Schwimmunterricht

Schwimmen wie ein Fischling

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Iserlohn. Unter dem Motto „Schwimmen wie ein Fischling“ starteten gestern in Iserlohn kostenlose Schwimmkurse für Kinder zwischen fünf und sieben Jahren.

Der Deutsche Schwimmverband (DSV) und eine große Fischhandelskette mit einem stilisierten Fisch als Logo haben die Aktion auf die Beine gestellt.

10.10 Uhr. Maskottchen Sandy, ein gelber Seestern mit Schwimmreifen in der Hand, hat sich in der Schwimmhalle startklar gemacht. Die Tür der Umkleidekabine geht auf, drei Jungen und sieben Mädchen stürmen Richtung Schwimmbecken. Doch halt, Schwimmen geht ja noch gar nicht - also rechts abbiegen und das Maskottchen anfassen, drücken und bestaunen: Zwei Meter vierzig gelber, plüschiger Seestern - „Super!“

Schirmherren der Aktion sind die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag, und TV-Moderatorin Gülcan Kamps. „Schwimmen ist für mich wie Lesen oder Schreiben, etwas ganz Alltägliches“, sagt sie. Erschreckende Zahlen präsentiert Dagmar Freitag: Fast jeder zweite Grundschüler kann nicht oder nicht richtig schwimmen. „Das führt natürlich zu gefährlichen Situationen. Im letzten Jahr gab es bundesweit über 500 Schwimmunfälle“, sagt Freitag. Um so begrüßenswerter sei deshalb das Sozialsponsoring der Fischhandelskette. Sonst werde das Geld in Marketingmaßnahmen gesteckt, die nichts mit so einer „gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“ zu tun hätten.

„Das Projekt ist für uns neu“

10.15 Uhr. Schwimmlehrer Carsten Dorn spielt das „Fischling-Lied“ von einer CD ab. Jede Schwimmstunde beginnt so. Auf diese Weise machen sich die Kinder spielerisch warm. „Das Projekt ist für uns neu, aber wir begrüßen das Engagement, denn der Bedarf ist definitiv da“, sagt er.

10.19 Uhr. Ab ins Wasser. Mit einem Schwimmbrett unter dem Arm wagen sich die kleinen Noch-Nichtschwimmer ins Wasser. 29 Grad warm und 90 Zentimeter tief ist es. „Dienstags und donnerstags haben wir nur Vereine in unserem Bad“, sagt Badbetriebsleiter Martin Luig. „Wir sind eigentlich ausgebucht, haben aber darauf geachtet, diese Aktion unterzubringen, denn sie ist wichtig.“

10.35 Uhr. Nach kleinen Schwimmübungen werfen sich die kleinen „Fischlinge“ einen Ball zu. Bewegung im Wasser sei wichtig, um ein Gefühl dafür zu bekommen.

10.45 Uhr. Das Schönste zum Schluss: eine kleine Wasserschlacht und dann raus aus dem Becken. Gülcan Kamps sieht den Kleinen gerne zu. „Ich bin für meine Fischlinge da und halte auch Händchen“, sagt die Frau von Sebastian Kamps, Sohn des ehemaligen Großbäckereibesitzers Heiner Kamps.

Rund 1200 Anmeldungen

Pünktlich um 11 Uhr endet die erste Schwimmstunde. Rainer Fiesel, Präsident des gastgebenden Schwimmvereins Schleddenhofer SV, sieht Potenzial im Projekt. Wenn die Familie Kamps das Pilotprojekt weiterführen würde, sei dies für die Schwimmvereine der Region ein Gewinn. „Wenn 30 von 40 Kindern, die den Kurs belegen, in einen Schwimmverein eintreten, wäre das zu begrüßen.“

Ob das Pilotprojekt, das auch noch in Düsseldorf, Rostock, Erfurt und Berlin stattfindet, eine bundesweite Auflage erfährt, wird eine Auswertung ergeben. Gülcan Kamps: „Ich will weitermachen und bin begeistert von der Idee. Kostenlose Schwimmkurse in ganz Deutschland wären toll.“

Bislang hat es für den Pilot rund 1200 Anmeldungen gegeben; eine Obergrenze gibt es momentan nicht. Besonders für sozial schwächer gestellte Familien ist dieses Angebot eine Möglichkeit, ihren Kindern in 10 Tagen die Grundlagen des Schwimmens beibringen zu lassen.

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