter und meinen Patienten wollen, dass ich wiederkomme. Deshalb bin ich wieder hier.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Palmer in die Kritik geriet. Schon 2003 fischte er ohne Genehmigung und bekam eine Geldstrafe. Abgeschreckt hat ihn das nicht. 2008 wurde er wegen Wilderei verurteilt, weil er in Wisconsin illegal einen Schwarzbären geschossen und das Tier anschließend in eine legale Jagdzone geschleppt hatte.

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