Gesundheit

Neuer Schnelltest weist K.-o.-Tropfen günstiger nach

K.-o.-Tropfen, auch Liquid Ecstasy genannt, sind geruchs- und geschmacklos, die Wirkung setzt – je nach Substanz und Dosis - nach zehn bis 20 Minuten ein.

K.-o.-Tropfen, auch Liquid Ecstasy genannt, sind geruchs- und geschmacklos, die Wirkung setzt – je nach Substanz und Dosis - nach zehn bis 20 Minuten ein.

Foto: Nicolas Armer / dpa

Hamburg.  K.-o.-Tropfen sind lebensgefährlich. Ein neuer Test soll die Tropfen jetzt schneller und günstiger nachweisen. Was wichtig ist.

Wer einem Menschen K.-o.-Tropfen verabreicht und dessen Wehrlosigkeit ausnutzt, kennt keine Skrupel. Ende 2018 sorgte ein drastischer Fall für Schlagzeilen: Ein 60 Jahre alter Mann hatte im Internet vorgeblich nach einer Bürokraft gesucht. Einer 19-Jährigen, die sich in seiner Eimsbütteler Wohnung um den Job bewarb, mischte er die K.-o.-Substanz 1,4-Butandiol in den Orangensaft.

Dann missbrauchte er die betäubte Frau. Im Februar verurteilte das Gericht den Mann wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung zu viereinhalb Jahren Haft. Ein derartiger Tatplan ist besonders perfide. Doch für Frauen ist die Gefahr, mit K.-o.-Tropfen wehrlos gemacht zu werden unverändert groß.

K.-o.-Tropfen können lebensgefährlich sein

Die Erfahrungsberichte der Opfer gleichen sich. Auf einer Party lernen sie jemand kennen, der ihnen unbemerkt etwas ins Getränk mischt. K.-o.-Tropfen, auch Liquid Ecstasy genannt, sind geruchs- und geschmacklos, die Wirkung setzt – je nach Substanz und Dosis – nach zehn bis 20 Minuten ein. Weil die Dosierung kaum kalkulierbar ist, kann eine Verabreichung insbesondere bei gleichzeitigem Konsum von Alkohol oder Drogen lebensgefährlich sein.

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„Der Bereich zwischen der dämpfenden Wirkung und der toxischen Wirkung ist nicht sehr breit“, sagt Stefanie Iwersen-Bergmann, forensische Toxikologin am Institut für Rechtsmedizin (UKE). Auf das Gefühl der Benommenheit folgt nicht selten ein Filmriss, auch Symptome wie Schwindel, Übelkeit und Schweißausbrüche können auftreten. Häufig bemerken die Betroffenen, in der Regel Frauen, spät oder gar nicht, dass sie unter Drogen gesetzt und missbraucht worden sind.

Bei Verdacht auf K.-o.-Tropfen: Sofort in die Notfallambulanz

Verlässliche Opfer-Statistiken gibt es deshalb nicht, so der Opferschutzverband Weißer Ring. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Wer den Verdacht hat, K.-o.-Tropfen zu sich genommen zu haben, sollte sofort eine Notfallambulanz aufsuchen, rät der Weiße Ring.

Eile ist geboten, da sich im Urin viele K.-o-Substanzen nur rund zwölf Stunden nachweisen lassen. „Alternativ können Betroffene in ein sauberes Gefäß urinieren, die Probe beschriften und zunächst im Kühlschrank aufbewahren“, sagt Iwersen-Bergmann.

Bisher war der Nachweis einer K.-o.-Substanz aufwendig und teuer. Als K.-o.-Mittel kommt eine große Bandbreite an Substanzen mit zentral dämpfender Wirkung infrage, „praktisch alle Psychopharmaka, Schlafmittel und viele Antidepressiva fallen darunter“, so Iwersen-Bergmann. Häufig sind die Opfer zusätzlich alkoholisiert. „Das macht für den Täter die Beibringung einfacher, und der Alkohol verstärkt zusätzlich die zentral dämpfende Wirkung der Substanzen“, so die Toxikologin.

Neues Messverfahren erlaubt günstigeren Nachweis

Wer das Institut für Rechtsmedizin privat mit einer Analyse des Urins beauftragt, muss rund 200 Euro zahlen. Das könnte sich ändern, denn das neue, vor wenigen Tagen in der Rechtsmedizin etablierte Messverfahren LC-MS/MS (Flüssigkeitschromatografie mit Massenspektrome­trie-Koppelung) erlaubt nicht nur einen sensitiveren und einfacheren, sondern eventuell auch einen günstigeren Nachweis von 143 K.-o.-Substanzen beziehungsweise derer Abbauprodukte im Urin.

Dabei wird in einem ersten Schritt die Substanz extrahiert und für einen Nachweis angereichert. Anschließend wird die Substanz detektiert, also beweissichernd nachgewiesen. Die Methode hat eine Doktorandin in der Rechtsmedizin erarbeitet. „Wir erhoffen, dass es uns gelingt, das zeitliche Nachweisfenster nach erfolgter Aufnahme zu erweitern“, sagt Iwersen-Bergmann. Eine der gängigsten K.-o.-Substanzen ist GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure), sie unterliegt allerdings dem Betäubungsmittelgesetz und ist somit schwer zu beschaffen.

Legal erhältlich ist jedoch die Vorläufersubstanz GBL (Gam­mabutyrolaceton), die beispielsweise in Graffiti-Entfernern enthalten ist. Im Körper wird GBL zu GHB verstoffwechselt. Fündig werden die Toxikologen jedoch nur selten, sagt Iwersen-Bergmann. Für die Betroffenen sei es aber immens wichtig, zu wissen, ob sie durch K.-o.-Tropfen gezielt wehrlos gemacht wurden. Allein es zu vermuten sei ein Albtraum.

Dieser Text erschien zuerst auf abendblatt.de.

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