Prozess

Mordauftrag? Stadtplan-Erbe Falk beteuert seine Unschuld

Der Angeklagte Alexander Falk (M), einer der Erben des gleichnamigen Stadtplan-Verlags, wartet zusammen mit seinen Verteidigern Daniel Wölky (l) und Björn Gercke im Gerichtssaal des Frankfurter Landgerichts.

Der Angeklagte Alexander Falk (M), einer der Erben des gleichnamigen Stadtplan-Verlags, wartet zusammen mit seinen Verteidigern Daniel Wölky (l) und Björn Gercke im Gerichtssaal des Frankfurter Landgerichts.

Foto: Arne Dedert / dpa

Frankfurt/Main.  Hat der Unternehmer Alexander Falk einen Mord in Auftrag gegeben? In Frankfurt begann der Prozess gegen den Hamburger Stadtplan-Erben.

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Eine Tonbandaufnahme steht im Mittelpunkt des komplexen Falls. Darauf ist der Hamburger Unternehmer Alexander Falk zu hören, der sich seit Mittwoch vor dem Frankfurter Landgericht verantworten muss.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, einen Mord in Auftrag gegeben zu haben. Die Aufnahme zählt zu ihren Beweismitteln, und zu Prozessbeginn lässt der Vorsitzende Richter die etwa achtminütige Audiodatei im Gerichtssaal abspielen.

Entstanden ist sie heimlich 2010 in einem Restaurant in Istanbul. Falk unterhält sich mit anderen Männern über eine Tat, die einige Monate zuvor in Frankfurt geschehen war, und um die es in dem Prozess geht: Ein Anwalt war von bisher unbekannten Tätern mit einem Schuss in den Oberschenkel verletzt worden.

Falk sagt in dem Mitschnitt, er habe gejubelt, als hätte er einen Elfmeter verwandelt. Das sei „sehr geil“ und „genau das richtige Signal“ gewesen. Für die Staatsanwaltschaft beweist dies, dass Falk den Auftrag erteilt habe, den Anwalt zu ermorden. Die Verteidigung dagegen erklärt, die Aufnahme sei manipuliert worden, zudem erteile Falk darauf keinen Mordauftrag.

Falk-Prozess: Schussopfer bereitete Klage vor

Das Motiv für das, was sie als Mordauftrag bezeichnen, sehen die Ankläger in einem anderen Verfahren, bei dem es vor dem Hamburger Landgericht um manipulierte Umsätze beim Verkauf von Falks Firma Ision an ein britisches Telekommunikationsunternehmen im Jahr 2000 ging.

der nach dem Verkauf des bekannten Stadtplan-Verlags Falk in Internetunternehmen investiert hatte und zeitweise als einer der 100 reichsten Deutschen galt.

Falk ergreift am ersten Prozesstag in Frankfurt selbst das Wort, mehr als eine Stunde lang liefert er eine Chronologie der Ereignisse aus seiner Sicht ab. Seit knapp einem Jahr sitzt der 50-Jährige in Untersuchungshaft.

Falk räumt ein, Datendiebstahl unter anderem bei dem später angeschossenen Anwalt in Auftrag gegeben zu haben. Er habe seine Unschuld in dem Hamburger Verfahren beweisen wollen. Dies ist auf der Aufnahme auch zu hören.

Angeklagte beteuert, er haben den Anwalt nicht tot sehen wollen

Doch er habe den Anwalt nie tot sehen wollen: „Einen feigen Anschlag in Auftrag zu geben, widerspricht allem, was mir wichtig ist, meiner Erziehung, meinen Werten, meinem Sportsgeist.“ Falk berichtet ausführlich, wie unter anderem die Tonbandaufnahme dazu verwendet worden sei, ihm jahrelang Erpresserbriefe zu schicken und ihn sowie seine Familie zu bedrohen.

Auf den Plan getreten sei dabei unter anderem ein Mann, auf dessen Aussage sich die Staatsanwaltschaft ebenfalls stützt. Der Mann könne den im September 2009 in einem Hamburger Restaurant an einen Mittelsmann für 200.000 Euro Bezahlung mutmaßlich erteilten Auftrag bezeugen, erklärt die Anklagebehörde.

Mutmaßliches Motiv seien Habgier und Rachegelüste

Der Jurist, eine „Bazille“, solle „eiskalt gemacht werden“, habe Falk dabei gesagt. Das mutmaßliche Motiv seien Habgier und Rachegelüste gewesen. Zudem habe Falk seine Chancen in dem Verfahren verbessern wollen.

Die Verteidigung erklärt, der Zeuge sei kriminell und habe für seine Aussage zwischenzeitlich eine Belohnung von 100.000 Euro kassiert – nachdem er zuvor erfolglos versucht habe, Falk zu erpressen. Dass der Zeuge vorbestraft sei, sei erst bei intensiven Nachforschungen herausgekommen.

Die Vernehmung des Zeugen dürfte also zentral für das Verfahren werden. Die Verteidigung beantragt am Mittwoch, diese vorzuziehen. Falk kündigt an, erst danach wieder Fragen des Gerichts beantworten zu wollen. (dpa)

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