Geburtstag

Pierre Brice bleibt für immer „Winnetou“

Erst nach einem langen Blick ins Drehbuch und gutem Zureden seiner Managerin sagte Pierre Brice für die Rolle als "Winnetou" zu.

Erst nach einem langen Blick ins Drehbuch und gutem Zureden seiner Managerin sagte Pierre Brice für die Rolle als "Winnetou" zu.

Foto: dpa

Essen.  Ob er will oder nicht: „Winnetou“ war die Rolle seines Lebens. Pierre Brice prägte in den 60ern das Bild der Deutschen von der edlen Rothaut. Millionen sahen ihn im Kino, im Fernsehen und inzwischen auf DVD. Am Donnerstag wird der blaublütige Franzose 85.

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Voll ist das Haar, aber kürzer als früher und ergraut. Und ein paar Falten ziehen sich durch das markante Gesicht. Trotzdem erkennt man ihn auf Anhieb wieder. Auch weil man ihn ja so oft gesehen hat. Auf dem Rücken seines Pferdes „Iltschi“, die „Silberbüchse“ im Arm, seinen Blutsbruder „Old Shatterhand“ an seiner Seite. Über 70 Filme hat Pierre Brice gemacht, die meisten Deutschen aber bringen ihn immer noch nur mit einer Rolle in Verbindung. „Winnetou“. Lange hat der Franzose damit gehadert, mittlerweile aber hat sich der Lieblingsindianer der Deutschen damit abgefunden. Am Donnerstag feiert Brice seinen 85. Geburtstag.

Entdeckt wird er 1962 vom deutschen Filmproduzenten Horst Wendlandt auf der Dachterrasse des Berliner „Interconti“. Da ist Pierre Louis Baron Le Bris, wie er mit vollem Namen heißt, schon Elitesoldat in Indochina und Algerien gewesen, hat – weitgehend erfolglos – Schreibmaschinen und Obst verkauft und sich als Model und Schauspieler in diversen Sandalenfilmen versucht. Unter Wendlandt soll er die Sandalen gegen Mokassins tauschen und einen Apachenhäuptling spielen.

"Karl May war mir überhaupt kein Begriff"

Doch Brice zögert. „Eine Indianerrolle – das sagte mir nicht besonders zu. Und Karl May war mir überhaupt kein Begriff.“ Erst nach einem langen Blick ins Drehbuch und gutem Zureden seiner Managerin sagt der Spross einer alten Junkerfamilie zu. Für ihn ist es eine Rolle. Noch dazu eine mit wenig Text. Und wenn der edle Indianer Winnetou doch mal was sagen darf, sind es meist kurze Sätze in der dritten Person: „Winnetous Herz ist schwer.“ Für viele Deutsche aber gibt er ei­nem ihrer damals beliebtesten Roman-Helden ein Gesicht, haucht ihm mit einer Mixtur aus exotischer Folklore und erotischer Anziehungskraft Leben ein. Vielleicht erklärt das den Erfolg der Winnetou-Filme.

Insgesamt 35 Millionen Menschen strömen in den 1960ern in die Kinos, die Titelmusik von Martin Böttcher tönt aus jedem Radio, und der italienische Schauspieler Rik Battaglia wird zum meistgehassten Mann der deutschen Jugend, weil er in „Winnetou III“ den Indianer mit dem traurig-sehnsuchtsvollen Blick tötet. Doch das ist nicht das Ende. So groß sind die Proteste über den Tod des Apachen, dass die Filmemacher ihn wieder auferstehen und durch vier weitere Filme reiten lassen, bevor die Reihe eingestellt wird.

Da ist Brices Schicksal längst besiegelt, ist er als „Rothaut abgestempelt“, kaum noch gefragt für andere gute Rollen. „Winnetou hat meine Karriere zerstört“, hat er sich mal geärgert. Heute sieht Brice das anders. Zwei Millionen D-Mark hat er 1995 für notleidende Kinder in Bosnien eingesammelt. „Das war nur möglich, weil das Publikum Vertrauen in die Integrität Winnetous hatte. Wie könnte ich da sagen, dass die Rolle ein Fluch war?!“

Feier nur in kleinem Kreis

Ihn selbst hat sein Alter Ego ja auch lange gut durchs Leben gebracht. Noch zweimal wirft sich Brice in seinen Fransenanzug. Er gibt den Winnetou 1976 in Elspe, später in Bad Segeberg. 1991 erst hängt er das Indianerkostüm endgültig an den Nagel und zieht sich mit seiner deutschen Frau Hella auf sein Jagdschloss bei Paris zurück.

Doch das will er schon seit einiger Zeit verlassen, will nach Bayern ziehen: „Deutschland ist für mich eine zweite Heimat. Ich habe in Frankreich keine Familie mehr, die Familie meiner Frau kommt von dort – und sie ist zu meiner Familie geworden.“ Trotzdem ist der Umzug schwieriger als erwartet. Natürlich gibt es Interessenten für das Anwesen aber „ich möchte sicher sein, dass wir unser Haus in gute Hände übergeben, schließlich haben wir hier über 30 Jahre gelebt“, sagt Brice. Seinen Geburtstag wird er in kleiner Runde feiern. „Ganz ruhig.“ Hat aber keine gesundheitlichen Gründe. Gut, der Rücken zwickt ein wenig, die Knie auch. „Doch Winnetous Herz schlägt noch wie bei einem jungen Krieger.“ Aber so wie der alte Häuptling mag er auch kein Aufheben um seine Person. „Ich liebe es nicht“, behauptet Brice, „im Mittelpunkt zu stehen.“

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