Fernsehen

Joko & Klaas live auf ProSieben: Bittere Realität statt Spaß

Joko (umarmt) und Klaas (wird umarmt) haben gegen ProSieben gewonnen und durften Mittwoch 15 Minuten live senden – Steven Gätjen überreichte den Gutschein.

Joko (umarmt) und Klaas (wird umarmt) haben gegen ProSieben gewonnen und durften Mittwoch 15 Minuten live senden – Steven Gätjen überreichte den Gutschein.

Foto: Prosieben/Willi Weber / ProSieben/Willi Weber

Berlin  Joko und Klaas durften 15 Minuten ohne Kontrolle live auf ProSieben senden. Und ließen andere reden – Menschen, die sich engagieren.

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Es war ein durchaus mutiger Preis: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben sich Dienstag bei ihrer neuen Show „Joko und Klaas gegen ProSieben“ gegen ihren eigenen Sender im Wettkampf durchgesetzt – und der ihnen dafür komplette Narrenfreiheit überlassen. Das Ergebnis sorgt im Internet für großen Jubel, die „Bild“ spricht gar davon, die beiden hätten „TV-Geschichte“ geschrieben.

Nun ist es nicht so, dass die beiden nicht ohnehin machten, was sie wollten. Dass man ihnen aber 15 Minuten live und ohne Wissen, was das Duo eigentlich vorhat, gewährte, ist wahrhaft etwas besonderes. Genau das ist am Mittwochabend geschehen, pünktlich zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr bekamen die beiden das Recht, ohne vorherige Absprachen mit dem Sender Fernsehen zu machen. Dafür schob ProSieben „Grey’s Anatomy“ nach hinten.

Doch anstatt Schabernack zu treiben und den Sender – der sich im Vorfeld ausdrücklich von den Inhalten distanziert hat – zu blamieren, haben die beiden die seltene Chance für die gute Sache genutzt und unter anderem auf Seawatch und Obdachlosenhilfe aufmerksam gemacht.

Joko und Klaas live auf ProSieben: Bittere Realität statt Schabernack

Nach der Einblendung des Senders, unter anderem, dass man das „Beste für ProSieben hoffe“, waren die beiden in einem Studio zu sehen. Zuerst scherzten sie noch, was sie machen könnten, „Caesar ausbuddeln und anpinkeln“ zum Beispiel.

Stattdessen entschieden sie sich für etwas anderes. In die Bildmitte stellten sie einen Stuhl – auf dem anschließend drei Personen der Reihe nach Platz nahmen und kurz darüber sprachen, was ihnen wichtig war.

Pia Klemp, Aktivistin und Kapitänin der Juventa10, berichtete den Zuschauern von Erlebnissen auf Schiffen, die Geflüchtete retten. Und wie diese auch immer wieder vor ihren Augen ertranken. Tagelang fuhr sie mit einem toten Jungen in einer Tiefkühltruhe umher, weil sie nirgendwo anlegen durften. Eindringlich appellierte sie an die Menschen vor den Fernsehern, etwas zu unternehmen, um Menschenleben zu retten.

Dieter Puhl. Ein Berliner, der Obdachlosen hilft, war als nächstes an der Reihe. Und auch er hatte einen Appell: Den Menschen, die auf der Straße leben zu helfen. Er wüsste aus seiner täglichen Sozialarbeit genau, wie es auf den Straßen zugehe. Viele Obdachlose haben Angst vor Heimen, weil sie dort bestohlen und Gewaltopfer werden können. In Berlin ist Puhl vielen bekannt, weil er jahrelang die Bahnhofsmission geleitet hat – und die Szene entsprechend gut kennt.

Birgit Lohmeyer. Die Schriftstellerin besetzte als letzte den Stuhl, sie lebt in einem besonders mit Neonazis bevölkerten Ort in Mecklenburg-Vorpommern, will aber nicht weggehen. Der dritte Appell des Abends: Man solle Rechtsradikalen keinen Raum überlassen, sie wolle nicht aufgeben. Einschüchterung sei keine Möglichkeit.

YT Joko und Klass

Sendezeit politisch genutzt – viel Lob und Zuspruch

Drei Lebenswelten, alle geeint von dem Umstand, dass Wegschauen bedeutet, dass Schwächere leiden oder die Falschen gestärkt werden.

Dass es so politisch wird, sich Joko und Klaas mit ihrer Sendezeit so für die in ihren Augen richtige und wichtige Verbesserung der Welt einsetzen – das dürfte auch die Verantwortlichen bei ProSieben überrascht und die großen Distanzierungen im Vorfeld auch überflüssig gemacht haben.

Der Sender teilte entsprechend schnell per Pressemitteilung mit: „ProSieben liegt es am Herzen, dass diese Geschichten über die Live-Sendung hinaus gehört werden und entschied sich deshalb als Ausnahme für die zusätzliche Online-Bereitstellung.“

Wie viele Menschen den Live-Appell – der übrigens ohne Rückkehr der beiden Moderatoren vor die Kamera endete – live mitverfolgt haben, werden die Quoten am Donnerstag zeigen. Zumindest in den sozialen Medien erfuhr das Moderatoren-Duo auf Anhieb viel Lob und Zuspruch. Allerdings auch heftige Kritik – offenbar mögen nicht alle Fernsehzuschauer, wenn sie am Abend noch mit der Realität konfrontiert werden.

Beim

„Joko & Klaas gegen ProSieben“ läuft immer dienstags, um 20:15 Uhr,„Joko & Klaas LIVE“ wird nach einem Sieg des Duso immer mittwochs um 20.15 Uhr auf ProSieben gezeigt.

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