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„Sing meinen Song“: Biedermann singt für verstorbenen Vater

Jeanette Biedermann hat bei „Sing meinen Song“ für ihren verstorbenen Vater gesungen.

Jeanette Biedermann hat bei „Sing meinen Song“ für ihren verstorbenen Vater gesungen.

Foto: TVNOW / Markus Hertrich

Berlin  Jeanette Biedermann ist bekannt für stimmungsvolle Songs und ihre Outfits. Bei „Sing meinen Song“ berichtete sie aber über unbekanntes.

Fast hätte man sie vergessen. Doch mit „Sing meinen Song“ kehrt Jeanette Biedermann am Dienstagabend wieder voll zurück. Mit im Gepäck: ein großes 2000er-Revival.Und an was erinnert man sich vor allen Dingen zurück, wenn man an die Sängerin denkt? Richtig! Ihre gewagten bis freizügigen Outfits, die blonde Mähne, starke Stimme und ein absolut selbstbewusstes Auftreten.

Damals, vor 20 Jahren – wie Jeanette Biedermann immer betont – war das alles okay, aber heutzutage? Wenn man den diesjährigen „Sing meinen Song“-Teilnehmern so zuschaut, würde man die Frage wohl mit nein beantworten. Auf einmal werden die sonst so selbstbewussten Männer zu schüchternen Teenies. Michael Patrick Kelly kriegt ganz rote Ohren, als er einen alten Kalender mit Fotos der Blondine hervorholt. „Wäre ich doch glatt im Kloster geblieben“, kommentiert er.

„Sing meinen Song“: Jeanette Biedermann, Michael Jackson und David Hasselhoff sind Thema

Währenddessen erinnert sich Johannes Oerding an seine Kindheit zurück, in der neben Jeanette David Hasselhoff und Michael Jackson seine Wand zierten. Und der Rest schaut dem skurrilen Schauspiel mehr oder weniger aufmerksam zu. Milow scheint auch interessiert an dem Kalender zu sein. Zumindest nimmt er ihn Michael Patrick Kelly ab, als es ihm bei einem freizügigen Foto die Sprache verschlägt.

Die einzige, die cool bleibt: Jeanette. Der Rest vermittelt den Eindruck, eine Karriere als Feminismusbeauftragte(r) anzustreben. „Schämst du dich?“, muss Kelly natürlich fragen. „Nein, das gehört alles zu mir“, antwortet die 39-Jährige. Recht hat sie.

Wincent Weiss bringt eine Schmusenummmer

Während Johannes Oerding aus einer der erfolgreichsten Biedermann-Singles „Rock My Life” eine kuschelige Lagerfeuer-Nummer macht, ist Michael Patrick Kelly so empört über das Wort „damn“ in dem Song „Run With Me“, dass er es mal eben zu „Hey“ umwandelt. Die irische Folk-Version ist nun ja, sehr Kelly eben. Geschmackssache.

Wincent Weiss wählt denselben Schachzug wie Johannes Oerding und aus der sonst so vorwärtsdrängenden Pop-Nummer „Right Now“ macht er eine Schmusenummer. Dabei wird man den Eindruck nicht los, dass die Männer von so viel Frauenpower etwas eingeschüchtert sind. Dabei konnte

Ihre Interpretationen waren leider wenig überraschend, viel interessanter wäre es doch gewesen, wenn sich da mal einer hingestellt hätte und in seiner ganzen Männlichkeit alles bei einem Jeanette-Biedermann-Song gegeben hätte. Aber es soll nicht sein. Die einzige, die an diesem Abend Eier hat – ups, darf man den Ausdruck in dieser feministischen Welt überhaupt verwenden? – ist die Frontfrau der deutschen Symphonic-Metal-Band Beyond the Black, Jennifer Haben. Aus der Pop-Version von Tschaikowskis Schwanensee macht sie mal eben eine Metal-Version.

Und da ist endlich der Mut, den man vorher bei den anderen Künstlern so vermisst hat. Und der stimmungstechnisch einzige nicht-melancholische Höhepunkt des Abends.

Jeanette Biedermann berichtet über Kindheit in der DDR

Als Jeanette Biedermann von ihrer Kindheit in der DDR erzählt, davon dass ihr Vater bedroht worden ist, als er einen Ausreiseantrag gestellt hat, da wird es an dem Holztisch von Südafrika auf einmal ganz still. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion floh die Familie nach Prag.„Meine Eltern haben mir gesagt, es ist ein Tagesausflug“, erzählt die Sängerin. Dabei hielten ihre Eltern sie die ganze Zeit ganz fest am Arm. Damals wunderte sie sich, heute erklärt sie: „Die Stasi ist in die Züge gekommen und hat die Kinder rausgestohlen, um die Eltern zu zwingen zurückzukommen.“ Bedrücktes Schweigen.

Bei den Erinnerungen an den Vater kullern schließlich auch Tränen. „Group Hug, Group Hug“, hört man gleich. Und so wird sich erstmal gedrückt. Als Jennifer Haben dann auch noch um ihren verstorbenen Großvater weint, kann nur eins helfen: „Group Hug“. Was hat diese Sendung nur an sich, dass die Teilnehmer offenbar alle eine gewisse „Group-Hug“-Abhängigkeit entwickeln? Zum Glück gibt es Johannes Oerding, der erklärt, dass Schnaps jetzt hilft. Danke Johannes! Wo

Musikalischer Höhepunkt ist an diesem Abend der Auftritt von Alvaro Soler. Mit einer gefühlvollen Interpretation von „1 mit dir“ – ja, der Song wird wirklich so geschrieben – zeigt er die Qualität seiner Stimme – doch statt Schmuse-Ballade wirkt der Song absolut authentisch und gar nicht übermäßig emotionalisiert.

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