Antisemitismus

So reagieren New Yorker auf Hakenkreuz-Symbole in der U-Bahn

In einer New Yorker U-Bahn schmierten Unbekannte mit Filzstift Hakenkreuze auf Scheiben und Werbetafeln.

In einer New Yorker U-Bahn schmierten Unbekannte mit Filzstift Hakenkreuze auf Scheiben und Werbetafeln.

Foto: © Elizabeth Shafiroff / Reuters / REUTERS

New York  Unbekannte beschmierten eine New Yorker U-Bahn mit Nazi-Parolen und Hakenkreuzen. Die Fahrgäste starteten eine spontane Putzaktion.

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Es sind bedrückende Worte und Zeichen, die dem New Yorker Rechtsanwalt Gregory Locke (27) Samstagnacht auf seinem Heimweg in der U-Bahn der Linie 1 ins Auge fallen. „Juden gehören in den Ofen“, „Zerstört Israel“ oder „Heil Hitler“ – solche Parolen, garniert mit vielen Hakenkreuzen, haben Unbekannte an die Scheiben eines U-Bahn-Wagons geschmiert, berichtet etwa die „New York Times“.

Für die Fahrgäste ist es eine unbehagliche Situation. Sie schauen sich unsicher an, wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Es herrscht betretenes Schweigen. So schildert Gregory Locke die Situation in der U-Bahn auf seiner Facebook-Seite. Doch dann steht ein Mann auf, der weiß, was zu tun ist, beschreibt der Anwalt weiter. „Handdesinfektionsmittel beseitigt Edding“, sagt er laut. „Wir brauchen Alkohol.“

Spontane Putz-Aktion in New Yorker U-Bahn

Der Mann nimmt ein Taschentuch und macht sich ans Werk. Zahlreiche Fahrgäste erwachen aus ihrer Lähmung und folgen seinem Beispiel. Fotos auf Lockes Facebook-Seite zeugen von der spontanen Putz-Aktion – und dem Zusammenhalt der New Yorker. Innerhalb von zwei Minuten seien alle Hass-Parolen entfernt gewesen.

„Ich habe noch nie gesehen, dass so viele Leute gleichzeitig in ihre Hand- und Jackentaschen greifen, um nach Taschentüchern und Purell zu suchen“, erinnert sich Locke. Das Purell-Desinfektionsgel ist in den USA ein weit verbreitetes Accessoire unter Großstädtern.

„Bleib nobel, New York“

Jared Nied (36) heißt der Initiator der Putz-Aktion. Er war auf dem Heimweg von seinem Job als Sous-Chef in einem New Yorker Restaurant, wie die „New York Times“ berichtet. Auch er postete auf Facebook ein Foto der antisemitischen Schmierereien und schrieb dazu: „Bleib nobel, New York.“ Auch er macht darauf aufmerksam, das Handdesinfektionsgel gegen Filzstift-Graffitis hilft. „Teilt das und verbreitet es in der Welt“, ruft er seine Facebook-Follower auf.

Gregory Locke ist bestürzt über die Nazi-Symbole in der U-Bahn. Doch aus seinen Worten klingt auch ein wenig Stolz auf seine New Yorker Mitbürger. „Ich vermute, das ist Trumps Amerika“, habe ein Fahrgast angesichts der Schmierereien gesagt, berichtet der Anwalt. Locke hält dagegen. Die Schmierereien in der U-Bahn seien nicht Amerika – nicht heute und auch sonst niemals. Nicht jedenfalls, solange die New Yorker dagegenhielten.

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