Kanaren-Urlaub

Kanaren: Flugverkehr liegt lahm - Was Urlauber wissen müssen

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Nicht nur der enorme Lava-Austoß des Cumbre Vieja sorgt auf der Kanarischen Urlaubsinsel La Palma für Probleme. Regelmäßig legt Ascheregen den Flughafen lahm

Nicht nur der enorme Lava-Austoß des Cumbre Vieja sorgt auf der Kanarischen Urlaubsinsel La Palma für Probleme. Regelmäßig legt Ascheregen den Flughafen lahm

Foto: Europa Press / dpa

Berlin  Die Lage auf der Kanareninsel La Palma spitzt sich zu. Nach Gift- werden nun Aschewolken zum Problem. Was Urlaubende wissen müssen.

  • Der Vulkan auf den Kanarischen Inseln kommt auch nach Wochen nicht zur Ruhe
  • Flüge von und nach La Palma sind nur sehr eingeschränkt möglich
  • Wir klären alle wichtigen Fragen für Urlauber

Auf der kanarischen Insel La Palma ist bereits am 19. September ein Vulkan ausgebrochen. Erst war eine laute Explosion zu hören, dann brach der Cumbre Vieja zum ersten Mal seit 50 Jahren aus. Mittlerweile hat sich die Situation vor Ort verschmlimmert. Neue Schlote und Erdbeben sorgen für mehr und mehr Lavaströme auf der Insel.

Dort wo sie das Meer erreichen, entstehen giftige Gase. Die Insel gilt mittlerweile als Katastrophengebiet. Der Flughafen auf La Palma muss regelmäßig den Betrieb einstellen. Welche Orte von dem Vulkanausbruch betroffen sind und was der Ausbruch für Urlaub auf den Kanaren bedeutet.

Vulkanausbruch auf La Palma: Wie ist die Lage vor Ort

Die aktuelle Lage auf La Palma ist bedrohlich. Immer heftigere Erdbeben erschüttern die spanische Urlaubsinsel. Am Wochenende ließen gleich mehrere Erdstöße mit einer Stärke zwischen 4 und 5 auf der Richterskala die Häuser auf der ganzen Insel wackeln. Die Epizentren lagen stets tief unter der südlichen Hälfte der Insel – also dort, wo die bis zu 2000 Meter hohe Bergkette Cumbre Vieja seit dem 19. September große Mengen an Lava sowie Asche spuckt. Es sind die stärksten Beben, die seit Beginn dieser neuen Vulkankrise auf der Insel registriert wurden.

Bisher bedeckt die Lava auf La Palma eine Fläche von rund 7,5 Quadratkilometer. Das entspricht zum Beispiel annähernd der Größe der britischen Kronkolonie Gibraltar oder auch jener der deutschen Nordseeinsel Wangerooge. Dort, wo die flüssigen Vulkanmassen südlich des Ortes Tazacorte ins Meer fließen, formt sich eine neue Halbinsel, die mit knapp 40 Hektar schon fast so groß ist wie der Vatikanstaat.

Der Vulkan hat bisher Schäden in Höhe von Hunderten Millionen Euro verursacht: Laut Copernicus, dem europäischen Satelliten-Beobachtungsprogramm, wurden bereits nahezu 2000 Bauten zerstört: Vor allem Wohnhäuser in den Gemeinden El Paso, Los Llanos de Aridane und Tazacorte. Rund 7000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

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Asche aus dem Vulkan legt Flugbetrieb lahm

Nicht nur die Lava macht den Insulanern zu schaffen. Auch die Asche, die der Vulkan ausstößt, wird zu einem immer größeren Problem. Am vergangenen Wochenende lagen weite Teile der Insel wieder unter einer schwarzen Schicht, die vom Himmel geregnet war und sich auf Häuser, Straßen, Autos und die ganze Landschaft legte. Schuld war einer neuer Vulkanschlund, der in den letzten Tagen aufriss und kein Feuer, sondern Riesenmengen an Asche ausspuckte.

Da die Aschepartikel Automotoren, aber auch Flugzeugtriebwerke zum Stottern bringen können, sagten zunächst alle Airlines ihre Flüge von und nach La Palma ab. Viele internationale Gesellschaften fliegen die Insel aus Sicherheitsgründen schon länger nicht mehr an.

Diese Flugprobleme könnten sich bald noch auf Teile der Nachbarinsel Teneriffa ausdehnen. Die spanischen Meteorologen warnten, dass die gigantischen Aschewolken derzeit auf dem Weg nach Nordteneriffa seien, wo der zweitgrößte Airport dieser meistbesuchten Kanareninsel liegt.

Der Vulkanausbruch hatte die Zahl der Touristen auf der Insel paradoxerweise steigen lassen. Viele Hotels waren ausgebucht. Auch die Tausenden von Touristen, die sich auf der Insel befinden, wurden zu erhöhter Vorsicht aufgerufen: "Es ist nicht empfehlenswert, in der aktuellen Situation an den Strand oder in den Pool zu gehen" informierten die Behörden.

Kanaren: Lassen sich Urlaube auf La Palma kostenfrei stornieren?

Ja, erklärt der Berliner Reiserechtsanwalt Moritz Walprecht auf Anfrage unserer Redaktion. "Da die Insel inzwischen von den örtlichen Behörden als Katastrophengebiet erklärt wurde, besteht grundsätzlich für alle Reisen nach La Palma eine kostenfreie Stornierungsmöglichkeit." Die Stornierung sollte jedoch nach wie vor möglichst kurzfristig vor Reiseantritt erfolgen, da sich die Lage schnell wieder ändern kann. "Bei zu früher Stornierung läuft man Gefahr, am Ende doch Stornokosten zahlen zu müssen, wenn die Insel bis zum geplanten Reisebeginn wieder ohne Probleme bereisbar ist", erklärt der Experte.

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Katastrophengebiet La Palma - gibt es ein Reiseverbot?

Von Reisen in ein Katastrophengebiet ist zwar abzusehen, doch "es besteht kein Reiseverbot", so Walprecht. "Wer unbedingt möchte, kann auf die Insel reisen." Das sollte allerdings vorher gut geklärt werden, denn es "gilt für bestimmte Gemeinden auf La Palma eine von den lokalen Behörden verhängte Ausgangssperre, die zu befolgen ist."

Auch das Auswärtige Amt schreibt auf der Website und gibt Hinweise:

Von nicht notwendigen Reisen nach La Palma wird derzeit abgeraten.

  • Beachten Sie die Anweisungen und Empfehlungen der Sicherheitskräfte und der lokalen Behörden.
  • Betreten Sie auf keinen Fall abgesperrte Gebiete.
  • Erkundigen Sie sich bei Ihrer Fluggesellschaft nach alternativen Flugmöglichkeiten, ggf. von einer benachbarten Insel aus.
  • Registrieren Sie sich in der elektronischen Krisenvorsorgeliste.

Aktuell auf La Palma - gibt es eine Evakuierung?

"Nein, derzeit liegen keine Erkenntnisse über eine Evakuierung der Insel durch spanische Behörden vor, erklärt Nikolai Kröger, avocado Partner-Anwalt mit Schwerpunkt auf Reise- und Verkehrsrecht. Zwar seien deutsche Konsularbeamte gehalten erforderlichen Maßnahmen zu treffen um Deutschen Hilfe und Schutz zu gewähren, "daraus lässt sich aber kein Recht auf eine Evakuierung ableiten."

Wer gerade auf La Palma Urlaub macht und lieber abreisen möchte, sollte sich beim Reiseveranstalter erkundigen, ob die Reise weiter durchgeführt werden kann. Eventuell können auch Ansprüche auf Reisepreisminderung bestehen, so Kröger. Doch auch hier bedarf es aber einer "Prüfung des konkreten Einzelfalls."

Urlaub auf La Palma schon gebucht - vorsorglich stornieren?

Wer erst in ein paar Wochen reist und unsicher ist, sollte sich gedulden. "Eine Stornierung sollte möglichst kurzfristig erfolgen, da im Moment der Stornierung eine überwiegende Wahrscheinlichkeit bestehen muss, dass sich die Situation bis zum Reiseantritt nicht ändern wird", erklärt Walprecht. Ein Rücktritt vom Reisevertrag solle daher nicht mehr als eine halbe Woche vor geplantem Reiseantritt erfolgen.

Anwalt Kröger ist der gleichen Meinung: "Vielmehr ist eine Abwägung des konkreten Einzelfalls erforderlich. Insoweit wird abzuwarten sein, wie sich die Situation vor Ort entwickelt."

Sind andere Kanarische Inseln von Sonderstornierungen betroffen?

Der Urlaub soll zwar nicht nach La Palma gehen, aber auf die Nachbarinseln Teneriffa oder La Gomera. Nach dem Vulkanausbruch schleicht sich ein komisches Gefühl ein. Lässt sich der Urlaub jetzt kostenlos stornieren? "Nein. Derzeit sind durch den Vulkanausbruch auf La Palma keinerlei Beeinträchtigungen auf Teneriffa oder La Gomera bekannt geworden." Und ohne Beeinträchtigungen sei kein kostenloser Rücktritt möglich, Nikolai Kröger, avocado Partner-Anwalt mit Schwerpunkt auf Reise- und Verkehrsrecht. Das kann sich natürlich ändern, sollte die Aschewolke Teneriffa erreichen. "Die bloße Angst vor einem Vulkanausbruch stellt ebenfalls keinen Grund für einen kostenfreien Rücktritt dar."

Kanarische Inseln: Die nächsten Schritte vor der Reise

Zunächst gilt es abzuwarten wie sich die Situation vor Ort entwickelt. Es ist sinnvoll, auf den genauen Standort des Hotels zu achten, da nicht die ganze Insel betroffen ist. "Informieren Sie sich bei dem Reiseveranstalter, ob die gebuchte Reise durchgeführt werden kann", rät Rechtsanwalt Kröger. Im Zweifelsfall sollten sich Urlaubende rechtliche Beratung einholen. (ze/afp/vad/fmg)

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