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Mücken-Mythen: Was hilft wirklich gegen die Plagegeister?

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Warum werden manche Menschen öfter von Mücken gestochen?

Warum werden manche Menschen öfter von Mücken gestochen?

Manche Menschen werden besonders häufig von Mücken gestochen. Doch warum ist das eigentlich so?

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Berlin.  Mücken sind besonders im Sommer eine Plage. Mücken-Mythen gibt es daher viele. Lüften, süßes Blut und Spucke gegen Stiche. Was stimmt?

In lauen Sommernächten haben sie es auf nackte Knöchel abgesehen und rauben uns mit ihrem schrillen Summen den Schlaf. Für viele Menschen sind Mücken die Plagegeister schlechthin, und es gibt zahlreiche Hausmittel und Tricks, um sie vom Menschen fernzuhalten. Doch was ist Mythos und was hilft wirklich?

Licht zieht Mücken an

Beim Lüften bloß alle Lichter ausmachen, dann kommen die Mücken nicht rein. Leider ist dieser Mythos falsch. Auch wenn Motten und andere Insekten um Lichtquellen herumschwirren, interessiert die brennende Lampe Mücken wenig, denn sie können nur schlecht sehen. Wenn es um Mückenschutz geht, sollten Sie den Raum ohne Insektenschutzmittel überhaupt nicht lüften, denn Mücken orientieren sich hauptsächlich an Gerüchen. Starke Düfte wie Schweiß und Parfüm sind für die Mücken interessant. Ein wahrer Mückenmagnet ist jedoch Kohlendioxid, das von warmblütigen Tieren und Menschen ausgeatmet wird.

Um ihre Mahlzeiten zu finden, testen die Mücken den der Luft und folgen der höchsten Konzentration. Dies führt die Mücken auch bei völliger Dunkelheit zu schlafenden Menschen oder Tieren. Da Kohlendioxid durch Mund und Nase ausgeatmet wird, schwirren sie bevorzugt um den Kopf herum. Dennoch lohnt es sich, das Licht auszuschalten, um keine Nachfalterpopulation ins Schlafzimmer zu locken.

Lesen Sie hier: Zecken –Tipps für den besten Schutz im Frühjahr

Mücken mögen besonders "süßes" Blut

Naschkatzen haben süßes Blut und sind daher für Mücken besonders attraktiv. Wer also viel nascht, muss sich nicht wundern, wenn er gestochen wird. Dieser Mythos ist besonders gegenüber Kindern beliebt. Doch süßes Blut gibt es nicht, allerdings verändert sich der Körpergeruch mit der Zusammensetzung des Blutes. Einige Wissenschaftler vermuten, dass die Insekten besonders gerne fettes Blut saugen, also Blut mit einem hohen Cholesterinspiegel. Dies ist jedoch noch nicht durch Studien belegt.

Mit Kleidung kann man sich vor Mücken schützen

Das ist nur bedingt richtig. Lange Ärmel und Hosenbeine erschweren den Mücken die Nahrungssuche, aber sie bieten keinen vollständigen Schutz. Wer sich abends an der frischen Luft aufhält, sollte auf eng gewebte Stoffe setzen oder die Hosenbeine in die Socken stecken, um den Mücken den Zugang zu erschweren.

Besonders effektiv ist der Schutz mit einer Kombination aus langer Kleidung und mit den synthetischen Wirkstoffen DEET (= Diethyltoluamid) und Icaridin (enthalten in Autan). Doch auch DEET ist umstritten. Denn der Wirkstoff steht im Verdacht, Hautreizungen auszulösen oder sogar das Nervensystem zu schädigen. Aus diesem Grund sollte er nicht über einen längeren Zeitraum und in großen Mengen eingesetzt werden. Es gibt aber auch weniger starke Produkte in der Drogerie, die in Kombination mit langer Kleidung einen wirksamen Schutz bieten.

Zitronenöl und Duftkerzen schrecken Mücken ab

Anti-Moskito-Spiralen, Citronella-Kerzen und Duftöle – es gibt viele solcher Produkte. Tests haben jedoch gezeigt, dass die meisten Mücken davon nicht abgeschreckt werden. Die Düfte können zwar vom Körpergeruch ablenken, aber sie verändern nicht den Kohlendioxidgehalt der Luft. Wer gute Erfahrungen mit einem Produkt gemacht hat, sollten es auch weiterhin verwenden. Darüber hinaus ist es sinnvoll, nach einem heißen Sommertag mit einem parfümfreien Duschgel zu duschen, um Schweißgeruch und Körpergerüche zu reduzieren.

Mückenstecker oder Handyapps mit Ultraschall

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: ohne Gift, ohne Töten – die Mücken verschwinden freiwillig, wenn sie die hohen Töne im Ultraschall- oder Hochfrequenzbereich hören. Die Idee hinter dieser Methode ist spannend: Die hohen Frequenzen sollen wie der Flügelschlag paarungswilliger männlicher Mücken oder deren Fressfeinde, Libellen, klingen. Dies soll die blutsaugenden weiblichen Mücken vertreiben. Verschiedene Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass Hochfrequenz- und Ultraschallgeräte die Mücken nichts bringen. Die Stiftung Warentest hat in der Vergangenheit sowohl eine sogenannte "Anti-Mücken-App" als auch Stecker getestet. Das Ergebnis: Beide waren absolut unwirksam.

Wirksamer sind Stecker mit Insektiziden. Der Mückenstecker erhitzt das Insektizid, das in die Luft verdunstet und die Mücken tötet. Doch die Insektizide sind gefährlich. Das Umweltbundesamt warnt vor dem Dauereinsatz in geschlossenen Räumen. Die Wirkstoffe gelangen in die Atemluft und Rückstände können noch Wochen später im Hausstaub nachgewiesen werden.

Kalte Winter sorgen für weniger Mücken

Eisigen Wintern wird ein Gutes nachgesagt. Nachtfrost soll Mückeneier abtöten und für weniger Stiche im nächsten Sommer sorgen. So viel zu der schönen Theorie. Die Wahrheit ist, dass die Eier von Überschwemmungsmücken kälteresistent sind und gut geschützt am Boden überwintern. Ausgewachsene Hausmücken hingegen ziehen sich an kühle und feuchte Orte zurück - zum Beispiel in Keller oder sogar Höhlen.

Entscheidend für das Überleben der Mücken sind Niederschläge, also viele kleine Gewässer und Pfützen, und warme Temperaturen im Frühjahr: Diese Kombination ermöglicht es den Eiern, sich schnell zu erwachsenen Mücken zu entwickeln, die unter diesen Bedingungen wiederum länger überleben – unabhängig davon, ob es im Winter zuvor sehr kalt war oder nicht.

Wer zumindest einen Mückenbefall im eigenen Garten verhindern will, sollte darauf achten, Regentonnen abzudecken und Wassereimer und Gießkannen regelmäßig zu leeren. Denn dort legen nicht nur die gemeinen Mücken ihre Eier ab, sondern auch die Tigermücken, die bekanntermaßen Krankheiten übertragen können.


Speichel hilft gegen Mückenstiche

Die Mücke hat unbemerkt zugestochen und das Blut genüsslich aufgesaugt. Beim Stich gelangt ein Mückeneiweiß unter die Haut, das die Blutgerinnung hemmt. Der Körper reagiert darauf und lässt den Stich jucken. Der Rat, den Stich mit Speichel zu kühlen oder gar zu pieksen, kommt schnell.

Grundsätzlich kann das Kühlen den Juckreiz für kurze Zeit lindern. Wenn man also kein Kühlakku oder ähnliches zur Hand hat, kann man mit verdunstendem Speichel ein wenig Linderung verschaffen. Kratzen und Stechen ist in jedem Fall nicht ratsam. Wenn der Stich aufgekratzt wird, können Bakterien eindringen und Schwellungen, Entzündungen und Infektionen verursachen.

Besser ist Wärme, denn bei 45 Grad wird das Eiweiß zerstört. Ein vorsichtig erhitzter Teelöffel kann helfen. Einfacher zu handhaben sind jedoch elektronische Stichheiler. Sie bekämpfen Insektenstiche durch gezielte Wärmeabgabe und lindern so Schmerzen und Schwellungen.

Mücken Fazit

Besonders in Regionen mit großen Mückenpopulationen ist es ratsam, lange, helle und möglichst geschlossene Kleidung zu tragen. Körperlicher Schutz wie Hüte mit Gesichtsschutz, Moskitonetze für das Bett oder Zelt schützen wirksam vor Stichen. Leicht zugängliche Körperstellen können zusätzlich mit Mückenspray geschützt werden.

Schweiß- und Parfümgeruch locken Mücken an, während Mückenspiralen und Wind sie eher abschrecken. Um lange juckenden Insektenstichen vorzubeugen, kann es sich lohnen, in einen elektrischen Stichheiler zu investieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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