Urteil

Moskau verurteilt US-Basketballerin zu langer Lagerhaft

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US-Basketball-Spielerin Brittney Griner befindet sich seit dem 17. Februar in russischem Gewahrsam.

US-Basketball-Spielerin Brittney Griner befindet sich seit dem 17. Februar in russischem Gewahrsam.

Foto: IMAGO/Alexey Filippov

Berlin  Ein russisches Gericht verurteilte die US-Basketballerin Brittney Griner. Ihr wird Drogenbesitz vorgeworfen. USA reagieren verärgert.

In einem von den USA heftig kritisierten Verfahren hat ein russisches Gericht die US-Basketballerin Brittney Griner wegen Drogenbesitzes zu neun Jahren Lagerhaft verurteilt. Zudem wurde eine Geldstrafe von einer Million Rubel (16.000 Euro) verhängt.

Das meldeten russische Agenturen am Donnerstag aus dem Gericht der Stadt Chimki am Stadtrand von Moskau. Griner sagte auf Nachfrage, sie habe das Urteil verstanden. Ihre Verteidigung kündigte Rechtsmittel an, schloss aber auch ein Gnadengesuch nicht aus. Der Sportlerin gehe es schlecht, sagte Griners Anwältin Maria Blagowolina.

Brittney Griner: US-Basketballerin wegen Drogenbesitzes verurteilt

Freikommen könnte die 31-Jährige, wenn Moskau und Washington sich trotz ihrer tiefen Differenzen auf einen Austausch von Gefangenen einigen. Griner saß seit Februar in Untersuchungshaft. Die Athletin hatte nach Feststellung der Justiz bei einer Gepäckkontrolle im Flughafen Scheremetjewo sogenannte Vape-Kartuschen und Haschisch-Öl bei sich. Es soll sich um 0,5 Gramm gehandelt haben. Dies wurde als illegaler Drogenbesitz und versuchter Schmuggel gewertet. Das Gericht sah keine mildernden Umstände. Griner hatte sich schuldig bekannt.

US-Präsident Joe Biden kritisierte die Verurteilung und forderte Griners Freilassung. "Russland hält Brittney zu Unrecht fest", erklärte er in einer schriftlichen Stellungnahme. "Das ist nicht hinnehmbar, und ich fordere Russland auf, sie sofort freizulassen, damit sie bei ihrer Frau, ihren Angehörigen, Freunden und Teamkollegen sein kann." Die US-Regierung arbeite weiter unermüdlich daran, Griner so bald wie möglich sicher nach Hause zu bringen.

Washington hatte Moskau von Anfang ein politisch motiviertes Verfahren vorgeworfen. Biden sagte Brittney Griners Ehefrau Cherelle Griner in einem Telefonat Anfang Juli Hilfe zu. Als US-Außenminister Antony Blinken und und sein russischer Kollege Sergej Lawrow Ende Juli telefonierten, sprachen sie auch über einen möglichen Austausch.

Moskau fordert seit Jahren Auslieferung eines früheren Sowjetoffiziers

Neben Griner geht es dabei um den US-Staatsbürger Paul Wheelan. Er wurde 2018 in Russland verhaftet und wegen angeblicher Spionage zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Moskau wiederum fordert seit Jahren die Auslieferung des früheren Sowjetoffiziers Viktor Bout (russisch: But). Er soll Regime und Rebellen in zahlreichen Ländern illegal mit Waffen ausgerüstet haben. Der als "Händler des Todes" berüchtigte Russe ist als Waffenhändler in den USA inhaftiert.

Vor der Urteilsverkündung hatte die Staatsanwaltschaft neun Jahre und sechs Monate Haft für Griner gefordert, was knapp unter der Höchststrafe von zehn Jahren lag. Die Verteidigung forderte vergeblich Freispruch. Ein abgeschlossener Prozess war für Moskau in früheren Fällen die Grundlage für eine Freilassung oder Austausch.

Griner spielte seit 2015 beim russischen Spitzenclub UMMC Jekaterinburg im Ural und gewann mit ihm viermal die Euroleague. Sie gilt als eine der besten Basketballerinnen in der amerikanischen Frauen-Profiliga WNBA. Mit den Phoenix Mercury gewann sie 2014 die Meisterschaft, mit der US-Nationalmannschaft holte sie außer zwei Olympiasiegen auch zweimal Gold bei Weltmeisterschaften. (dpa/fmg)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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