Rechtsstreit

Kopfstand-Verbot für Rüsseltiere im Zirkus

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Hagen. Zu enge Boxen für Pferde, zu wenig Platz für Affen, eine Badewanne statt Pool fürs Flusspferd - der legendäre Münchner Circus Krone kommt nicht zur Ruhe. Das Verwaltungsgericht Arnsberg entscheidet, ob der Kopfstand einer Elefanten-Dame Tierquälerei ist.

„Dem Hagener Amtstierarzt sei Dank”, freut sich der Deutsche Tierschutzbund. Der wartet gespannt auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtes Arnsberg. Dort müssen Richter in den nächsten Monaten entscheiden, ob der Kopfstand einer Elefanten-Dame Tierquälerei ist.

Die Stadt Hagen hat ein bundesweites Verbot der speziellen Elefantendressur erwirkt. Dagegen klagt Circus Krone.

Wenn der 3,5 t schwere Dickhäuter namens Bara wie in Zeitlupe bedächtig in den Kopfstand geht, ist ihm und Dompteurin Jana Mandana der Applaus gewiss. Ganz anders war im Juli 2008 dem Hagener Amtstierarzt Wolfram Bell zumute. Für ihn ist der Kopfstand eines so schweren Tieres Tierquälerei. Die Stadt Hagen reagierte mit dem Kopfstand-Verbot.

Stadtsprecher Thomas Bleicher: „Unser Amtstierarzt kam zu dem Schluss, dass der Kopfstand ein artwidriges Verhalten ist.” Noch bevor der Zirkus seine Zelte abbrach, folgte eine Ordnungsverfügung durch die Stadt. Circus Krone klagt dagegen. Das Eilverfahren zieht sich hin, da sich der Zirkus im Winterlager befindet.

„Da macht man wieder eine Mücke zum Elefanten.” Dr. Susanne Matzenau

Krone-Sprecherin Dr. Susanne Matzenau hat ein reines Gewissen. Sie verwahrt sich gegen den Vorwurf der Tierquälerei. „Da macht man wieder eine Mücke zum Elefanten.” Baras Kopfstand entspreche dem normalen Spieltrieb indischer Elefanten. Alle Bewegungen seien aus der Natur übernommen. „Wir haben acht Elefanten, aber nur unsere 38-Jahre alte Bara beherrscht diese Nummer.” Die Amtstierärzte in München hätten keine Bedenken. „Ein Kopfstand von Elefanten ist weder verboten noch gesundheitsschädlich.”

Bei der Klage, gesteht Susanne Matzenau, gehe es ums Prinzip. „Jeden Sommer besuchen wir 30 bis 35 Städte. Alle waren im vergangenen Jahr zufrieden, nur Hagen legt sich quer.” Dass der Amtstierarzt in Darmstadt bereits 2006 ein Verbot des auf den Kopf gestellten Elefanten beantragte, gesteht die Krone-Sprecherin erst nach einem entsprechenden Hinweis.

James Brückner vom Deutschen Tierschutzbund lässt bei seiner Meinung keine Zweifel aufkommen: „Elefanten stellen sich in freier Wildbahn nicht auf den Kopf. Wer das behauptet, der . . . Da drücken Tonnen auf Rüssel und Nacken.” Natürlich bestehe Verletzungsgefahr. Der Tierschützer hofft auf ein „artgerechtes Urteil” aus Arnsberg. „Damit solche Quälereien für immer und ewig unterm Zirkus-Zelt verboten werden.”

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